Leroy Sané erzielte das Siegtor für Schalke, doch in den Augen der Schalker war Keeper Ralf Fährmann der Matchwinner beim 1:0-Erfolg in Stuttgart.

Schalkes Fährmann

"Kein Typ, der sich in die DFB-Elf redet"

Manfred Hendriock
21. September 2015, 08:16 Uhr
Foto: firo

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Leroy Sané erzielte das Siegtor für Schalke, doch in den Augen der Schalker war Keeper Ralf Fährmann der Matchwinner beim 1:0-Erfolg in Stuttgart.

André Breitenreiter wusste genau, bei wem er sich zu bedanken hatte: Schalkes Trainer rannte direkt nach dem Abpfiff auf Ralf Fährmann zu und fiel seinem Torwart um den Hals. “Dass wir gewonnen haben, lag einzig und allein an Ralf Fährmann. Er hat weltklasse gehalten”, lobte Breitenreiter nach dem 1:0-Sieg am Sonntag beim VfB Stuttgart, mit dem Schalke auf Platz vier der Fußball-Bundesliga kletterte. Das Tor zum dritten Schalker Sieg im dritten Spiel binnen einer Woche erzielte Leroy Sané in der 53. Minute.

Doch Sanés Tor geriet an diesem Tag zum Randaspekt - die Ovationen galten allein Fährmann. Zwölf Großchancen erspielten sich die Stuttgarter, gleich sieben davon vereitelte Schalkes Torwart. “Dieses Spiel darf man niemals verlieren, aber wir tun es”, jammerte VfB-Trainer Alexander Zorninger, dessen Team die fünfte Niederlage im fünften Saisonspiel kassierte - weil Fährmann den Schwaben im Weg stand.

Als Schalkes Torwart nach dem Spiel aus der Kabine kam, grinste er: “Es war ein sehr, sehr glücklicher Sieg für uns, Stuttgart hatte zahlreiche Chancen. Wir können uns beim lieben Fußballgott bedanken, dass er uns drei Punkte geschenkt hat.” Diese Aussage ist typisch für Fährmann, der sich niemals selbst in den Vordergrund stellt. Er glänzt lieber auf dem Feld - wie in Stuttgart.

Vor allem kurz vor der Halbzeitpause (gegen Christian Gentner) sowie in der Schlussphase nacheinander gegen Timo Werner (70.), Florian Klein (71.) und Daniel Ginczek (75.) wuchs der 26-Jährige förmlich über sich hinaus. Und das vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw, der im Stadion war und den Kampf um die Plätze hinter Manuel Neuer erst neu eröffnet hat. Breitenreiter könnte Löw seinen Torwart nur empfehlen: “Ralle gehört seit langer Zeit zu den Besten. Er hat eine sehr große Präsenz, ist stark beim eins gegen eins und holt jede Flanke herunter. Ein absoluter Top-Mann - das hat der Bundestrainer heute sicher auch gesehen.” Fährmann selbst träumt schon lange von einer Einladung. “Ich würde mich freuen”, meinte er in Stuttgart, “aber ich bin kein Typ, der sich da reinredet.”

Der Sieg war völlig unverdient
André Breitenreiter

Fährmann stand beim Spiel in Stuttgart fast von Beginn an im Blickpunkt, weil Schalke drei Tage nach dem Europa-League-Spiel am Donnerstag in Nikosia (3:0) vom Kopf her nicht so frisch wirkte und den Schwaben die Initiative überließ. Breitenreiter hatte auf personelle Wechsel verzichtet und der gleichen Elf wie auf Zypern das Vertrauen geschenkt.

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Allerdings bekam vor allem das junge Mittelfeld mit Geis (22), Goretzka (20), Meyer (20) und Sané (19) in der ersten Halbzeit überhaupt keinen Zugriff auf den Gegner. Zur Pause stellte Schalkes Trainer dann um und beorderte Max Meyer wieder ins Zentrum - und dieser Plan ging auf. Denn in der 53. Minute spielte Meyer einen traumhaften Diagonalpass über fast 50 Meter auf die linke Seite, wo Leroy Sané in den freien Raum lief und das 1:0 für Schalke erzielte. Erst ließ Sané seinen Gegenspieler Klein aussteigen - dann überlistete er VfB-Torwart Tyton. Zum Gratulieren rannte sogar Fährmann aus seinem Tor heraus bis zur Mittellinie.

Mit Glück und Fährmann brachte Schalke diese Führung über die Zeit. Breitenreiter sagte später, er würde sich “keinen Zacken aus der Krone brechen”, wenn er diesen Sieg sogar als “unverdient” bezeichnen würde. Und er verriet: “Wenn man ehrlich ist, haben wir uns zwischendurch das Lachen auf der Bank nicht verkneifen können.” Immer dann, wenn Fährmann gerade wieder einen Ball gehalten hatte.

Autor: Manfred Hendriock

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