Oliver Dirr nimmt in der Regel kein Blatt vor den Mund. Sein derzeitiger Job veranlasst den 46-Jährigen, sich selbst eine grundlegende Frage zu stellen.

SC Marl-Hamm

Dirr betreibt "nur noch Flickschusterei"

08. September 2015, 09:31 Uhr
Foto: Ketzer

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Oliver Dirr nimmt in der Regel kein Blatt vor den Mund. Sein derzeitiger Job veranlasst den 46-Jährigen, sich selbst eine grundlegende Frage zu stellen.

"Man muss sich manchmal wirklich fragen, ob man nicht doch bescheuert ist und besser zuhause bleiben sollte", ist der Coach des SC Marl-Hamm fassungslos. Denn bei den "Löwen" herrscht - milde ausgedrückt - das Chaos. Vorab: Den desolaten Saisonstart mit vier Niederlagen aus vier Spielen und 3:22 Toren will Dirr nicht entschuldigen. "Es gibt Gründe, warum die Entwicklung so ist. Aber ich will keine Ausreden gelten lassen. Das habe ich nie gemacht", lässt der Coach offen, was rund um den Feldweg passiert ist.

Alles fing zu Beginn der Vorbereitung damit an, dass das Gros der Mannschaft den Traditionsklub verlassen wollte. "Da gab es ein hin und her - schließlich haben sich drei Spieler dazu entschlossen zu gehen", berichtet Dirr. Außerdem musste Kim Dobersek (beruflich stark eingespannt) und Marvin Labuda (Bandscheibenprobleme) passen. Hinzu kamen etliche verletzungsbedingte Ausfälle. Den Umgang mit der personell brenzligen Situation nimmt er auf seine Kappe: "Ich war zu naiv und habe geglaubt, dass wir das ohne Neuzugänge kompensieren können." Mit dem Kader, der den Marlern noch in der letzten Saison zur Verfügung gestanden hatte, wollte der ehemalige Linienchef von Rhenania Bottrob eigentlich um Titel und Aufstieg mitspielen.

Der Schuss ging gewaltig nach hinten los. Gleich nach dem ersten Saisonspiel gab es eine Sitzung mit der sportlichen Leitung. "Jürgen Cuber hat mir freigestellt, ob ich mit der Mannschaft überhaupt weitermachen soll", erzählt der Coach von seinem Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden des Vereins. Mittlerweile standen aus dem Kader der Vorsaison nur noch zwei Spieler im Aufgebot für die Kreisliga-Meisterschaft. "Es ist einfach eine Flickschusterei", stöhnt Dirr. Aufgeben will er trotz aller Widrigkeiten nicht: "Meine Aufgabe besteht jetzt darin, aus den Spielern, die noch da sind, eine Mannschaft zu formen."

Letztlich waren die 1:10-Niederlage gegen den TuS Haltern II sowie das Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz am vergangenen Wochenende lediglich zwei weitere von vielen Nackenklatschern. "Ein Abstieg wäre fatal", denkt der Linienchef laut und fügt an: "Mit Chaos ist das hier noch schön umschrieben."

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