Gegen Mainz hat der BVB-Offensivspieler Marco Reus getroffen. Nun kann der Dortmunder in der Europa League gegen Qäbälä seine verbesserte Form bestätigen.

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Bei Reus soll gegen Qäbälä der Knoten platzen

Andreas Berten
22. Oktober 2015, 11:26 Uhr
Foto: firo

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Gegen Mainz hat der BVB-Offensivspieler Marco Reus getroffen. Nun kann der Dortmunder in der Europa League gegen Qäbälä seine verbesserte Form bestätigen.

Im Profifußball ist es hin und wieder unvermeidbar, dass über abwesende Spieler mehr gesprochen wird als über einsatzbereite. Bei Borussia Dortmund ist das gerade der Fall, Henrikh Mkhitaryan hätte sich als armenischer Staatsbürger nicht wohl gefühlt in Aserbaidschan , das mit seinem Heimatland wegen der Grenzregion Bergkarabach seit Jahren überkreuz liegt. Deswegen entschied sich Mkhitaryan gegen die Reise nach Baku, wo der Bundesligist am Donnerstag (17 Uhr deutscher Zeit/ live in unserem Ticker) in der Europa League gegen FK Qäbälä antritt.

Selbst Hans-Joachim Watzke beschlich “ein gewisses Unbehagen”, wie der BVB-Vorstandschef sagte, “als lupenreine Demokratie kann man das Land ja nun nicht bezeichnen.”

Mit derlei politischen Fragen will sich Thomas Tuchel gar nicht beschäftigen. Er sitzt nach der Fahrt durch den chaotischen Autoverkehr Bakus im stickigen, fensterlosen Presseraum des 15.000 Zuschauer fassenden Bakcell-Stadions und will gar nicht so viel über Mkhitaryan sprechen: “Ich finde das sehr schade - sportlich wie menschlich. Aber es wird nichts an unserem Spiel ändern.” Einer, über den es sich stattdessen immer zu reden lohnt, ist Marco Reus.
BVB agiert mal abgebrüht, mal lethargisch

Das gilt an Tagen, wenn er vom Talent her mit das Feinste zur Schau stellt, das die Weltmeisternation zu bieten hat: einen starken Antritt, dazu die Ideen, Auffassungsgabe sowie meistens auch die Abgebrühtheit eines feinfüßigen Vollstreckers. Anders herum gibt es auch die Tage, an denen der Blondschopf Mitleid erregt, weil er lethargisch wirkt und an seiner mangelnden Widerstandsfähigkeit zu zerbrechen droht. Zumal die Zeiträume, in denen körperliche Unversehrtheit und die Form eines Weltstars übereinstimmen, oft zu kurz und überhaupt zu rar gesät sind.

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Reus versucht gerade, so einer Phase zu entfliehen, in der Leistung und Fitness noch nicht im Einklang sind. Drei, vier Spiele hat er sich zuletzt auf dem Rasen mehr gequält denn amüsiert, nachdem ein angebrochener Zeh wieder ausgeheilt war. In den EM-Qualifikationsspielen gegen Irland und Georgien fiel er als Chancentod auf. Immerhin deutete er am Freitag beim 2:0-Sieg des BVB in Mainz mit dem Führungstreffer und trotz eines verschossenen Elfmeters einen Befreiungsschlag an. “Ich habe nicht festgestellt, dass ihn das etwas gekostet hätte, auch wenn ihn das geärgert hat”, betont Tuchel.

Millionen Fans in den sozialen Netzwerken

Reus’ eigener Kommentar dazu war dünn: “Es war ein erster Schritt.” Verlässt Reus mal nach einem Spiel nicht wortlos das Stadion, bleiben die Blöcke der Journalisten trotzdem selten randvoll beschrieben. Auch wenn ihm Millionen von Fans in den sozialen Netzwerken folgen, wirkt der 26-Jährige unnahbar. Autogramm zu schreiben und Fotos mit sich machen zu lassen wie am Mittwoch bei der Abreise vom Dortmunder Flughafen erledigt er weitgehend leidenschaftlos. Andere sind charismatischer und erfolgreicher - Reus wird trotzdem von vielen (jungen) Anhängern bewundert. Auch wenn ihn eine Knieverletzung im Sommer 2014 um den sicher geglaubten WM-Titel gebracht hat und der BVB seit seinem Wechsel aus Gladbach 2012 nicht mehr Meister mit ihm geworden ist.

Das wird Reus vermutlich auch in dieser Spielzeit nicht werden, womit Thomas Tuchel allerdings kein größeres Problem hat: “Ich bin zuversichtlich, dass er schnell zurückfindet zu seiner alten Klasse. Gegen Qäbälä hat er die nächste Gelegenheit, sich daran festzubeißen.” In den verbleibenden 13 Partien nach dem Europapokalauftritt in Baku will er seinem sensiblen Patienten gut zureden, ihn mental stärken, um in der nächsten Saison wieder auf der großen europäischen Bühne auftreten zu können. Das Risiko, dass Reus dann verletzt mal wieder nur zum Zuschauen verdammt sein wird, bleibt bestehen. Er hat jedoch jetzt die Chance, sich so ins Gedächtnis aller zu rufen, dass man auch dann über ihn sprechen wird, wenn er mal nicht anwesend ist.

500 BVB-Fans werden heute im Bakcell-Stadion verfolgen, wen Thomas Tuchel als Mkhitaryan-Ersatz aufbieten wird. Viel läuft auf Jonas Hofmann oder Adnan Januzaj heraus. “Wenn wir drei Punkte mit nach Hause nehmen, schaut es gut für uns aus”, so Hofmann vor dem Spiel. Wer es auch wird, Julian Weigl glaubt an einen positiven Ausgang: “Wir haben im Kader genug Qualität, um das aufzufangen.”

Autor: Andreas Berten

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