Auf einem Balkon in Friedrichshain fing alles an. Aus einer Bierlaune enstand die etwas andere Fußball-Ultragruppierung: Die „Brigade Hartmut Strampe“.

Schiri-Ultras

"Brigade Hartmut Strampe" feiert 12. Mann

03. Oktober 2015, 07:17 Uhr
Foto: privat

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Auf einem Balkon in Friedrichshain fing alles an. Aus einer Bierlaune enstand die etwas andere Fußball-Ultragruppierung: Die „Brigade Hartmut Strampe“.

Vor ein paar Monaten hatten Dominik Steinhoff, Alex Brandt und einige ihrer Kumpels eine Idee: "Normale Ultras" hat inzwischen so gut wie jeder Klub, aber den Mann an der Pfeife finden die meisten Zuschauer ja eher doof.

Wenn die Schiedsrichter-Fans am nächsten Wochenende wieder auf einen Berliner Fußballplatz ziehen, sind sie schon ein wenig prominent, denn sogar das Pay-TV will über sie berichten.

Am 11. September geriet die „Brigade Hartmut Strampe“ erstmals in den Blick der Öffentlichkeit. Beim Heimspiel der Hertha gegen den VfB Stuttgart machten 20 Leute mit ungewöhnlichen Transparenten und nicht wirklich zu dieser Partie passendem Outfit auf sich aufmerksam.

„Wir hatten schwarzgelbe Schals um“, berichtet Brandt. „Als wir vor dem Anpfiff von der S-Bahn zum Olympiastadion gingen, haben uns Stuttgart-Anhänger einen Schal gezockt. Auch die Herthaner fanden unseren Anblick nicht gut und dachten, wir seien Dynamo-Dresden-Fans.

So kann es einem gehen, wenn man eigentlich friedliche Absichten hat und auf dem Platz sogar jemanden unterstützen will, der normalerweise das ganze Publikum gegen sich hat. Doch die „Brigade Hartmut Strampe“ hatte es an diesem Samstagnachmittag besonders gut mit einem gemeint: Tobias Stieler. „Unsere Anfeuerungsrufe kamen den Leuten schon sehr merkwürdig vor“, erinnert sich Brandt.

Während der Unparteiische den Support entweder nicht registriert hatte oder ihn einfach nicht kommentieren wollte, gab es auf Facebook jede Menge Reaktionen zum ersten Einsatz der Brigade. Auf der Fanseite Stielers wurden die Schiri-Ultras gebührend abgefeiert.

„Mister Superkorrekt“
Der Namenspatron hingegen hat noch keinen Kontakt zu seinen Verehrern aus der Hauptstadt aufgenommen. Aber warum eigentlich ausgerechnet Hartmut Strampe? „Er strahlte mit seinem Bürsten-Haarschnitt und dem strengen Schnauzbart immer den superkorrekten Spielleiter aus“, erklärt Brandt.

Eugen Striegel und Franz-Xaver Wack waren ebenfalls Typen, denen die Schiri-Ultras eine Art Denkmal bauen. Die „Sektion Franz-Xaver Wack“ ist eine Art Splittergruppe der „Brigade Hartmut Strampe“.

In der übrigens gar keine aktiven Schiedsrichter vereinigt sind, sondern einfach Fußballfans, die zwar ihre verschiedenen Vereinsvorlieben haben, aber davon ab einem klaren Grundsatz folgen: „Unsere Qualität – Neutralität“, heißt es auf der Facebook-Seite der Brigade. „Wir gehen das Ganze ja mit einem gewissen Augenzwinkern an und wollen nicht fürchterlich ernst genommen werden“, sagt Brandt.

Manuel Gräfe und Knut Kircher sind imposant, Jochen Drees ist auch klasse. Herbert Fandel fand ich hingegen arrogant
Alex Brandt

Unter den aktuellen Unparteiischen in der Bundesliga gibt es dennoch Favoriten, die mit ihrer Ausstrahlung und der Art, Spiele zu leiten, höhere Anerkennung der Brigade verdienen.

Daumen runter für Fandel
„Neben Stieler, zu dem wir ja seit dem Spiel von vor knapp drei Wochen nun eine besondere Beziehung haben, finde ich Manuel Gräfe und Knut Kircher imposant. Auch Jochen Drees ist ein klasse Schiedsrichter. Herbert Fandel, als er noch gepfiffen hat, fand ich hingegen zu arrogant“, bemerkt Brandt.

Am kommenden Wochenende will die „Brigade Hartmut Strampe“ wieder unterwegs sein, allerdings diesmal nicht in der Bundesliga, sondern im kleineren Fußball. Tasmania Berlin soll es dann sein, der Nachfolgeverein des einst schlechtesten Bundesligisten aller Zeiten. Der SV Tasmania spielt inzwischen nur noch in der sechstklassigen Berlin-Liga. Am Sonntag (14 Uhr) geht es zum BFC Dynamo II.

Einer darf sich am Weißenseer Weg in Hohenschönhausen schon jetzt über Anfeuerungen und neue Fans freuen: der Schiedsrichter.

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