Schalkes Johannes Geis ist nach seinem brutalen Foul an André Hahn für fünf Spiele gesperrt worden.

Kommentar

Fall Geis - eine gerechte Strafe gibt es nicht

26. Oktober 2015, 18:07 Uhr
Foto: firo

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Schalkes Johannes Geis ist nach seinem brutalen Foul an André Hahn für fünf Spiele gesperrt worden.

Die Sperre gilt wettbewerbsübergreifend, also auch im DFB-Pokal. Ob sie allerdings gerecht ist, das lässt sich nicht beantworten, weil es nicht bemessen werden kann. Ein Kommentar.

Nach einem Foul wie dem am Sonntag im Borussia-Park gibt es ein schier unendliches Dilemma und ausnahmslos Verlierer. Wie hart war das Foul, wie schwer ist der Gegenspieler verletzt? Muss dem Täter Absicht unterstellt werden - und wie oft ist der Verursacher schon auffällig geworden? Das alles sind Fragen, die mit in das Strafmaß des DFB-Sportgerichts-Urteils mit einfließen. Dann muss noch geschaut werden: Wie ist in ähnlichen Fällen geurteilt worden?

Mildernde Umstände kann es demnach für Geis nur dafür geben, dass er bisher eine weiße Weste hatte - und mit Abstrichen vielleicht noch in der Frage nach Absicht oder Versehen. Die Bilder sprachen eine recht deutliche Sprache, so kann, wenn man alles zusammennimmt, die Fünf-Spiele-Sperre trotz der Unschuldsvermutung als angemessen bezeichnet werden.

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Als "gerecht" hingegen nicht. Ob fünf, sechs oder zehn Spiele - eine Sperre wiegt die gesundheitliche Beeinträchtigung des Gegenspielers niemals auf. Dass die Mannschaft des Übeltäters signifikant geschwächt wird, ist hingegen in Ordnung. Auch die Gladbacher müssen auf einen Spieler verzichten - und zwar noch länger. Nur so hat eine Strafe - im Gegensatz zu der Geldstrafe, die jeder Bundesliga-Profi aus der Portokasse bezahlen kann - eine mehr als nur symbolische Wirkung.

Das alles wäre bei Geis aber wahrscheinlich kaum noch nötig gewesen, denn mit seinem Foul und den unmittelbaren Folgen ist dieser vielleicht schon gestraft genug. Da ist die Hetzjagd gegen ihn im Internet, der ramponierte Ruf und nicht zuletzt die tiefe Reue gegenüber Hahn (diese ist glaubhaft), die den 22-Jährigen in den nächsten Wochen schwer beschäftigen dürfte. Das - nach einer persönlichen Aussprache mit dem Gegenspieler - irgendwann abzuschütteln und wieder befreit aufzuspielen, wird nicht einfach. Wahrscheinlich ähnlich schwer wie für den Gladbacher, seine Verletzung vollkommen zu überwinden.

Dass Verein und Spieler die Strafe am Montag sofort akzeptierten, ist die einzig richtige Entscheidung, alles andere hätte einen Beigeschmack besessen. Auch die Tatsache, dass die Sperre wettbewerbsübergreifend gilt, ist richtig. So bleibt Geis und Schalke-Trainer André Breitenreiter das Dilemma, wie sie mit dem Gladbach-Spiel umgehen sollen, von vornherein erspart. Auch nimmt es Druck vom Kessel, was die Emotionen der Fans angeht. Diese sollten im Zweifelsfall lieber noch einmal Geis' Entschuldigung lesen, als am Mittwoch Öl ins Feuer zu gießen. Davon kommt André Hahn nämlich auch nicht schneller wieder auf die Beine.

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