Adnan Januzaj soll beim BVB sein immenses Potenzial in der Offensive entfachen. Erfüllt er die Erwartungen, wird er nur schwierig zu halten sein.

Borussia Dortmund

Januzaj - Das schwarz-gelbe Goldjuwel

Andreas Berten
27. September 2015, 12:31 Uhr
Foto: firo

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Adnan Januzaj soll beim BVB sein immenses Potenzial in der Offensive entfachen. Erfüllt er die Erwartungen, wird er nur schwierig zu halten sein.

Es war nicht schwierig, Ende August in dieser Geldflut, die von der britischen Insel aus über das europäische Festland hinweg schwappte, unterzugehen. Absurde Summen wurden da für Fußballer bezahlt, irgendwie hatte man am Ende den Eindruck, als sei es gar nicht mehr von Belang, ob den englischen Klubs die Dienste des neuen Personals nun 60, 70 oder 80 Millionen Euro wert waren. Für Adnan Januzaj wurde in diesem Sommer nicht so viel Geld auf den Tisch gelegt, was vor allem daran lag, dass Manchester United den 20 Jahre alten Belgier gar nicht verkauft, sondern bloß verliehen hat. Und trotz aller Kevin De Bruynes oder Raheem Sterlings darf sich Januzajs neuer Klub Borussia Dortmund zumindest klammheimlich wie ein großer Gewinner dieser wilden Transferperiode fühlen.

Technisch versierter Schlaks

Dieser Schlaks, vor 20 Jahren in Brüssel geboren, gilt als eines der größten Fußballtalente der Welt und ist eine Option, die BVB-Trainer Thomas Tuchel für das Bundesligaspiel der Schwarzgelben am Sonntag (17.30 Uhr/live in unserem Ticker) gegen Darmstadt 98 prüft. „Er trainiert gut, ist total integriert und ein voller Kandidat für die Startelf“, sagt Tuchel. Als der BVB Januzajs Einjahresausleihe perfekt gemacht hatte, sah Sportdirektor Michael Zorc in dem „technisch versierten Spieler“ die Dortmunder Offensivabteilung vervollständigt.

Und es dauerte nicht lange, bis der Flügelflitzer die Mitspieler von seinen Fähigkeiten überzeugt hatte. „Als wir uns warmgeschossen haben, fiel mir die Kinnlade herunter, weil ich so einen Schuss noch nie gesehen habe“, sagte Abwehrmann Neven Subotic vor Januzajs erstem BVB-Einsatz im Test beim FC St. Pauli (2:1), bei dem der bislang sehr schweigsame Neuzugang auch gleich den zweiten Treffer besorgte.
Aus dem Kosovo nach Belgien

Shinji Kagawa ist ein Teamkollege, der auch viel über Januzajs Vorzüge berichten könnte. Immerhin war es 2013 der Sohn einer aus dem Kosovo nach Belgien ausgewanderten Familie, der der Englandkarriere des japanischen Dribblers ein absehbares Ende aufzeichnete. Unmittelbar nach seinem Debüt in der Premier League traf Januzaj zweimal, und Kagawa hatte auf der Bank der Red Devils mehr Zeit, als ihm lieb war, um den Gedanken einer Rückkehr im folgenden Sommer ins Ruhrgebiet zu fassen. Januzaj begeisterte die Insel mit „Vielseitigkeit und herausragender Technik“, die Sir Alex Ferguson 2011 dazu veranlasst hatte, das Goldjuwel aus der Kaderschmiede des RSC Anderlecht zu United zu lotsen.

Januzajs Werdegang zu einem der besten europäischen Offensivspieler war spätestens vorgegeben, als die Gazzetta dello Sport ihn im vergangenen Jahr als vielversprechendsten Spieler unter 20 Jahren kürte. Es folgte jedoch ein kleiner Karriereknick, der den Namen Louis van Gaal trug. „Adnan hat das Problem, das viele 20-Jährige haben: Er ist noch nicht konstant genug“, urteilte der resolute Niederländer. Die Lösung: eine Ausleihe, Januzaj müsse bei einem anderen Verein das Potenzial entfachen.

Bei Tuchel in guten Händen

Talententwickler Thomas Tuchel will Januzaj bei diesem Vorhaben helfen. „Er war gegen Hoffenheim ein echter Härtefall“, sagt Tuchel, der beim 1:1 am Mittwoch anders als beim Europa-League-Sieg gegen Krasnodar 90 Minuten lang auf den Belgier verzichtet hat. Möglich, dass das gegen Darmstadt anders ist. Was über das Leihjahr hinaus geschieht, ist schwierig zu prognostizieren: Schlägt das Riesentalent richtig ein, führt sein Weg trotz Vorkaufsrechts, das der BVB haben soll, wohl zurück nach Manchester. Aber es ist ja nicht das Schlechteste, erst einmal über Leistung von sich reden zu machen. Eine gigantische Ablöse kann dann später noch dazukommen.

Autor: Andreas Berten

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