Die Berufsbezeichnung „Spielerberater“ gehört nicht gerade zu den angesehensten. Dennoch spielen sie bei den Vereinen eine nicht unerhebliche Rolle.

Vereine und ihre Berater

Nur Zufall oder Vetternwirtschaft?

Martin Herms
10. Oktober 2015, 10:21 Uhr
Foto: RS

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Die Berufsbezeichnung „Spielerberater“ gehört nicht gerade zu den angesehensten. Dennoch spielen sie bei den Vereinen eine nicht unerhebliche Rolle.

Ein gewisses Misstrauen herrscht stets gegenüber den Agenten, die sich um die Belange von Fußballprofis kümmern. Schließlich steht die Frage im Raum, ob sie wirklich nur das Beste für ihre Klienten im Sinne haben, oder ob es ihnen nicht doch um den eigenen Profit geht. Manche Beratungsagenturen haben durch die Unterbringung zahlreicher Spieler im selben Verein einen Einfluss erlangt, der durchaus kritisch zu betrachten ist. Wir haben nachgeschaut, wie die Situation bei den großen Reviervereinen aussieht.

Beim FC Schalke 04 gab es vor einigen Jahren eine besonders enge Beziehung zu „Rogon“, der Sportmanagement-Firma von Roger Wittmann. Unter Manager Andreas Müller waren zu Spitzenzeiten nicht weniger als neun Spieler bei S04 unter Vertrag, die von Wittmans Agentur betreut wurden. Nur Zufall? „Rogon ist ein guter und verlässlicher Partner für uns. Die Spieler von Rogon sind Leistungsträger bei uns“, erklärte Müller seinerzeit gegenüber der Süddeutschen Zeitung - allerdings war auch der Mega-Flop Ze Roberto II darunter. Viele Königsblaue sahen mit Argwohn, dass 2010 ein Drittel des Kaders beim gleichen Berater unter Vertrag stand, aber „das juckt uns nicht“, merkte Müller damals an.

Vorbild Borussia Dortmund

Mittlerweile sind nur noch zwei Rogon-Spieler bei Schalke 04: Eric Maxim Choupo-Moting und Roman Neustädter. Julian Draxler, auf den letzten Drücker zum VfL Wolfsburg transferiert, gehört ebenfalls zum Portfolio, das nunmehr fünf „Wölfe“ umfasst (Quelle: transfermarkt.de). In Schalkes Kader gehören aktuell maximal vier Profis zur gleichen Beraterfirma: Sascha Riether, Benedikt Höwedes, Sidney Sam und Felipe Santana stehen bei „Sports Total“ unter Vertrag; Fabian Giefer, Johannes Geis, Felix Platte und Marvin Friedrich bei „arena11 sports group“. Bei kumulierten Marktwerten von 24 (Sports Total) bzw. 13 Millionen Euro (arena11 sports group) ist die Macht auf Beraterseite aber nicht allzu groß. Das war in der Vergangenheit, als Wittmann bisweilen als „Rogon 04“ bezeichnet wurde, noch ganz anders.
Revierrivale Borussia Dortmund ist aktuell sozusagen vorbildlich, wenn es darum geht, keine Häufung von Spielern der gleichen Berateragentur zuzulassen. Von 26 Spielern im Kader der ersten Mannschaft haben 22 unterschiedliche Berater. Lediglich Shinji Kagawa und Moritz Leitner (PRO Profil GmbH) sowie Marco Reus und Gonzalo Castro (SportsTotal) stehen bei der gleichen Agentur unter Vertrag. Maximal zwei Spieler, die sich den Berater teilen – das ist der niedrigste Wert unter den sechs größten Reviervereinen.

Knapp auf Platz zwei liegt der VfL Bochum, bei dem seit dieser Saison drei Profis den gleichen Berater haben. Zu Selim Gündüz stieß der inzwischen fest verpflichtete Thomas Eisfeld hinzu, darüber hinaus erhielt Cagatay Kader aus der U19 einen Profivertrag. Alle drei werden von International Soccer Management beraten. Die vier Duisburger Kevin Scheidhauer, Marcel Lenz, Steffen Bohl und Dan-Patrick Poggenberg vertrauen wie auch die Dortmunder Kagawa und Leitner PRO Profil.

Unsere Spielersuche ist nicht von einzelnen Beratern abhängig
Frank Kontny

Auch in der Regionalliga ist eine Häufung von Spielern der gleichen Agentur zu beobachten. Rot-Weiß Oberhausen hat inzwischen ganze acht Spieler der Agentur KL Sportsbase unter Vertrag – das ist der höchste Wert aller Revierklubs. Im Sommer kamen mit Oliver Steurer vom ETB und Kai Nakowitsch von Rot-Weiss Essen die Spieler Nummer sieben und acht hinzu. Doch im Fall von Steurer wird deutlich, dass vor allem in Spielerkreisen Berater vermittelt werden. Genau wie Raphael Steinmetz und Justin Mingo wurde Steurer vor seiner Unterschrift in Oberhausen von niemandem betreut. Auf Anraten der Kollegen vertrauten sich alle drei Sportsbase an. „Die Spieler haben das untereinander geregelt. Der Verein hatte dabei keine Handhabe. Bauder hatte vorher einen anderen Berater und hat auf Empfehlung der Kollegen die Agentur gewechselt. Unsere Spielersuche ist demnach nicht von einzelnen Beratern abhängig“, betont Kontny, der dennoch einräumt, dass sowohl positive als auch negative Erfahrungen bei erneuten Verhandlungen durchaus eine Rolle spielen können. „Wenn ein Transfer für beide Seiten fair abgelaufen ist, setzt man sich gerne auch ein zweites Mal zusammen. Umgekehrt gibt es im Beraterkreis auch unerwünschte Personen. Die Erfahrungen macht man im Verlauf der Jahre.“

Auffällige Transfers bei RWE

Beim Liga-Konkurrenten Rot-Weiss Essen hat sich der Sportliche Leiter Andreas Winkler offensichtlich auch mehrfach mit demselben Berater an einen Tisch gesetzt. RWE hat vier Spieler, die bei der Agentur „90m“ unter Vertrag stehen. Auffällig hier: Kasim Rabihic, Amar Cekic, Iyad Al-Khalaf und Malcom Olwa-Luta wurden allesamt in diesem Sommer von Winkler verpflichtet. Sie kamen aus München, Stuttgart und Leipzig. Doch so unterschiedlich ihre Herkunft auch ist, durch die gemeinsame Berateragentur wird ihre Verpflichtung nachvollziehbarer. So war RWE etwa im August noch auf der Suche nach einem jungen Angreifer. Olwa-Lutas Berater, der eh schon mit Winkler im Kontakt stand, empfahl seinen Schützling. Nach drei Wochen Probetraining kam es zur Unterschrift.

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Autor: Martin Herms

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