Markus Gidsol war bedient. Schwer bedient. Schon zu dem Zeitpunkt, als er seinen Platz an der Seitenlinie verlassen musste.

Bundesliga

Erster Punktverlust für den BVB unter Tuchel

Daniel Berg
23. September 2015, 22:03 Uhr
Foto: firo

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Markus Gidsol war bedient. Schwer bedient. Schon zu dem Zeitpunkt, als er seinen Platz an der Seitenlinie verlassen musste.

Der Trainer von 1899 Hoffenheim hatte sich nach nicht ganz einer Stunde zum wiederholten Mal schwer über eine Entscheidung des Schiedsrichters echauffiert, jetzt saß er da im eigenen Stadion: Reihe 3 neben einer Weißhaarigen, die Arme verschränkt, die Laune im Keller. Als er ging führte der in dieser Saison noch sieglose Fußball-Bundesligist mit 1:0. In der verbleibenden halben Stunde schaute er zu wie der bisherige Tabellenführer Borussia Dortmund weiter an seiner fulminanten Siegesserie arbeitete. Letztlich vergeblich. Beim 1:1 in Sinsheim ging der BVB im zwölften Pflichtspiel der Saison erstmals nicht als Sieger vom Feld.

Aber diese letzte halbe Stunde der Partie geriet zu einem intensiven Krimi. Dortmunds Trainer Thomas Tuchel hatte zu diesem Zeitpunkt Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan eingewechselt. Zwecks Schonung hatten sie zunächst auf der Bank gesessen, was spürbar war im Dortmunder Spiel. Gonzalo Castro und der nach seiner Zehenverletzung genesene Marco Reus vermochten in der ersten Halbzeit nicht, die ihnen zugedachte Rolle einzunehmen. Der BVB befand sich zwar mehrheitlich in Ballbesitz, aber daraus erwuchs zumeist nicht die große Gefahr für das Hoffenheimer Tor. Eine Chancen-Trilogie von Pierre-Emerick Aubameyang ar noch das aufregendste an der ersten Dortmunder Hälfte. Seinen ersten Schuss parierte Keeper Oliver Baumann problemlos (6. Minute), ein zweiter Versuch landete bedrängt neben dem Tor (23.), sein Kopfball nach Reus-Flanke senkte sich auf das Tornetz (31.).

Die Gastgeber erarbeiteten sich die besseren Gelegenheiten. Gelegenheiten des Willens eher als herausgespielte Hübschheiten. Einen abgefälschten Schuss von Kevin Volland ließ Roman Bürki vor die Füße von Eduardo Vargas prallen, der aber seinerseits am BVB-Torwart scheiterte (24.). Zwölf Minuten später murkste sich Volland durch die Dortmunder Deckung, um dann Bürki mit seinem Schuss nicht allzu exzessiv zu fordern. Wenig später aber ging Hoffenheim in Führung: Bei einem Konter spielte Vargas seinen Kollegen Sebastian Rudy frei, der aus spitzem Winkel vollendete (42.).

Und fast wäre es zu Beginn der zweiten Hälfte schon geschehen gewesen um die Borussia. Matthias Ginter patzte bei einem Rückpass, Vargas lupfte den Ball an den Pfosten (51.). Dann ging Gisdol und die Spannung wuchs. BVB-Kapitän Mats Hummels flankte den Ball vors Hoffenheimer Tor, Castro ließ ihn von seiner Brust auf den Fuß von Aubameyang prallen. Drin. 1:1 (55.). Sein siebter Saisontreffer.

Der BVB wollte den Sieg. Shinji Kagawa verzog (67.), Castro scheiterte an Baumann (71.), der eingewechselte Adrian Ramos schwurbelte gleich ganz an der flachen Hereingabe vorbei (85.). Auf der anderen Seite gelang es dem Hofffenheimer Ermin Bicakcic, einen Kopfball aus kürzester Distanz am Tor vorbei zu wuchten (77.). Die Partie steuerte auf eine finale Pointe zu, die jedoch ausblieb. Der BVB ist nicht länger Tabellenführer, Hoffenheim verdoppelt sein Punktekonto. Und Markus Gisdol ist um ein paar graue Haare reicher.

Autor: Daniel Berg

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