Jürgen Luginger war enttäuscht. Der Trainer der Schalker Reserve wusste um die Chance, die seine Mannschaft beim 0:1 gegen den direkten Konkurrenten Düsseldorf II vergeben hatte.

Schalke II

Glücksgöttin Fortuna verlässt Gasilin

Hendrik Niebuhr
22. November 2015, 15:42 Uhr

Jürgen Luginger war enttäuscht. Der Trainer der Schalker Reserve wusste um die Chance, die seine Mannschaft beim 0:1 gegen den direkten Konkurrenten Düsseldorf II vergeben hatte.

Mit einem Sieg hätten die Königsblauen einen großen Sprung in der Tabelle machen und den Gegner erst einmal abhängen können, doch nach dem späten Elfmetergegentor war das Gegenteil der Fall. Schalke fiel auf den 16. Platz, die Fortuna kletterte auf den neunten Rang. Den Schalkern fehlte am Freitagabend einfach die Durchschlagskraft – auch weil Top-Torjäger Aleksej Gasilin nicht so zündete wie gewohnt.

Im Sommer war der Russe Schalkes Nachwuchskoordinator Oliver Ruhnert bei der U19-Europameisterschaft in Griechenland aufgefallen, wo er mit seiner Mannschaft erst im Finale den Spaniern unterlag. Schalke lieh den Angreifer von Zenit St. Petersburg zunächst für ein Jahr aus – eine Entscheidung, die sich als richtige entpuppen sollte. Acht Treffer gelangen dem Stürmer, der weniger in die Kategorie „Brecher“, sondern vielmehr in die des Arbeiters, der auch mal für seine Mitspieler Chancen auflegt, passt, in dieser Spielzeit in bislang 15 Partien – ein starker Wert. Damit führt das 19-jährige Talent die interne Torjägerliste deutlich an, Thomas Rathgeber auf dem zweiten Platz traf erst dreimal. Ligaweit ist Gasilin immerhin der viertbeste Torschütze.

Ein Beleg für eine zu große Abhängigkeit von dem Youngster, der sämtliche Juniorennationalmannschaften Russlands durchlaufen hat und im Jahr 2013 mit der U17 gar Europameister wurde? Vielleicht, denn gegen die Landeshauptstädter kam Schalkes Offensive, als es auch bei Gasilin nicht völlig rund lief, nicht richtig in Fahrt. Dennoch: Wenn sich S04 mal gefährlich im Angriff zeigte, dann war Gasilin, der nicht direkt in der Spitze spielte, sondern mehr über die linke Seite kam, immer dran beteiligt. In der ersten Hälfte verpasste er jedoch zweimal den richtigen Zeitpunkt für den Pass zum besser postierten Nebenmann, ließ sich stattdessen einmal plump fallen (25.) und schoss einmal harmlos aufs Tor (29.). „Das waren riesige Möglichkeiten, die wir eigentlich gut herausgespielt hatten“, haderte Luginger mit den leichtfertig vergebenen Chancen.

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Und trotzdem hätte Gasilin im zweiten Abschnitt zum Helden werden können. Doch als er in der 77. Minute schön steil geschickt wurde und alleine vor Fortunas Keeper Tim Wiesner auftauchte, wollte er es augenscheinlich anders machen als in der ersten Hälfte und spielte das Leder noch einmal quer. Doch kein anderer Schalker war mitgelaufen und so wurde die beste Chance des Spiels leichtfertig vergeben. Drei Minuten später suchte der flinke Stürmer, der sich mit der deutschen Sprache noch schwer tut, zwar den Abschluss, wurde jedoch vom Linienrichter zurückgewunken. Es schien, als würde Gasilin ausgerechnet gegen die Düsseldorfer Fortuna von der gleichnamigen Glücksgöttin verlassen worden sein. So kam, was kommen musste, den Landeshauptstädtern glückte der späte Siegtreffer und die Luginger-Elf stand plötzlich mit leeren Händen da.

Autor: Hendrik Niebuhr

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