Zur Eröffnung des 90+4-Talk in der Sparkasse Mülheim konnte es (leider) kein anderes Thema geben. Eigentlich stand die Frage im Raum, ob sich der amtierende Weltmeister im Sommer in Frankreich auch zum Europameister krönt.

90+4 Talk

"Das sind Bestien!"

17. November 2015, 13:31 Uhr
Foto: Tillmann

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Zur Eröffnung des 90+4-Talk in der Sparkasse Mülheim konnte es (leider) kein anderes Thema geben. Eigentlich stand die Frage im Raum, ob sich der amtierende Weltmeister im Sommer in Frankreich auch zum Europameister krönt.

Aber viel zu präsent waren die Eindrücke von den Terroranschlägen in Paris. Und Schalke-Legende Klaus Fischer, der die Traditionsmannschaft der Königsblauen beim kommenden NRW Traditionsmasters repräsentiert, erntete den ersten trotzigen Applaus der rund 100 Gäste, als er sagte: „Für mich sind die, die so etwas machen, Bestien.“

Zwei der Teilnehmer fühlten sich an die Anschläge am 11. September 2001 erinnert. Oliver Reck spielte damals mit Schalke 04 in der Champions League gegen Panathinaikos Athen und gab zu Protokoll, „dass ich mich in die Spieler ein Stück weit hineinversetzen kann.“ Funke Sport-Redakteur Thomas Lelgemann war an besagtem Tag mit Borussia Dortmund in Kiew. Die Schwarz-Gelben mussten ebenfalls in der Königsklasse ran. „Wir kamen ins Hotel zurück und sahen, wie die Türme einstürzten. An dem Tag war es absolut falsch, dass noch gespielt wurde.“ Fischer sprang ihm gleich zur Seite: „Ich kann mir vorstellen, dass so ein Ereignis noch lange in den Knochen steckt.“

Exakt 39 Jahre nach dem Jahrhunderttor

Der Schütze des Jahrhunderttors, der auf den Tag genau 39 Jahre vor dem 90+4-Talk per Fallrückzieher gegen die Schweiz getroffen hatte, schloss das Thema dann auch gleich ab, indem er die Entscheidung des DFB, das Freundschaftsspiel gegen die Niederlande in Hannover stattfinden zu lassen, begrüßte: „Es ist richtig und wichtig, dass das Spiel ausgetragen wird. Wir dürfen uns nicht vom Terror unterkriegen lassen.“

Letztlich war es dann Reck, der es schaffte, den Bogen zum Sportlichen zu schlagen und hervorhob, was verständlicherweise untergegangen war: „Das einzige, was an dem Abend positiv war, war das erste Länderspiel von Leroy Sané. Wie er da in das Spiel gegangen ist, hat mir richtig gut gefallen.“ Das Debüt von Schalkes Nachwuchs-Hoffnung nahm Moderator Ralf Bosse gleich zum Anlass, um auf die Lage der Nationalmannschaft einzugehen. Schließlich komme es nach großen Turnieren regelmäßig vor, dass sich verdiente Spieler aus der Auswahl verabschieden.

Da kommen so viele gute Jungs nach
Oliver Reck

Reck winkte sofort ab und verwies auf die Nachwuchsarbeit der Profi-Vereine. „Da kommen so viele gute Jungs nach, dass wir uns keine Sorgen machen müssen“, sagte der Europameister von 1996.

Für Fischer allerdings besteht das Risiko des Qualitätsschwunds nicht nur im Falle von eventuellen Rücktritte. „In der linken und in der rechten Verteidigung sowie in der Sturmspitze hat die Nationalmannschaft Probleme“, urteilte der 65-Jährige und fragte überspitzt in die Runde: „Auf wen wollen die Jungs denn flanken? Auf Götze?“

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Funke Sport-Redakteur Lelgemann brach schließlich eine Lanze für den Dortmunder Matthias Ginter, der sich in der Viererkette auf der rechten Seite scheinbar wohl fühlt: „Er ist noch so jung, dass er sich bis zur Europameisterschaft weiterentwickeln wird.“ Fischer, der zugeben musste, dass er „kein Freund von Mario Gomez“ als mögliche Option im Sturm sei, wiegelte auch die Option Ginter – unabhängig von dessen Vereinszugehörigkeit – ab: „Ich glaube nicht, dass er in der Nationalelf so eine Rolle spielen wird wie in Dortmund.“ Die Überlegung, ob Bundestrainer Joachim Löw Rafinha, der seit kurzem im Besitz eines deutschen Passes ist, berücksichtigen solle, ging in der allgemeinen Diskussion unter.

Und so musste Oli Reck wieder auf die Jugend verweisen. Da schaltete sich auch Peter Hein, Vorsitzender des Mülheimer Fußballverbandes, ein und verwies auf den Stellenwert der Amateure für die DFB-Auswahl, woraufhin Moderator Bosse ihm beipflichtete: „Stimmt, alle Profis kommen von der Asche.“ Hein protestierte: „Mülheim ist die Stadt des Kunstrasens!“

Ob der Weltmeister sich in Paris im kommenden Sommer Europas Krone aufsetzen würde, war dann letztlich nur noch Nebensache.

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