Die Bundesliga kann ein sehr schamloses Geschäft sein.

Dortmund

Der BVB spielt derzeit einfach schamlos gut

Daniel Berg
14. September 2015, 14:10 Uhr
Foto: firo

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Die Bundesliga kann ein sehr schamloses Geschäft sein.

Umso bemerkenswerter war, was mit Matthias Ginter passierte, als der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund schon zur Abfahrt bereit stand, der Nationalspieler aber noch einer kleinen Zahlenspielerei lauschte. Die besagt, dass Ginter in dieser noch jungen Fußballsaison an so vielen Toren beteiligt gewesen sei wie zuvor in seiner ganzen Profi-Karriere nicht. Wettbewerbsübergreifend stehen für den 21-Jährigen nach neun Pflichtspielen fünf Vorlagen und ein Treffer zu Buche.

Als Ginter die Zahlen hörte, lief sein Gesicht leicht rot an.

Das Ginter-Märchen ist aber nur ein kleiner Teil dieser Erfolgsserie, die Borussia Dortmund bisher hingelegt hat. Nach dem 4:2 (2:1)-Sieg in Hannover dürfen die eifrigen Fußball-Historiker des Landes einen neuen Rekord vermerken: Nie in 53 Jahren Bundesliga startete eine Mannschaft nach Siegen und Tordifferenz so gut wie die Borussia in diesen Tagen. Und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat dafür eine einfache Erklärung: „Wenn du gewinnst und gewinnst, dann hast du eben Selbstvertrauen.“

Das machte sich in diesem neunten siegereichen Pflichtspiel der Saison durchaus bemerkbar, weil Hannover in Führung gegangen war und zwischenzeitlich den Ausgleich erzielte. Beide Ereignisse hätten wohl noch in der vermaledeiten vergangenen Saison zum Zusammenbruch aller schwarz-gelben Systeme geführt, nun aber spielt dieser BVB im sicheren Wissen um die eigene Stärke einfach weiter. Es ist das Selbstverständnis einer Spitzenmannschaft, die allerdings ein wenig Spielglück für sich beanspruchen durfte.

Hannovers Felipe hätte an diesem Tag im Casino auf Rot und Schwarz setzen können – und verloren. Mit einem Foul an Jonas Hofmann und einem Handspiel sorgte er für zwei Elfmeter, die Pierre-Emerick Aubameyang erst kompromisslos und dann lässig nutzte. Ein drittes Tor wäre ihm wohl beschieden gewesen, wenn ihm nicht jener Felipe nach Ginters Flanke zuvorgekommen wäre – Eigentor. Außerdem traf Henrikh Mkhitaryan sehenswert. Vorarbeit: Ginter. Der Mann, der im Sommer 2014 als Innenverteidiger kam und in seinen Spielen manchmal wirkte wie Felipe am Samstag. Mönchengladbach wollte Ginter. Doch die Dortmunder Bosse ließen ihn nicht gehen. Jetzt spielt er als Rechtsverteidiger gut wie nie.

„Das ist schon eine coole Sache. Wir haben ihn im Sommer nicht verkauft, weil wir immer daran geglaubt haben, dass er genau der Spieler sein kann, der er jetzt für uns ist“, meinte Watzke in Hannover und ließ offen, ob er a) einen generell wichtigen Spieler meinte oder b) einen Spieler, der auf der rechten Seite einsetzbar ist.

Spitzenspiel gegen Leverkusen

Trainer Thomas Tuchel zumindest war dieser Gedanke mit Ginter offenbar sehr früh gekommen. Nach der Verletzung von Lukasz Piszczek schlug dann seine Stunde. Immer wieder wird er mit diagonalen Flanken in den Rücken der dichten Abwehr ins Spiel gebracht. Da lauert er im Hinterhalt. Das 2:0 gegen Berlin und das 3:2 gegen Hannover? Fast deckungsgleich.

Womit eine grundsätzliche Frage des bisherigen Saisonverlaufs erreicht wäre: Was ist das da beim BVB wert? Nach dem Europa-League-Spiel gegen Krasnodar am Donnerstag (ab 19 Uhr live in unserem Ticker) wartet mit Leverkusen am Sonntag ein Spitzenklub als Gegner. Geht das Spiel verloren, könnte es heißen, dass die Borussia ja auch nur gegen desaströse Gladbacher, Aufsteiger Ingolstadt und zwei Fast-Absteiger der vergangenen Saison gewonnen hat.

So schamlos geht es nämlich zu in der Bundesliga. Manchmal.

Autor: Daniel Berg

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