Gerald Asamoah ist einmalig. Das wurde auf der Pressekonferenz anlässlich seines Abschiedsspiels am Samstag wieder einmal mehr als deutlich.

Asa seine letzte Schicht

Neuer kommt direkt aus Paris

12. November 2015, 15:23 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Gerald Asamoah ist einmalig. Das wurde auf der Pressekonferenz anlässlich seines Abschiedsspiels am Samstag wieder einmal mehr als deutlich.

Wenn am Samstagabend um 18.30 Uhr "Asa seine letzte Schicht" angepfiffen wird, dann dürfte die Arena pickepackevoll sein. An der Tageskasse werden nur noch rund 2.000 Karten zu haben sein. Fast 60.000 Zuschauer beim Abschiedsspiel. "Man erhofft sich vielleicht solch eine Resonanz, aber ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen", sagt Asamoah, der einen großen Teil der Einnahmen seiner Stiftung für herzkranke Kinder zukommen lassen wird.

Welchen Stellenwert "Asa" auf Schalke und auch bei vielen ehemaligen Teamkollegen hat, wird allein daran deutlich, dass sich Nationaltorwart Manuel Neuer nach dem Länderspiel am Freitag gegen Frankreich aus Paris auf den Weg in seine alte Heimat macht, um beim letzten großen Auftritt seines alten Kumpels dabei zu sein. "Ich freue mich, dass Manu das durchgesetzt hat", strahlt Asamoah und fängt an aufzuzählen, wen er sonst noch so zu seiner Abschiedsparty eingeladen hat: "Rafinha, Marcelo Bordon, Heiko Westermann, Ebbe Sand, Jiri Nemec ('Mein Held'), Kevin Kuranyi, die Altintop-Brüder, Ivan Rakitic, Willi Landgraf, Otto Addo, Johannes Geis, Hans Sarpei, David Odonkor, Oliver Neuville, Marcell Jansen... vielleicht Miroslav Klose."

Die Liste von Weggefährten ist lang, namhaft ist auch der Trainerstab, der die Schalker beziehungsweise "Asas Allstars" coachen wird: Mirko Slomka und Huub Stevens betreuen die S04-Mannschaft, Rudi Völler und Jupp Heynckes Asamoahs Kollegen aus anderen Verbindungen. "Felix Magath hat einen anderen Termin und hat kurzfristig abgesagt", verrät Asamoah und hält kurz inne. "Ich habe etwas Angst, dass ich jemanden vergessen habe. Damit habe ich echt ein Problem", sagt er fast etwas traurig - so ist "Blondie" eben, am liebsten würde er sie alle noch einmal dabei haben.

Wie es sich dann anfühlen wird, wenn er sich kurz vor Schlusspfiff auswechseln lassen wird ("Ihr dürft gespannt sein, für wen!"), dass will er noch gar nicht wissen. "Im Moment ist es noch eine Mischung aus Stress, Vorfreude und Wehmut. Ich weiß auch noch nicht, was alles passiert, ich lasse mich selbst überraschen", erklärt Asa - und öffnet sein Kästchen mit Anekdoten...

Gerald Asamoah über...

Seinen Fitnesszustand:
"Zum Glück darf ich bei der U15, wo ich Co-Trainer bin, ein bisschen mitmachen. Ab und zu gehe ich morgens auch mal joggen. Ich habe auch ein kleines Fitnessstudio zu Hause, das Video, das ich jetzt gepostet habe, war aber ehrlich gesagt ein Alibi."

Seinen Nimbus als Publikumsliebling:
"Wie man Publikumsliebling wird? Indem man so bleibt wie man ist. Ich jedenfalls habe mich nie verstellt. Bei mir wusste immer jeder, dass ich mir den Arsch aufreiße, wenn ich auf dem Platz stehe. So wird man ein Schalker, dann gehört man einfach irgendwann zu Schalke und seinen Fans. Nach meinem Wechsel 1999 hätte ich nie gedacht, dass es mal so weit geht. Als nach einem Jahr Emile Mpenza kam, wollte ich schon wieder weg. Aber ich würde alles noch mal so machen. Ich habe mich eiskalt in Schalke verliebt. Allein, wenn ich daran denke, wie Rudi Assauer um mich gekämpft hat, er wollte mich unbedingt holen, obwohl ich Herzprobleme hatte."

Seine Anfänge im Ruhrgebiet: "Dass ich hier so schnell heimisch geworden bin, lag vor allem an den Leuten hier. Wenn dich die Leute akzeptieren, fühlst du dich einfach sehr wohl hier. Ich habe direkt am Nordring gewohnt, da warst du sofort mittendrin."

Seinen "Helden" Jiri Nemec:
"Wir haben uns neulich in Prag getroffen, als Schalke bei Sparta gespielt hat. Er hat erzählt und erzählt. Ich meinte nur, 'Jiri, was ist denn los mit Dir?' Nee, stimmt natürlich nicht (lacht). Der Meister war ein ganz besonderer Spieler. Ich habe im Bus immer hinter ihm gesessen und ihm Streiche gespielt. Das hat ihn fürchterlich genervt. Oder wenn ich ihm in der Kabine vor dem Training die Schnürsenkel zusammengeknotet habe. Ich glaube, er hatte nur ein Paar Schuhe. Copa Mondial, aber mit Nocken. Damit hat er immer gespielt. Aber ausgerutscht ist er nie, er hatte seinen ganz eigenen Stil. Er ist immer bis zum Schluss in der Kabine geblieben, um den Journalisten aus dem Weg zu gehen. Auf dem Platz hat er dafür alles abgeräumt. Als Andreas Möller zu uns gewechselt ist, ist er nur für ihn gelaufen. Aber ich glaube nicht, dass er am Samstag eine Rede hält (lacht)."

Huub Stevens:
"Irgendwann kam ich von einem Länderspieleinsatz zurück. Da hat Stevens mich im Training laufen lassen. Die anderen durften spielen, ich musste nur laufen und laufen. Ich habe gefragt, 'Trainer, was habe ich gemacht?' Er sagte nur: 'Nichts. Du brauchst das einfach.' Einmal lag ich im Krankenhaus, ich war gerade operiert worden. Er hat kurz danach gefragt, wie es mir geht und mir dann sämtliche Fehler der Hinrunde aufgezählt. Aber ich habe geweint, als er gegangen ist, denn ich habe gemerkt: Der meint es gut mit dir."

Felix Magath:
"Auch mit ihm bin ich gut klargekommen. Es gab da diese Geschichte, dass es im Training keine Getränke gab. Das stand am nächsten Tag direkt in der Zeitung. Da meinte er nur: 'Okay, wenn das so schnell durchsickert, dann gibt es ab sofort gar nichts mehr zu trinken. Auch daran haben wir uns gewöhnt. Ich dachte ja, ich wäre hart im Nehmen, aber bei Magath bin ich an meine Grenzen gestoßen. Nach einem Jahr bin ich dann gewechselt. Er wollte mich noch umstimmen, aber ich war schon über 30. Da war es mir einfach irgendwann zu anstrengend."

Die Mannschaft 2001:
"Die Mannschaft von 2001 war legendär, mit uns hatte ja keiner gerechnet. Aber das war eine Einheit, ein echtes Team. Wir wollten etwas erreichen, unser Trainer Huub Stevens war ein echtes Vorbild, er hatte die Truppe mit seiner Disziplin voll im Griff. Es passte einfach alles. Das war einfach einmalig."

Vier Vizemeisterschaften:
"Irgendwann denkst du: Krass, du warst so oft ganz nah dran. Ich stand 2002 ja auch noch im WM-Finale und habe da unter anderem gegen einen Ronaldo gespielt. Als aktiver Spieler nimmst du das aber gar nicht so bewusst wahr, das weiß man erst im Rückblick einzuordnen."

Das Trikot von Kaka: "Nach dem WM-Finale 2002 wurden natürlich auch Trikots getauscht, in meiner Enttäuschung habe ich mich aber nicht besonders darum gekümmert. Irgendwer hat mir dann ein Trikot in die Hand gedrückt. 'Kaka? Wer ist Kaka?', sagte ich und habe das Trikot zuhause in die Ecke geworfen. Einige Jahre später habe ich den AC Mailand im Fernsehen gesehen und da war er plötzlich: Kaka! Ha, den kenne ich! Ich bin mir aber sicher, dass er genau wusste, wer Gerald Asamoah ist (lacht)."

Seine Nationalmannschafts-Karriere:
"Es war eine Bauchentscheidung, dass ich mich für Deutschland und gegen Ghana entschieden habe. Mein Vater fand das nicht so gut. Es hätte ja auch sein können, dass ich nicht mehr als zwei, drei Spiele für Deutschland mache. Und 50 oder 70 für Ghana gemacht hätte. Ich wusste nicht, was das für eine Bedeutung hat, dass ich als erster Spieler mit schwarzafrikanischen Wurzeln für Deutschland spiele. Ich habe mich entschieden, diesen Weg zu gehen, weil ich mich hier einfach so wohl gefühlt habe. Zu meinem ersten Länderspiel bin ich dann mit meiner Schalke-Tasche angereist und ganz ängstlich hinter Jörg Böhme hinterhergeschlichen. Beim Essen habe ich nur gestaunt und keinen Bissen herunterbekommen. Nachmittags meinte Rudi Völler dann: 'Asa, du spielst morgen von Anfang an.' Ich war total nervös, habe dann aber gleich ein herrliches Tor geschossen."

Die WM 2006:
"Es war gigantisch. Während der Vorbereitung weilten wir in Genf und beim Mittagessen hat Jürgen Klinsmann dann das Wort ergriffen. 'Asa, du bist unser DJ!', sagte er. 'Scheiße', dachte ich, denn da war mir klar, dass ich nicht so viel spielen werde. Aber es war trotzdem eine Wahnsinns-Erfahrung."

Seine Trainerkarriere:
"Anfangs habe ich gedacht, dass wäre nichts für mich. Aber es macht mir unheimlich viel Spaß, mit den Jungs aus der U15 zusammen zu sein. Du sitzt plötzlich zuhause, machst dir Gedanken über Trainingsinhalte, das geht ganz schnell. Lustig ist, dass mich einige Jungs ja gar nicht mehr als Spieler kennen. Für die bin ich 'Herr Asamoah'. Neulich habe ich einen Stürmer erstmal zur Seite genommen, der vor dem Tor einen Hackentrick versucht hat. 'Junge, geh mal auf YouTube und gib 'Asamoah, Hacke' ein, dann siehst du wie's geht!' Er kam im nächsten Training zu mir und schwärmte von meinem Tor gegen Köln. 'Mensch, du musstest noch ein bisschen weitergucken', meinte ich nur, 'das gegen Unterhaching war noch viel besser!'"

Autor:

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren