Raúl González Blanco wird seine Karriere im November beenden. RevierSport erinnert sich gerne zurück.

Karriereende

Warum Raúl auf Schalke ein Denkmal (verdient) hat

Elmar Redemann
15. Oktober 2015, 23:25 Uhr
Foto: firo

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Raúl González Blanco wird seine Karriere im November beenden. RevierSport erinnert sich gerne zurück.

Achtung, jetzt wird es persönlich! Wenn Raúl González Blanco, genannt Raúl, seine Fußballschuhe an den Nagel hängt, ist das mehr als eine Meldung oder nur einen Kommentar wert. Da muss es schon eine Hommage, Ode oder Liebeserklärung sein.
[infobox-right]"Fußball zu spielen, war so lange ein Teil meines Lebens. Die Entscheidung zurückzutreten, war keine einfache, aber ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt", teilte Raul mit.

Er ist einer der besten Stürmer in der Geschichte des spanischen Fußballs. Er gewann mit Real Madrid dreimal die Champions League und sechsmal die Meisterschaft. Bis heute ist Raul zusammen mit Cristiano Ronaldo Reals Rekordtorschütze (323 Tore in 741 Spielen). Nach seinem Abgang bei den Madrilenen 2010 spielte er zwei Jahre für Schalke, ehe er seine Karriere in Katar fortsetzte. Für Spanien bestritt er 102 Länderspiele und erzielte 44 Tore.

Bei New York Cosmos, einem Verein der zweithöchsten nordamerikanischen Profiliga, ist er seit seiner Verpflichtung im Frühjahr auch als Technischer Berater in der Nachwuchs-Akademie tätig.[/infobox]
Denn mit ihm geht eine große Fußballlegende. Der 38-Jährige, der aktuell noch für Cosmos New York stürmt, ist als einer der größten Spieler aller Zeiten in die Annalen des größten Klubs von allen eingangen: Real Madrid!

Auch hier bei uns im Ruhrgebiet hat er seine Spuren hinterlassen. Und was für welche! "Raul avanciert im Sommer 2010 mit seinem Wechsel von Real Madrid zum größten ausländischen Star, der bislang in der Bundesliga gespielt hat. Der Spanier verzückt ebenso mit fußballtechnischen Kunststücken, mit denen er unter anderem Tore des Monats und ein Tor des Jahres erzielt, wie er beim Kumpel- und Malocherclub mit Einsatzbereitschaft und Loyalität beeindruckt. Diese Mischung aus Genialität und Volksnähe macht ihn, der von den Königlichen zu Königsblau gewechselt ist und im Mai 2011 den DFB-Pokal gewinnt, zum Publikumsliebling." So ist es auf der Homepage des FC Schalke 04 nachzulesen.

Er ist Teil der sogenannten "Ehrenkabine", in die besonders verdiente Schalker aufgenommen werden und steht dort in einer Reihe mit Vereins-Legenden wie Schalke-Gründer Willy Gies, Charly Neumann, Rudi Assauer, Ebbe Sand oder Otto Tibulsky. Auf den ersten Blick wirkt das völlig unangebracht, denn Raúl spielte nur zwei Jahre lang für Schalke 04. Christoph Metzelder hatte seinen Kumpel von einem Wechsel überzeugen können, bis zuletzt mochte man es aber nicht so richtig glauben, dass sich der Spanier das wirklich antun wird, das mit Schalke.

Das Spiel war ein weiterer Beweis dafür, dass seine Zeit als großer Fußballer vorbei ist! Solch einen Stehgeiger kann keine Mannschaft der Welt mit durchziehen.
Einzelkritik nach der 0:1-Heimniederlage gegen Leverkusen

Am Anfang lief es auch noch nicht so rund. Als "Stehgeiger" bezeichnete RevierSport den Superstar in einem seiner ersten Einsätze für Königsblau und knallte dem Ausnahme-Könner in der berüchtigten Einzelkritik auch schon mal eine glatte Sechs rein. Ein paar Wochen später hatte Raul alle verzückt. Sogar ein "Schalke-Hasser", der nie ein gutes Haar an den Gelsenkirchenern lässt, sagte mir mal im Vertrauen: "Verdammt. Ich sag' es ja nur ungern, aber Raúl muss man einfach super finden." Unglaublich sympathisch sei der einfach.

Seine sportliche Extraklasse zeigte er im blau-weißen Trikot in 66 Bundesliga-Einsätzen am laufenden Band, 28 Tore sind aber eben nur eine Marke, eine schnöde Zahl. Das machte Raúl nicht aus. Dann schon eher seine vier Tore des Monats (darunter zweimal auch das "Tor des Jahres"). Vor allem war es jedoch diese unnachahmliche Schlitzohrigkeit, das Genie, das er aufblitzen ließ, wenn er Kölns Torwart überlupfte oder zusammen mit Julian Draxler - den damals jeder Schalker als seinen Erben sah - mit den gegnerischen Abwehrspielern Katz und Maus spielte.

Im Langnese-Block rastet ein Sechsjähriger völlig aus

So hat wohl jeder Schalke-Fan einen persönlichen "Raúl-Moment". Als mein Neffe zum ersten Mal in seinem Leben in einem Fußball-Stadion war, ereignete sich so ein Augenblick. 8. April 2012, Heimspiel gegen Hannover. Raúl hat schon das 1:0 gemacht, mittlerweile läuft aber schon die zweite Halbzeit. Mama und Papa sind noch nicht wieder vom Getränkeholen zurück, Doppelpass mit Jefferson Farfan am Strafraumeck, Raúl spaziert los, Ron-Robert Zieler kommt ihm entgegen, Raúl täuscht an, geht vorbei, Zieler ist geschlagen, der Winkel spitz - aber egal, der Ball im Netz! Und im Langnese-Block rastet ein Sechsjähriger völlig aus.

[video]youtube,https://youtu.be/3vOIHEbMhQw[/video]

Manchmal war das Brimborium um Raúl seinerzeit vielleicht etwas übertrieben. Die Folklore bei seiner Vorstellung mit der Bergmanns-Kluft und dem Stück Kohle. Und die gefühlten vier Abschiedsspiele, die der Madrilene machte. Aber irgendwie hat sich wohl jeder Fan gewünscht, dass wenigstens die Ehrenrunde ewig weitergeht, wenn schon der Vertrag auf Schalke nicht verlängert werden konnte.

Aber irgendwie ist er ja auch immer noch da. Max Meyer trägt jetzt die Sieben. "Scheißegal, wir ha'm Raúl" ist als herrlich selbstironischer Fangesang in das Schalker Liedgut eingegangen. Und wer genau hinsieht, erkennt auch eine Art Denkmal an der Arena: Sein Konterfei ist überlebensgroß auf dem Mosaik am Haupteingang verewigt, neben Ernst Kuzorra, Ebbe Sand, Klaus Fischer, Stan Libuda und Thomas Student. Hat er sich verdient - der "Senor", wie Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann immer so schön sagte.

Autor: Elmar Redemann

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