Vor dieser Saison wollten die Königsblauen nach dem Schnarchnasenfußball unter Roberto Di Matteo eine Aufbruchstimmung im Klub erzeugen.

Aufbruchstimmung

Schalke und die Flüchtlingskids

16. September 2015, 09:10 Uhr
Foto: firo

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Vor dieser Saison wollten die Königsblauen nach dem Schnarchnasenfußball unter Roberto Di Matteo eine Aufbruchstimmung im Klub erzeugen.

André Breitenreiter und sein Team scheinen nach den letzten Eindrücken sportlich auf dem besten Weg dazu. Aufbruchstimmung ganz anderer Art verbreitet der Verein auch abseits des Spielfeldes, das manchmal eben nicht die Welt bedeutet.

Denn Geschichte wiederholt sich gerade. Die Geschichte des FC Schalke 04 ist auch die Geschichte seiner Zuwanderer. Die Königsblauen haben das im Rahmen ihrer Feier zum 111-Jährigen Bestehen in dem Musical „Kennst du den Mythos …“ in der Arena gerade erst höchst eindrucksvoll auf das Notenblatt und die Leinwand projeziert.

In Zeiten beinahe täglich nach Deutschland einrollender Flüchtlingszüge und prognostizierter eine Million Schutzsuchender in unserem Land bis zum Ende des Jahres zeigt der Verein aber auch, dass er sich seiner besonderen sozialen Verantwortung bewusst ist. Die rührt eben auch aus seiner eigenen Historie.

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Zusammenrücken und helfen lautet die einfache, aber klare Botschaft. Der Trailer „Steht auf, wenn ihr Menschen seid“ hat Fußballdeutschland wach gerüttelt. Und zum Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 hatten die Knappen 16 Kinder aus Asylbewerberfamilien eingeladen, Teil der Schalker Familie zu werden. „Wir machen als Verein sehr viel. Wir waren mit den Sachspenden aus der Initiative „Kumpelkiste“ schon in mehreren Flüchtlingsnotunterkünften. Das ist ein wichtiges Zeichen, dass wir für die Menschen da sind“, nickt die Schalker Vereinslegende Gerald Asamoah.

Der Schalke-Tag war eine tolle Abwechslung vom oft tristen Alltag für die Kids aus Syrien, dem Irak, dem Kosovo, Rumänien, Serbien und Bulgarien. Für sie alle war es der erste Besuch eines Fußballspiels in ihrer neuen Heimat, die für manche von ihnen auch eine dauerhafte bleiben wird. Nach einem Besuch der Arena durften sie im Rahmen einer kostenlosen Trainingsstunde mit Kindern der Knappen-Fußballschule und „Asa“ selbst gegen den Ball treten. Bevor sie dann mit ihren Begleitungen im Stadion den Heimsieg des S04 hautnah miterleben konnten. Vielleicht waren unter ihnen ja sogar die Schalker Helden von morgen dabei.

Es waren mit Fritz Szepan und Ernst Kuzorra Zuwandererkinder aus Ostpreußen und Masuren, die einst den legendären Schalker Kreisel gegründet haben
Denn es waren mit Fritz Szepan und Ernst Kuzorra Zuwandererkinder aus Ostpreußen und Masuren, die einst den legendären Schalker Kreisel gegründet haben und den Verein zu dem gemacht haben, was er heute ist. Ihre Eltern kamen aus dem Osten, um Teil des Beschäftigungswunders zu werden, das sich an Ruhr und Emscher ankündigte. Das schwarze Gold lockte die Menschen, erst ihre Nachkommen sind auf Kohle geboren. Es waren die Kinder der Malocher aus den Zechen, die den „Proletenklub“ unter dem Namen Westfalia Schalke im Jahr 1904 aus der Taufe gehoben haben.

Damals wie heute war das Ruhrgebiet im Allgemeinen und Gelsenkirchen im Speziellen ein Schmelztiegel der Kulturen. Zu Zeiten der Vereinsgründung stammte ein Viertel der Bevölkerung aus dem Osten. In den 1960er und 1970er Jahren sollte sich diese Immigrationsgeschichte wiederholen. Heute hat jeder fünfte Bewohner der Stadt türkische Wurzeln.

Unsere internationalen Förderklassen sind bereits seit Jahren ein Erfolgsmodell
Bärbel Themann

Zuwanderung ist deshalb kein Neuland für Schuldirektorin Bärbel Themann von der Gelsenkirchener Hauptschule an der Grillostraße. „Unsere internationalen Förderklassen sind bereits seit Jahren ein Erfolgsmodell“, erklärt sie. Denn auch für Flüchtlingskinder besteht in Nordrhein-Westfalen eine Schulpflicht, sobald ein Asylantrag gestellt wurde. „Inzwischen haben wir bereits sieben Klassen mit je zwanzig Schülern an unserer Schule“, erklärt die engagierte Pädagogin, selbst begeisterte S04-Anhängerin.

Die große Mehrheit der Flüchtlinge lebt mit einem unsicheren Status in Deutschland. So lange die Asylverfahren bearbeitet werden, ist der Aufenthalt getstattet. „Unsere Kinder haben die Erstaufnahmelager und zentralen Unterbringungseinrichtungen bereits verlassen und leben mit ihren Familien in normalen Wohnungen. Sie sind zwischen drei Monaten und eineinhalb Jahren in Gelsenkirchen. In der Woche sind sie mit den deutschen Kindern zusammen, aber am Wochenende noch zu oft unter sich. Deswegen sind wir Schalke für diese Aktion sehr dankbar.“

Neben den vielen Amateurvereine, die ehrenamtlich helfen und inzwischen Flüchtlinge am Trainingsbetrieb teilhaben lassen, ist es wichtig, dass auch ein Verein wie der FC Schalke 04 klare Kante gegen rechtsextreme Tendenzen zeigt und diese vorlebt. „Man sieht einfach, dass Fußball verbindet. Wenn der Ball dabei ist, versteht man, worum es geht. Man hat gemerkt, dass die Kinder Spaß hatten und dass sie all das gefragt haben, was sie wissen wollten“, brachte es Asamoah auf den Punkt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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