Ausgerechnet im Spiel gegen ihren Ex-Klub Rot-Weiss Essen müssen die Oberhausener Kai Nakowitsch und Tim Hermes zuschauen.

RWO - RWE

Kein Date mit dem Ex

Martin Herms
12. November 2015, 15:07 Uhr
Foto: Tillmann

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Ausgerechnet im Spiel gegen ihren Ex-Klub Rot-Weiss Essen müssen die Oberhausener Kai Nakowitsch und Tim Hermes zuschauen.

Schon im Sommer war klar, dass das Revierderby zwischen Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiss Essen in dieser Saison besonders viel Zündstoff liefern würde. Neben Jugendspieler [person=14209]Sinan Özkara[/person] wechselten auch [person=6743]Kai Nakowitsch[/person] und [person=2031]Tim Hermes[/person] von der Hafenstraße auf die Emscherinsel. Ein Wiedersehen mit dem Ex-Verein wird dem Trio aber verwehrt bleiben.

Dass Essens Verflossene das erste Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine mit einer Extraportion Motivation bestreiten würden, war nie ein Geheimnis. Schon beim Trainingsauftakt ließ Hermes verlauten, wie heiß er auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub sei. Gleiches galt auch für Nakowitsch, denn beide haben die Hafenstraße nicht unbedingt freiwillig verlassen. Hermes konnte sich mit den Verantwortlichen nach zwei Jahren nicht auf einen neuen Vertrag einigen, das bei den RWE-Fans beliebte Eigengewächs Nakowitsch hatte bis Mai erst gar kein Angebot erhalten. Nutznießer war der Nachbar. Die Kleeblätter hatten sich in Person des Sportlichen Leiters Frank Kontny intensiv um das Essener Duo bemüht und erhielten letztlich den Zuschlag.

Ausgerechnet kurz vor dem mit Spannung erwarteten Duell mit dem alten Verein machte das Schicksal beiden einen Strich durch die Rechnung. Sowohl Nakowitsch (Innenbandriss) als auch Hermes (Knöchelprellung) verletzten sich beim Pokalspiel gegen den Landesligisten Duisburger SV 1900. „Mein erster Gedanke nach der Diagnose war, dass ich das Spiel gegen RWE verpassen würde“, unterstreicht Nakowitsch die persönliche Bedeutung dieses Spiels. Bei seinem Kollegen Hermes ist die Gemütslage ähnlich: „Spiele gegen den Ex-Verein sind immer schön und speziell. Leider haben mich Verletzungen schon in der gesamten Hinrunde zurückgeworfen.“

Wir haben ehrgeizige Ziele, aber ich muss zugeben, dass es sehr schön ist, vor Essen zu stehen
Kai Nakowitsch

Tatsächlich haben beide bei ihrem neuen Klub einen unglücklichen Start hingelegt. Gleich zwei Verletzungen und eine Rotsperre ließen erst sechs Einsätze für Nakowitsch zu. Hermes stand aus nahezu denselben Gründen sogar nur fünf Mal auf dem Platz. In diesen Phasen konnten die Neuzugänge dennoch andeuten, warum sich die Oberhausener so um ihre Dienste bemüht haben. „Kai und Tim sind wichtige Spieler für uns, die leider bisher Pech mit Verletzungen hatten. Es tut mir leid, dass sie das Derby verpassen, aber es gibt noch ein Rückspiel“, sagt RWO-Trainer Andreas Zimmermann.

Trotz der bisher bescheidenen Bilanz betonen Nakowitsch und Hermes unisono, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Im Gegensatz zu den Essenern können die Oberhausener die Erwartungen bis dato erfüllen und mischen ganz oben mit. In gesundem Zustand sind beide ernsthafte Alternativen für die Startelf. „Ich habe mich nicht verschlechtert“, meint Nakowitsch und schiebt nach: „Abgesehen von meinen Ausfällen läuft alles gut. Das Team ist erfolgreich und ich fühle mich wohl. Wir haben ehrgeizige Ziele, aber ich muss zugeben, dass es sehr schön ist, vor Essen zu stehen.“

Gerade der Abgang von Nakowitsch zum Erzrivalen aus Oberhausen schlug beim RWE-Anhang hohe Wellen. Der 20-Jährige, der nach wie vor in Essen-Dellwig wohnt, hatte mit Anfeindungen aus dem Essener Fanlager zu kämpfen. So sei es über das Internet und auf der Straße zu Beleidigungen gekommen. „Das ist mittlerweile abgehakt“, versichert Nakowitsch. „Wenn ich in der Essener Innenstadt unterwegs bin, werde ich ab und an noch auf das Thema angesprochen. Probleme gibt es aber nicht mehr.“

In Oberhausen ist der Defensivspezialist genau wie Hermes nach den ersten turbulenten Wochen zur Ruhe gekommen. Beide sehen im weniger turbulenten RWO-Umfeld den kleinen aber feinen Unterschied zu ihrem Ex-Verein. „Hier ist alles viel ruhiger“, sagt Hermes. „Wenn in Essen oder Aachen ein Spiel verloren geht, ist sofort die Hölle los. Das ist in Oberhausen anders. Alles ist viel familiärer“, erklärt der Linksfuß.
Mit der Beschaulichkeit dürfte es am Sonntag zumindest für ein Spiel vorbei sein. Wenn RWE zu Gast im Stadion Niederrhein ist, herrscht Ausnahmezustand. Dafür müssen Kai Nakowitsch und Tim Hermes noch nicht mal auf dem Platz stehen.

Autor: Martin Herms

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