Ahlens Ultras haben die Auswärtsfahrt nach Rödinghausen zur Mottofahrt deklariert. Der Aufruf dazu ist nicht nur originell, sondern strotzt geradezu vor Zynismus.

RW Ahlen

Fanprotest der feinsten Sorte

09. September 2015, 13:23 Uhr
Foto: Neumann

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Ahlens Ultras haben die Auswärtsfahrt nach Rödinghausen zur Mottofahrt deklariert. Der Aufruf dazu ist nicht nur originell, sondern strotzt geradezu vor Zynismus.

Im Gegensatz zu üblichen Fan-Aufrufen, die das Motto der Fahrt zu einem markigen Appell modulieren, wenden sich die "Compadres Ultras Ahlen" mit einem "Sehr geehrte Mitarbeiter" an den Reisemob, der - wie es in dem Pamphlet heißt - sich doch bitte in der Firmenzentrale der "Häcker Rödinghausen GmbH" einfinden soll, um einem "wunderbaren Sport-Event" beizuwohnen.

"Drei Punkte Meeting", "Mitbewerber der Fußball-Branche" und "firmeneigene Hostessen" - der Aufruf an alle "Mitarbeiter der Ahlener Fanszene AG" gleicht einem Schreiben an die Belegschaft eines DAX-Konzerns, der auch wirklich gar nichts dem Zufall überlassen will. Strikt, genormt und mit einem fürchterlich sterilen Sprech regeln die "Compadres Ultras Ahlen" sogar den Dresscode für die Fahrt. "Zieht euch unserem Mitbewerber würdig an", heißt es - gleichsam verbunden mit der Bitte, sich doch für den SVR in Schale zu schmeißen. "Egal ob Hemd, Anzug, Jacket, Hut oder sonstiges." Fan-Protest der feinsten Sorte. Und das gleich im doppelten Sinne.

Was dahinter steckt, erklärt sich von selbst. Dennoch ist der Aufruf, Kapuzenpulli und Seidenschal gegen feinen Zwirn und Binder zu tauschen, mehr als der blanke erhobene Mittelfinger. Der inszenierte Auftritt in Businesskleidung ist gleichzeitig Vision und Schrecken der (Ahlener) Fangemeinde. Und vielleicht am Ende doch gar nicht so originell?

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