„Niemals geht man so ganz.“  Die unvermeidliche Hymne aller Abschiedshymnen von Trude Herr durfte am Samstag im Signal Iduna Park nicht fehlen.

„Tamam“

Kevin Großkreutz lernt schon türkisch

07. September 2015, 09:07 Uhr
Foto: Stefan Bunse

Foto: Stefan Bunse

„Niemals geht man so ganz.“ Die unvermeidliche Hymne aller Abschiedshymnen von Trude Herr durfte am Samstag im Signal Iduna Park nicht fehlen.

Sie galt natürlich in erster Linie Dede. Während der Brasilianer aber bereits vor der Partie alle Tränen vergossen hatte, standen diese Kevin Großkreutz in den Katakomben seines „Wohnzimmers“ mehrfach in den Augen. „Er wollte auch so gerne wie ich 13 Jahre für den BVB spielen. Aber ich habe ihm gesagt, dass es im Fußball eben manchmal auch anders kommt“, musste Dede seinen Kumpel bereits unter der Woche zu Hause auf der Couch trösten. Am Samstag ermöglichte er Großkreutz vor dem Spiel einen angemessenen Abschied vor der Südtribüne. Von BVB-Geschäftsführer „Aki“ Watzke bekam der „Dortmunder Jung“ ein entsprechendes Bild und einen Blumenstrauß überreicht.

Und ein rasches Wiedersehen mit Dede ist fest eingeplant. Schließlich trennen die beiden künftig zwischen Eskisehir und Istanbul nur noch zweieinhalb Stunden mit dem Schnellzug. In seinem Abschiedsinterview in der Mixed-Zone sprach Großkreutz über seine besondere Beziehung zu Dede und zum BVB und blickte nach vorne auf seine künftigen Aufgaben in Istanbul.

Kevin Großkreutz über...

… den Abschied von Dede:
Es war ein sehr emotionaler Abend. Wenn mehr als 81.000 Zuschauer zu einem Abschiedsspiel kommen, dann kann man sich vorstellen, was er für diesen Verein geleistet hat. Dede hat sich so einen Abschied aber auch verdient, weil er 13 Jahre alles für den BVB gegeben hat.

… seine besondere Beziehung zu dem Brasilianer:
Ich habe ihn schon bewundert, als ich noch auf der Südtribüne stand. Es war ein großartiges Gefühl, als ich zum BVB kam und mit ihm auf dem Platz stehen durfte. Er war damals schon eine Legende. Ich war ja auch schon bei ihm in Brasilien, ich kenne seine Freunde, seine Familie. Wir sind enge Freunde geworden und der Kontakt wird auch nie abbrechen. Wir sind ja jetzt wieder näher beieinander. Wir werden uns bestimmt bald in der Türkei treffen und das tolle Essen dort zusammen genießen.

… sein letztes Spiel im schwarzgelben Trikot. Und warum es trotz seines Wechsels nach Istanbul eine Ehrensache für ihn war, nochmal im Signal Iduna Park aufzulaufen:
Natürlich. Ich wollte ja eigentlich am Samstag auch gar keinen Abschied für mich, weil das Dedes Ehrentag war. Aber er wollte unbedingt, dass ich auch verabschiedet wurde. Das zeigt, welchen Charakter er hat.

… den Abschiedsschmerz, ein letztes Mal vor seiner Südtribüne zu stehen:
Das ist nicht so einfach, wenn man 24 Jahre hier in diesem Stadion zu Hause war. Ich werde meine Zeit beim BVB nie vergessen. Ich danke allen Fans von Borussia Dortmund, ich werde diese Zeit nie vergessen.

... seine Erinnerungen, die er mit nach Istanbul nimmt:
Ich nehme nur mit positiven Erinnerungen mit. Die Südtribüne, die Fans. Es waren mit den Meisterschaften und dem DFB-Pokalsieg in Berlin unglaubliche Momente dabei. Aber auch unendliche Trauer mit dem verlorenen Champions-League-Finale. Ich werde irgendwann mal zurückkommen.

… darüber, ob für den BVB-Anhänger seit Kindesbeinen am Ende die Trauer oder die Freude überwiegt, für seinen Herzensverein gespielt zu haben:
Ich habe jede Sekunde genossen, in der ich das Trikot des BVB tragen durfte. Ich bereue nicht eine davon. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich für diesen Verein aufgelaufen bin. Auch, wenn ich jetzt nicht mehr hier spiele, werde ich den BVB immer im Herzen tragen und Fan von diesem Verein bleiben. Ich werde mich auch weiterhin öfter im Signal Iduna Park blicken lassen, denn diese Liebe wird niemals enden.

… sein neues Kapitel Istanbul, das am beginnt und seine Erwartungen:
Ich habe schon viel über die Stadt gehört. Dort herrscht immer Verkehrschaos. Ich möchte die türkische Kultur näher kennenlernen. Ich freue mich schon sehr auf die Menschen dort, weil sie immer offen und ehrlich sind. Ich wohne jetzt 27 Jahre in Dortmund und bin zum ersten Mal weg von zu Hause. Ich freue mich deshalb sehr auf die neue Herausforderung in der Türkei.

… seinen Empfang auf dem Istanbuler Flughafen in der vergangenen Woche und seinen ersten Vorgeschmack auf die heißblütigen türkischen Fans:
Ich kann mich für den herzlichen Empfang nur bedanken. Ich habe noch nichts für den Verein geleistet und die Fans feiern mich schon und stehen schon so zu mir. Das ist Wahnsinn und einmalig. Das hilft mir sehr, über den Abschied in Dortmund hinwegzukommen. Sie sind positiv verrückt. Ich werde ab Montag alles dafür tun, es ihnen zurückzuzahlen.

… die Reaktion der „Gala“-Fans, als diese gehört haben, dass er erst ab Januar für seinen neuen Klub spielberechtigt ist:
Das ist natürlich sehr ärgerlich. Aber es ist unglaublich, wie viele aufmunternde Nachrichten ich von den türkischen Fans bekomme. Das hilft mir sehr, über diese Zeit hinweg zu kommen. Das tut einfach gut und ich verspreche den Fans von Galatasaray Istanbul, dass ich alles raushauen werde, was ich habe.

… Überlegungen, wegen der fehlenden Spielberechtigung vielleicht erst im Winter in die Türkei zu gehen:
Das stand für mich außer Frage. Ich will die Stadt kennenlernen, ich will die Menschen kennenlernen, ich will die Mannschaft kennenlernen. Und ab Januar will ich erfolgreich Fußball spielen. Das werden für mich jetzt noch einmal dreieinhalb schwierige Monate ohne Pflichtspiel. Aber auch wenn ich erst ab Januar spielen darf, kann ich der Mannschaft jetzt schon mithelfen, dass wir uns als Team verbessern. Ich werde mich im Training voll reinhängen und mit „Poldi“ zusammen für gute Laune sorgen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer alles gebe.

… die Reaktion seines neuen Trainer Hamza Hamzaoglu, als der erfahren hat, dass er seinen neuen Star erst in vier Monaten einsetzen darf:
Wir saßen an dem Tag der Entscheidung bis 05.00 Uhr morgens zusammen im Hotel und haben uns unterhalten. Er hat einen sehr netten Eindruck gemacht, ist ein toller Mensch. Ich freue mich darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten.

… warum er überhaupt zum türkischen Meister gewechselt ist:
Ich wollte wieder Fußball spielen und auch wieder Spaß am Fußball spielen haben. Ich bin mir sicher, dass das bei Galatasaray der Fall sein wird. Galatasaray wollte mich unbedingt und sie tun alles, damit ich mich dort wohl fühle.

… die Rolle von Lukas Podolski:
Er hat mir jeden Tag Sprachnotizen geschickt, auch leider ist auch viel Blödsinn dabei. Aber es ist natürlich von Vorteil, dass mit ihm schon jemand dort ist, den ich kenne. Er ist sehr zufrieden bei Galatasaray und wird mir helfen, mich in Istanbul schnell zurecht zu finden. Wir werden viel Spaß haben zusammen bei Galatasaray und wollen zusammen erfolgreich Fußball spielen.

… Bemühungen, die türkische Sprache zu erlernen:
„Tamam“ (lacht). Ich bin in Dortmund-Eving mit vielen Türken zusammen aufgewachsen, deshalb kenne ich bereits einige Worte. Es ist eine schwierige Sprache, aber ich werde es auf jeden Fall probieren.

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