Der MSV Duisburg hat schon den Cheftrainer ausgewechselt, Rhein-Rivale Fortuna Düsseldorf könnte folgen.

Düsseldorf

Kramer bei Fortuna auf der Kippe

Michael Ryberg
19. November 2015, 10:07 Uhr
Foto: firo

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Der MSV Duisburg hat schon den Cheftrainer ausgewechselt, Rhein-Rivale Fortuna Düsseldorf könnte folgen.

Wenn das morgigen Derby in der Arena gegen die „Zebras“ verloren geht, dürfte Frank Kramer wohl seine Koffer packen nach nur 15 Punkt- und zwei DFB-Pokalspielen.

Gleich zwei Trainingstage in Serie unter Ausschluss der Öffentlichkeit sind bei Fortuna Düsseldorf nicht unbedingt Normalität. Vor dem Kellerduell mit dem Schlusslicht aus Duisburg versucht sich Chefcoach Frank Kramer offenbar als Taktiktüftler im Verborgenen. Es soll schließlich nirgendwo öffentlich zu lesen sein, wie der Trainer seine elf Fortunen nach der jüngsten Enttäuschung zusammenpuzzeln will.
So, wie sich seine Schäfchen zuletzt beim 0:4-Montagsdebakel auf St. Pauli präsentiert hatten, bleiben ohnehin nicht mehr viele Argumente, die dem ehemaligen Fürther eine erfolgreiche Arbeit in der NRW-Landeshauptstadt hätten auskleiden können. „Ich fokussiere mich auf das, was ich beeinflussen kann“, verbalisierte Kramer seine Flucht nach vorn.

Von einer drohenden Beurlaubung nach nur drei Siegen in 17 Pflichtspielen – in dieser Statistik eine Heimpleite gegen die Meidericher vorausgesetzt – will sich der 43-Jährige seine Gedanken nicht vernebeln lassen. Die spannende Frage wird sein, wie sich die Mannschaft am Freitagabend präsentiert. Stabilität und Auftritte des zweimaligen DFB-Pokalsiegers sind schließlich derzeit zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

Der indiskutable Auftritt beim 1:5 im Zweitrundenpokalspiel in Nürnberg Ende Oktober schien, im negativen Sinn, kaum mehr steigerungsfähig. Zumal ein Heimsieg gegen Greuther Fürth die schon aufkeimende Trainerdiskussion erst einmal erstickte. Doch die Fortuna stürzte wieder in ein erbärmliches Leistungstal. Das 0:4 beim FC St. Pauli zementierte den Aufstiegsmitfavoriten auf Platz 16. „Wir sind im Abstiegskampf, gegen den MSV wird es ein Fight werden, den wir annehmen müssen“, betont Kramer.

Damit das auch jeder im roten Dress verinnerlicht, kreuzte diesertage Paul Jäger in der Umkleidekabine an der Arena auf. Der Vorstandsvorsitzende, der bei der Fortuna seit 25 Jahren in der Führungsriege mitarbeitet, rief dazu auf, endlich eine verschworene Gemeinschaft auf dem Rasen zu sein. „Alle erzählen hier, wie gut es mit dem Trainer läuft. Dann sollen sie es doch auch zeigen, verdammt noch mal“, unterstrich Jäger.

Im August oder September hätte wohl niemand in Düsseldorf das Duell mit dem Nachbarn mit Schweiß auf der Stirn thematisiert. Das sieht nun anders aus. „In unserer jetzigen Situation ist jeder Gegner schwierig“, erklärt beispielsweise Sercan Sararer. Der Ur-Fürther, der unter Frank Kramer zu den Profis der Kleeblätter fand und den Fortuna im Sommer vom VfB Stuttgart verpflichtet hatte, gilt als Kicker mit den meisten Torchancen der zweiten Liga. Hat aber noch keine verwertet.

„Wenn es nicht läuft, muss man einfach weitermachen“, hebt der technisch versierte Türke hervor. Ein wenig Verzweiflung klingt in der Stimme schon mit. Von der Bundesliga auf einen Abstiegsplatz im Unterhaus – das hatte sich Sararer sicher nicht so vorgestellt. Auch Abwehrchef Adam Bodzek, der die Kickerei beim morgigen Gegner MSV Duisburg erlernte, hat schon bessere Zeiten erlebt. „Die Tabelle lügt nie! Wir müssen schlicht zusehen, dass wir unseren Heimvorteil nutzen und drei Punkte machen. Kämpfen, defensiv gut stehen, vorn die Chancen nutzen – fertig!"

Autor: Michael Ryberg

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