Wer für das Abschiedsspiel die „Kabine machen“ sollte, war für Dede keine Frage.

Dede

Wenn der Hund die Pulsuhr tragen muss

06. September 2015, 10:39 Uhr
Foto: firo

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Wer für das Abschiedsspiel die „Kabine machen“ sollte, war für Dede keine Frage.

Schließlich kennt er Zeugwart Frank Gräfen seit dessen erstem Tag bei der Borussia. Noch heute schreiben und telefonieren die beiden miteinander. Und sie verbindet eine der bekanntesten Anekdoten des Brasilianers. Gräfen war es, der den legendären Anruf entgegennahm, als Dede die gefrorene Scheibe seines Wagens zum Anlass nahm, sich vom Training abzumelden. Die Begründung: Das Auto sei kaputt. Nicht das einzige Schmankerl, das der Zeugwart aus den Wintermonaten zu berichten hat. „Aus Brasilien kannte er die Temperaturen nicht. Da konnte es passieren, dass er auf einmal in Trägershirt und Flip-Flops vor einem stand“, erinnert er sich.

Gräfen kann unzählige Geschichten des Dortmunder Publikumslieblings erzählen. Sie schwanken zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Komik. Zum Beispiel, wie Dede eines Sommers so gar nicht einsehen wollte, dass er sich über die freie Zeit doch bitte in Form halten solle. Von welchem Trainer die Idee kam – Gräfen kann es nicht mehr genau sagen. Was er jedoch noch weiß: Die Spieler hatten nach der Saison Pulsuhren mitbekommen. Kilometer machen ohne Ball, bitteschön! Als der Brasilianer nach seinem Heimaturlaub wieder in Dortmund aufkreuzte, staunte man nicht schlecht. Der sonst für seine „preußischen“ Tugenden bekannte Linksverteidiger war überhaupt nicht in Form. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Dede nicht so ernst genommen hatte, wer die Pulsuhr tragen sollte und sie seinem Hund umgeschnallt. Der musste ein paar Runden um den Block drehen – fertig war das hausgemachte Konditionsproblem.

Neid darf man da nicht entwickeln.
Frank Gräfen

Liebevoll, beinahe schon väterlich spricht der 50-Jährige über seinen alten Freund. Den Stolz darauf, dass er bei den Spielern auch heute noch so geschätzt ist, kann er nur schwer verstecken. Dabei hat das Verhältnis Spieler-Zeugwart seine eigene Tücke. Wer welches Auto fährt zum Beispiel. „Neid darf man da nicht entwickeln“, sagt Gräfen und fügt an: „Die Spieler haben immer sehr schnell gemerkt, dass ich damit umgehen kann.“ Seit 2004 ist er ganz nah dran am Verein, seit er vom Dortmunder Ordnungsdienst direkt zum BVB geholt wurde. Und dafür seinen Job unter Tage quittierte.

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Vielleicht war es auch die Malocher-Mentalität, die den gebürtigen Dortmunder mit Dede so verband. Der Brasilianer lebte Bescheidenheit wie kaum ein zweiter Brasilianer. „Er sagte immer: ‚Ich kaufe auf Brückstraße`. Da war es eben günstiger“, erzählt der Zeugwart. Als er ihm eines Tages verklickerte „Dede, so wird doch nicht Hugo Boss geschrieben“, zuckte dieser nur mit den Schultern. Lediglich bei den Autos war Dortmunds „Außenminister“, wie er aufgrund seiner Verdienste rund um die anderen Brasilianer im schwarz-gelben Dress gern genannt wurde, äußerst spendabel. Womit er seinen Körper bedeckte, war ihm fast egal. Hauptsache es hielt. Als eine weiße Hose, die er auf seiner bevorzugten Einkaufsstraße für einen schmalen Kurs erstanden hatte, dem nicht nachkam und an der Naht auf der Rückseite gerissen war, Dede mit der Mannschaft aber noch auf die Rolle wollte, sprang Gräfen wieder ein: „Die Hose haben wir getaped. Ein paar Wochen später war das immer noch drin. Man hat nichts davon gemerkt.“

Im Abschiedsspiel hielt Dedes Hose natürlich. Aber ganz gewiss hätte Frank Gräfen auch für den Fall der Fälle eine Lösung parat gehabt. Schließlich hatte Dortmunds Außenminister a.D. auch ganz bewusst ausgewählt, wer die Kabine machen sollte.

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