RWE

"Zaubern kann ich nicht!"

30. Oktober 2015, 09:07 Uhr

Im Internet fordern einige Fans allerdings schon Ihre Entlassung. Belastet Sie das?
Ich lese das zum Glück nicht. Ich verfolge schon, was die Presse schreibt, aber von Meinungen in Foren mache ich mich frei. Das beeinflusst meine Meinung überhaupt nicht. Jeder Mensch, der Entscheidungen trifft, wird auch irgendwann mal kritisiert. Da nicht jede Entscheidung sofort nachvollziehbar ist, wird man angreifbar. Aber dem stelle ich mich. Ich kann sagen: Mein Schlaf ist noch genauso ruhig wie vor sechs Monaten. Ich glaube, die Fans sehen, dass der Trainer und ich uns der Kritik stellen, denn das ist immer wichtig. Diese Bodenständigkeit habe ich aus meiner Erziehung. Auch wenn mein Büro inzwischen in einer Loge liegt, weiß ich noch, wie ein Stehplatz riecht.

Ihr Trainer hat einen Vertrag über drei Jahre. Ist das ein klares Zeichen, dass er die Zeit bekommen wird, in Essen langfristig etwas aufzubauen?
Man hat im Verein jahrelang versucht, schnell Erfolg zu haben. Das Konzept ist diesmal längerfristig ausgelegt und da ist es nur schlüssig, dass der Trainer seine Entscheidungen auch nicht darauf ausrichten muss, dass möglichst schnell sein Vertrag verlängert wird. Die Entscheidung war eine gemeinsame mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat. Es stand für uns außer Frage, dass der Trainer einen langfristigen Vertrag bekommt.

Das Saisonziel, möglichst lange oben mitzuspielen, wurde allerdings bereits verfehlt...
Ich sage: Lasst uns erst mal Punkte sammeln und dann gucken wir, ob wir im Winter eine Möglichkeit sehen, noch einmal anzugreifen. Ich glaube, das ist aktuell auch nicht das Thema bei den Fans. Die Fans wollen, dass die Mannschaft endlich Woche für Woche ihre Qualität zeigt.

Gerade auswärts klappt das nicht. Nur Wegberg-Beeck holte bisher in der Fremde weniger Punkte als RWE. Woran liegt das?
Unsere Fans helfen uns schon. Wenn man das Verhältnis von Mannschaft und Fans in der vergangenen Saison gesehen hat, muss man sagen: Da war keins. Wir haben es geschafft, dass wir wieder gerne zuhause spielen. Die Fans merken auch, dass bis zuletzt gefightet wird, die drei Punkte hier zu behalten. Ich glaube, dass die Mannschaft auch auswärts immer mit der Einstellung ins Spiel gegangen ist, drei Punkte zu holen, anstatt auch mal mit einem Punkt zufrieden zu sein. Teilweise waren die Jungs vielleicht übermotiviert und ungeduldig, was auch mit dem Alter der Spieler zusammenhängt. Wir haben auch auswärts teilweise schon gezeigt, dass wir guten Fußball spielen können, sind dafür aber selten belohnt worden.

Kommen wir zur Personalie Kevin Behrens. Er hat zuletzt für Aufsehen gesorgt. Wird er noch zu einem Teil der Mannschaft, oder ist der Zug abgefahren?
Was ich sagen kann, ist: Wir sind dabei, diese Personalie auf den Prüfstand zu stellen und sind auch in Gesprächen mit Kevin und seinem Berater.

Hat man ihn vor seiner Verpflichtung anders eingeschätzt?
Wir wussten, dass wir uns einen Spieler mit Ecken und Kanten holen. Wir wollen auch durchaus Spieler mit Charakter hier haben, aber wir haben aber auch klar in Kevins Richtung formuliert, was geht und was nicht geht.

Viele Fans fanden es merkwürdig, dass im Sommer vier Spieler vom gleichen Berater verpflichtet wurden. Können Sie erklären, wie es dazu kam?
Erst einmal ist es nichts Ungewöhliches, vier Spieler von einem Berater unter Vertrag zu nehmen. Amar Cekic, Iyad Al-Khalaf und Malcom Olwa-Luta sind junge Spieler, die im Fußball noch keine großen Fußstapfen hinterlassen haben und an der unteren Grenze des Gehaltsgefüges einzuordnen sind. Falls jemand glaubt, dass da ein Berater groß abgesahnt hat, liegt er falsch. Da bin ich wirklich total gelassen, weil ich weiß, wir haben da nicht auf einmal vier Spieler im Paket genommen. Es sind ganz unterschiedliche Fälle zu unterschiedlichen Zeiten gewesen.

Für RWE geht es nun gegen Aachen. Für Alemannia-Trainer Christian Benbennek ist das Spiel am Wochenende ein Duell der Enttäuschten. Was ist es für Sie?
Es ist ein Duell zweier Vereine, die mit hohen Erwartungen gestartet sind, die sie aktuell nicht erfüllen. Insofern ist da eine große Brisanz drin. Beiden Teams ist anzumerken, dass sie nicht vor Selbstvertrauen strotzen. Da werden mit Sicherheit die Zweikämpfe im Vordergrund stehen. Ich hoffe einfach, dass sich die bessere Mannschaft durchsetzen wird – und dass diese Mannschaft RWE heißt.

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