Der SC Berchum/Garenfeld und Trainer Anziz Mbae gehen ab sofort getrennte Wege. So

SC Berchum/Garenfeld

Kapitänsrevolte kostet Mbae den Job

Julian Bischoff
20. November 2015, 12:11 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Der SC Berchum/Garenfeld und Trainer Anziz Mbae gehen ab sofort getrennte Wege. So "einvernehmlich", wie von Vereinsseite behauptet, lief die Geschichte nicht ab.

Als am Mittwoch bekannt wurde, dass Anziz Mbae ab sofort nicht mehr Trainer des Hagener Stadtteilclubs ist, war von Vereinsseite aus von einer "einvernehmlichen Trennung" die Rede. Nun stellt der Ex-Coach gegenüber RevierSport klar, dass diese Darstellung nicht ganz den Tatsachen entspreche.

"Ich habe den Verein vor die Wahl gestellt"

Vielmehr sei er es gewesen, der den Vorstand des Bezirksligisten vor die Wahl gestellt habe. "Der Kapitän oder ich" - so lautete das Motto.

Hintergrund war der schon länger schwelende Konflikt Mbaes mit seinem Spielführer [person=21392]Jan Bormann[/person]. Den hatte der Trainer im Vorfeld der vergangenen Partie in Breckerfeld suspendiert - weil er bereits seit längerer Zeit für Unruhe innerhalb der Mannschaft gesorgt habe. Diese Maßnahme sei offen kommuniziert worden, betont Mbae, der Vorstand sei damit "einverstanden gewesen", ebenso ein "Großteil der Spieler".

Bereits seit Beginn der Sommervorbereitung - Mbae war gerade erst von der Zweitvertretung des SV Hohenlimburg nach Hagen gewechselt - habe es zwischen Bormann und ihm gekriselt. "Er hat nur Unruhe gestiftet", kritisiert der geschasste Coach. Darüber hinaus habe er die Mannschaft gespalten und eine Gruppe bestimmter Spieler hinter sich versammelt, die "Interna nach außen getragen" haben soll. "Ich bin ihm anfangs noch entgegen gekommen und habe versucht, ihn zu überzeugen", so Mbae weiter. Doch schließlich habe er aufgegeben, die Suspendierung sei unumgänglich gewesen.

Revolte-Gruppe beim Vorstand

Bormann selber mochte seine Freistellung jedoch nicht hinnehmen. Gemeinsam mit einigen Mitspielern - die gegenüber Mbae anonym bleiben wollten - suchte der 28-Jährige den Kontakt zum Vorstand und kritisierte den Trainer dabei deutlich. Unter anderem soll die Gruppe ihre Verärgerung darüber geäußert haben, dass Mbae keine Videoanalyse der Partien anbiete - wobei derlei technische Hilfsmittel auf Bezirksliganiveau die absolute Ausnahme darstellen. "Bormann meint, dass die Mannschaft mit einem anderen Coach aufsteigen kann", sagt Mbae und findet, dass die Qualitäten des Teams damit "klar überschätzt" würden.

Darüber hinaus sollen Bormann und Co. gegenüber der Vereinsführung mit einem geschlossenen Abgang in der Winterpause gedroht haben, wenn Mbae nicht entlassen würde. "Das war Erpressung", stellt dieser fest. Als er von der Spieler-Revolte erfuhr, habe er die Vereinsführung als Reaktion darauf ebenfalls vor die Wahl gestellt. "Entweder Bormann oder ich" - der SV Berchum/Garenfeld entschied sich für seinen Kapitän und schasste Mbae. "Man hat sich für ihn entschieden und gegen mich. Das muss ich akzeptieren."

Probleme seit Saisonbeginn

Über die Art und Weise seines frühzeitigen Abgangs zeigt sich Mbae enttäuscht. Die Spieler-Revolte um Bormann sieht er als Höhepunkt einer schmutzigen Kampagne gegen sich, im Verlaufe seiner nur wenige Monate andauernden Amtszeit sei es immer wieder zu unschönen Aktionen gekommen. So will Mbae erfahren haben, dass sich die Bormann-Gruppe an einem Abend, an dem ursprünglich ein Mannschaftstreffen geplant war, mit Frank Henes getroffen hatte, dem Vorgänger Mbaes auf dem Trainerstuhl der Rot-Schwarzen. Diesen Vorfall weist dieser jedoch strikt zurück. "Ein solches Treffen hat es an diesem Abend nicht gegeben", so Henes. Dass Mbae glaube, Bormann wolle den alten Coach zurück ins SCBG-Boot holen, verweist Henes überdies ins Reich der Fabeln. "Das ist überhaupt nichts dran", so der Coach, der bei seinem neuen Club, dem A-Ligisten FC Herdecke-Ende, "sehr zufrieden" sei und "keinerlei Abwanderungsgedanken" hege. Jan Bormann mochte sich unterdessen gegeüber RevierSport nicht zu der Causa Mbae äußern. Sein Verein möchte in den kommenden Tagen eine Stellungnahme zum Thema veröffentlichen.

Mbae selbst indes nichts vorwerfen lassen. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit, wir lagen trotz acht bis neun verletzten Stammspielern voll im Soll", konstatiert Mbae. In der Tat kann man über die bisherige Saison der Hagener nicht meckern. In zwölf Spielen holte Berchum/Garenfeld immerhin 18 Zähler, auf Platz sieben stehend hat man aktuell lediglich vier Zähler Rückstand auf Rang zwei. Das vor der Saison ausgegebene Zwischenziel, auf einem der ersten acht Tabellenplätze zu überwintern, befindet sich also in Reichweite. Dass das so bleibt, soll zunächst einmal Co-Trainer Christian Jackson interimsmäßig sicherstellen. Schon am morgigen Samstag wird er an der Seitenlinie stehen, wenn der SCBG im verlegten Bezirksligaduell den FSV Gevelsberg empfängt. In der Winterpause soll dann ein ein neuer Chefcoach präsentiert werden.

"Ich bin gespannt, wie es weitergeht", sagt Mbae nicht ohne Argwohn. Bevor er wieder für eine Trainerstelle zu haben ist, möchte er sich zunächst einmal verstärkt um seine Kinder kümmern - und die Kapitänsrevolte beim SC Berchum/Garenfeld verarbeiten.

[b]Anmerkung:[/b] In einer vorherigen Version dieses Artikels fehlten die Aussagen von Frank Henes sowie die Anmerkung, dass sich Jan Bormann nicht zum Thema äußern möchte.

Autor: Julian Bischoff

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