Der Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf bekommt angesichts des enttäuschenden Saisonverlaufs immer größeren Gegenwind zu spüren.

Fortuna Düsseldorf

„Wir machen uns zum Gespött der Liga“

Aaron Knopp
13. November 2015, 10:12 Uhr
Foto: firo

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Der Aufsichtsrat von Fortuna Düsseldorf bekommt angesichts des enttäuschenden Saisonverlaufs immer größeren Gegenwind zu spüren.

14 Spiele, 12 Punkte, Tabellenplatz 16 – die 0:4-Niederlage beim FC St. Pauli markierte am Montag eigentlich nur einen weiteren Tiefpunkt in Fortuna Düsseldorfs enttäuschender Saison. Nun erfährt der Aufsichtsrat des Vereins aus Fankreisen spürbaren Gegenwind. Alexander Kappen, Fortuna-Fan und Mitglied der großen Facebook-Gruppe „Lumpis Erben: Für Verbesserungen bei Fortuna Düsseldorf“ hat einen offenen Brief verfasst und stellt dem Gremium darin sogar ein Ultimatum.

Bis zum Spiel gegen Zweitliga-Schlusslicht MSV Duisburg am 21. November müsse sich dringend Besserung einstellen. Ansonsten sehe er sich veranlasst, die übrigen Mitglieder zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung aufzurufen. Dazu wären Stimmen von 10 Prozent aller Vereinsmitglieder nötig, eine Zahl, die Kappen für problemlos erreichbar hält.

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Seine Forderungen beziehen sich vor allem auf die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand. Mit den aktuellen Ränkespielen mache man sich zum „Gespött der Liga“. Durch das Verhalten des Aufsichtsrats scheue sich der Vorstand zudem offenbar auch davor, eine Antwort auf die Trainerfrage zu finden. Frank Kramer sei nicht nur nach Meinung des Verfassers nicht der geeignete Cheftrainer für Fortuna Düsseldorf.

Weiterhin missfällt Kappen der Umfang mit verdienten Spielern, Trainern und Funktionären. Die Facebook-Gruppe, in der das Schreiben gepostet wurde, hatte sich nicht zuletzt gegründet, um sich für den Verbleib von Andreas Lambertz stark zu machen.

Der offene Brief im Wortlaut:

An den
Aufsichtsrat des
Düsseldorfer Turn- und
Sportverein Fortuna 1895 e.V.

per E-Mail

Offener Brief an den Aufsichtsrat

Sehr geehrte Herren Aufsichtsräte, liebe Fortunen,

die aktuelle sportliche, aber auch vereinsinterne Situation unserer Fortuna besorgt mich wie auch viele andere Fans und Mitglieder in höchstem Maße. Insbesondere die Tatsache, dass unsere erste Mannschaft aktuell nach 14 Spieltagen lediglich 12 Punkte erspielen konnte und derzeit auf dem Relegationsplatz steht, lässt bei uns alle Alarmglocken klingeln. Aber lassen Sie mich bitte etwas weiter ausholen.

Im Mai d.J. war ich einer der 7 Gruppengründer und –administratoren der Facebookgruppe „Lumpi muss bleiben“ (mittlerweile in „Lumpis Erbe: Für Verbesserungen bei Fortuna Düsseldorf“ umbenannt), die sich für den Verbleib von Andreas Lambertz im Kader der ersten Mannschaft stark gemacht hat. Leider waren wir damals mit unseren Bemühungen nicht erfolgreich, haben aber klar gemacht, dass Fans und Mitglieder durchaus in der Lage sind, ihre Meinung zu verschiedenen Themen zu klar zu artikulieren und Dinge anzusprechen, wenn sie nicht so laufen wie sie sollten.

Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass Frank Kramer Cheftrainer der Mannschaft werden sollte. Der Vorstand teilte uns damals bei einem persönlichen Gespräch in der Geschäftsstelle mit, dass Herr Kramer nicht mit Lumpi plane und diesem daher keine Vertragsverlängerung angeboten worden sei. Wir haben damals klar gemacht, dass diese Entscheidung dem Trainer irgendwann noch einmal auf die Füße fallen könnte.

Die Personalie „Lumpi“ war aber nicht die einzige, die äußerst umstritten war. Auch die Entlassung von Goran Vukic und Ilja Ludenberg wurde mit großem Befremden von Fans und Mitgliedern aufgenommen. Auch der Weggang (keine Vertragsverlängerung) verschiedener langjähriger Spieler, die sich auch über das Sportliche hinaus persönlich mit dem Verein identifiziert haben, ist den Fans nicht entgangen und wurde mit Befremden festgestellt.

Man hatte fast den Eindruck, der Verein sollte „entkernt“ werden.

Aber noch einmal zu Trainer. Herr Kramer hatte lange Zeit die Mannschaft zu trainieren, mit seinem Konzept vertraut zu machen und sowohl physisch als auch mental auf die neue Saison vorzubereiten. Ich möchte jetzt nicht im Detail auf jedes einzelne Spiel eingehen, aber wir sind uns sicher einig, dass der erhoffte Erfolg bis dato ausgeblieben und auch keinerlei Fortschritt bei der Mannschaft weder in mentaler (Einstellung) noch taktischer (Spielsystem) zu erkennen ist. Unser vor der Saison hochgelobter Kader (nicht nur vom Verein, sondern auch von Medien und Gegnern) spielt, bis auf wenige Ausnahmen wie gegen Bochum oder eine Halbzeit gegen Berlin, sich eine Katastrophe nach der anderen zusammen. Dabei rotiert der Trainer fröhlich durch und stellt Spieler auf Positionen auf, die nicht unbedingt deren Ausbildung und Talent entsprechen. Nur nach der Pokalklatsche gegen Nürnberg zeigte sich im Spiel gegen Fürth ein kurzes Aufbäumen, welches aber nicht durch spielerische Qualität, sondern nur durch ein kurzes Aufblitzen von Kampfgeist gewonnen wurde.

Lassen Sie es uns kurz machen, auch Herr Kramer ist offensichtlich für unseren Verein nicht als Cheftrainer geeignet. Diese Meinung wird mittlerweile von einem überwiegenden Teil der Fans und Mitglieder getragen.

Ein weiterer Punkt ist, und der wurde bereits auf der JHV im Oktober angesprochen, die „Bild-Badge-Affäre“ und die öffentliche indirekte Kritik am Vorstand durch AR-Mitglieder, darunter dem Vorsitzenden. Hier wurde quasi über die Öffentlichkeit dem Vorstand klar gemacht „Handele bloß nicht gegen den Willen des AR, auch wenn es operatives Geschäft ist!“. Warum ich das jetzt noch einmal anspreche? Das wird später klar werden.

Lassen Sie mich auch noch einmal auf die JHV zu sprechen kommen. In einer emotionalen Rede hat Paul Jäger, teilweise von Pfiffen aus den hinteren Reihen begleitet, die Mitglieder soweit zu einen, dass selbst Wackelkandidaten aus dem Aufsichtsrat und auch ehemalige Vorstände entlastet wurden.

Als Dank dafür hat der AR bis dato noch kein lobendes Wort für den Vorstand gefunden, kein Wort der Unterstützung, kein Statement, dass man hinter dem Vorstand und seinem kommissarischen Vorsitzenden steht. Das einzige, was man bisher vernommen hat ist die Tatsache, dass der AR eine Münchner Agentur mit der Beratung für die Suche nach neuen Vorstandsmitgliedern beauftragt hat. Ich wage gar nicht zu fragen, was das kosten wird. Aber wenn man bedenkt, was wir so an Abfindungen in den letzten Jahren an Trainer und Vorstände rausgehauen haben, dann fällt das vermutlich nicht mehr ganz so ins Gewicht.

Wenn man das nun alles zusammen nimmt, dann zeichnet sich ein Bild, welches uns, den Fans und Mitgliedern nicht gefällt und das unseres Vereins und seiner Traditionen unwürdig ist. Der Vorstand müsste eigentlich dringend handeln (die Länderspielpause wäre ein guter Zeitpunkt), aber nachdem der AR, und nun schließt sich der Kreis, dem Vorstand in der Bild-Badge-Affäre klar gemacht hat, dass er ohne den AR nicht zu handeln hat (was eh‘ nicht möglich wäre, weil die Verpflichtung eines neuen Trainers und die Abfindung des Alten garantiert mehr als 4% des Lizenzspielerbudgets kostet und das laut §14 Abs. 3, Satz e. vom AR genehmigt werden muss), traut sich der Vorstand natürlich nicht mehr, den Kopf herauszustrecken! Und da der AR keinerlei Signale Richtung Vorstand gibt, dass er diese Rückendeckung erteilt (wovon ich ausgehe, weil diese mittlerweile auch öffentlich erfolgen müsste, nach dem, was bisher passiert ist), kann und wird der Vorstand natürlich nicht tätig werden. Im Gegenteil, er muss, um den Schein zu wahren und nicht seinerseits den AR zu kompromittieren, nötigenfalls wider besseres Wissen in der Öffentlichkeit dem Trainer den Rücken stärken. Wie hier ein langjähriger Fortune, der immer, in guten UND in schlechten Zeiten, zum Verein gestanden hat, demontiert wird, das ist unglaublich.

Sicherlich hat auch ein Paul Jäger seine Macken, aber die haben wir alle. Fakt ist, dass er nicht umsonst seit 26 Jahren für unsere Fortuna arbeitet und in dieser Zeit viel bewegt hat; allein oder auch im Team mit anderen. Mit ihm nun so umzugehen, das ist grenzwertig und des zweithöchsten Vereinsgremiums (nach der Mitgliederversammlung) unwürdig. In den letzten 2 Jahren hat unser Traditionsverein bereits genug Identifikationsfiguren verloren (z.B. Goran Vukic oder Andreas Lambertz). Da muss man nicht noch einen der übrigen Fortunen in aktiver Position im Verein mit aller Gewalt diskreditieren und zum Bauernopfer machen. Abgesehen davon macht uns das aktuelle Verhalten zum Gespött der Liga.

Wie Sie vor diesem Hintergrund, egal ob mit oder ohne teure Beratungsagentur, ernsthafte Kandidaten für unseren Vorstand finden wollen, das ist mir schleierhaft. Wer sollte sich das denn freiwillig antun? Und die, die das tun würden, die haben garantiert nicht das Format für diese Position und vermutlich schon die Abfindung bei Abberufung im Hinterkopf.

Um nun die Dinge endlich wieder in vernünftige Bahnen zu lenken, sehe ich eigentlich nur folgende Möglichkeit:

1. Der AR gibt ein offizielles Statement ab, dass er hinter den Handlungen des Vorstands steht, insbesondere in der Trainerfrage. Dies sollte möglichst einstimmig erfolgen, zumindest mit großer Mehrheit.

2. Die Neuwahl des neuen AR-Vorsitzenden findet schnellstmöglich statt. Der neue VV sollte bereits unter der Leitung des neuen AR-Chefs berufen werden.

3. Der AR stellt schnellstmöglich sicher, dass wieder jemand mit sportlicher Kompetenz und Sachverstand den Vorstand komplettiert!

Ich möchte betonen, dass es mir nicht darum geht, irgendjemand irgendwelche Schuld zuzuweisen. Aber das Kasperltheater, welches hier aktuell im Verein aufgeführt wird, schadet dem Verein und seinem Ansehen nachhaltig. Als Vereinsmitglied will und kann ich dem nicht weiter zusehen.

Kommt also bis zum Spiel gegen Duisburg am 21.11. keine Bewegung in die Sache, so werde ich für mich meine Rechte als Mitglied nach §12 Abs. 2 wahrnehmen und die anderen Mitglieder zur Unterstützung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung aufrufen. Eine Unterstützung des Antrags von mindesten 10% der Mitglieder halte ich bei der aktuellen Situation für problemlos erreichbar.

Es geht hier nicht um irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten, persönlichen Status oder wer mit wem noch ein Hühnchen zu rupfen hat (das können die betreffenden Herren dann gerne da unter sich ausmachen, wo es keinen Schaden am Verein anrichtet), sondern um unseren Verein, den es mittlerweile seit 120 Jahren gibt.

In dieser Zeit stand er schon einmal am Abgrund!
Das darf sich nicht noch einmal wiederholen!
Nie mehr dritte Liga!

Mit rot-weißen Grüßen

Alexander Kappen

Autor: Aaron Knopp

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