Alexander Peters kann den Trainer, die Mitspieler oder die Pfeife des Schiedsrichters nicht hören. Wie kommt er in der lauten Fußball-Welt zurecht?

FC Wetter

Gehörlos - Peters hört auf keinen Trainer

Marian Laske
06. November 2015, 10:37 Uhr

Alexander Peters kann den Trainer, die Mitspieler oder die Pfeife des Schiedsrichters nicht hören. Wie kommt er in der lauten Fußball-Welt zurecht?

Eigentlich hat sonntags jeder etwas zu sagen. Sobald das runde Leder rollt, brüllen die Trainer, schreien und jubeln die Spieler, zwischendurch pfeift der Schiedsrichter – und draußen stehen auch noch die Zuschauer, die gerne meckern, vor allem über die Pfiffe des Schiedsrichters. Fußball ist laut. So laut, dass es im Ruhrgebiet einige Plätze gibt, wo sich Anwohner vor Gericht über die Lärmbelastung beschwert haben.

Doch wie fühlt es sich an, wenn man von dem ganzen Lärm nichts mitbekommt?

[person=15532]Alexander Peters[/person] weiß es. Der 24-Jährige verstärkt seit dieser Saison den Landesliga-Kader des FC Wetter. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein ganz normaler Spieler, der nur Fußball im Kopf hat. Er trägt die blauen Trainingsklamotten des Vereins, auf dem Pullover steht die Nummer 14, seine Fußballschuhe sind schwarz. Doch schon beim zweiten Blick fällt auf, dass Peters immer ganz genau auf die Lippen seines Gegenübers achtet und selbst ganz langsam und mit nur wenigen Worten spricht. Denn der neue Mittelfeldspieler des FC ist seit seiner Geburt gehörlos. Ganz laute Schreie nimmt er wahr, die Pfeife des Schiedsrichters nicht. „Da muss man dem Schiedsrichter vor dem Spiel Bescheid geben“, sagt der Dortmunder, der ansonsten ständig die Gelbe Karte bekommen würde, weil er auch nach einem Pfiff weiterspielt. „Die Schiedsrichter zeigen aber Verständnis“, erklärt der Sportliche Leiter Bastian Wiedemeyer, der beim Gespräch mit dabei sitzt.

Die Verständigung mit Alexander Peters klappt erstaunlich gut. Er kann perfekt Lippenlesen und einige Worte sprechen, ansonsten hilft er sich mit Handzeichen. Aber natürlich wird deutlich, dass die Spieler und der Trainer Fatih Esbe auf Peters Rücksicht nehmen müssen. Für Anweisungen während des Spiels muss Esbe seine Nummer 14 zur Seitenlinie holen, die Mitspieler wiederum müssen es Peters auch mal verzeihen, wenn er trotz lauter Rufe nicht abspielt. „Aber es klappt sehr gut. Er ist voll integriert und sitzt auch freitags nach dem Training lange mit der Mannschaft in der Kabine“, so Wiedemeyer, für den im Sommer schnell klar war, dass er den Mittelfeldspieler für die rechte Seite verpflichten möchte.

Denn Alexander Peters hat in der vorherigen Saison das Trikot des Kirchhörder SC getragen, der in der Westfalenliga und damit eine Klasse höher als der FC Wetter spielt. Auch wenn Peters sich dort nicht durchgesetzt hat, bringt er immerhin die Erfahrung mit. „Er ist taktisch gut ausgebildet, weiß auch ohne Worte, wo er hinlaufen muss“, erklärt Wiedemeyer. Doch nicht nur das: Peters spielt auch in der deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft. Bei der Europameisterschaft wurde diese Dritte, bei der Weltmeisterschaft Fünfter, und auch bei den Olympischen Spielen für Gehörlose schaffte er es mit seiner Mannschaft auf das Treppchen.

Von der Domstadt in die Harkortstadt

Neben dem Fußball studiert Peters in Köln, um Sport- und Mathelehrer an einer Förderschule zu werden. So pendelt er morgens regelmäßig in die Domstadt, abends dann zum Training in die Harkortstadt. Viel Aufwand, doch „Fußball ist meine Leidenschaft“. Mit dem FC will er den Klassenerhalt schaffen. Vor allem aber will Alexander Peters kicken, sich wohlfühlen, Spaß haben. Ein ganz normaler Fußballspieler eben.

Autor: Marian Laske

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