Der BVB ist schuldenfrei, das Festgeldkonto gut gefüllt - künftig sollen mehr Mittel in die Mannschaft gesteckt werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Borussia Dortmund

BVB hofft auf weiteres Wachstum

Sebastian Weßling
22. August 2015, 10:05 Uhr
Foto: firo

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Der BVB ist schuldenfrei, das Festgeldkonto gut gefüllt - künftig sollen mehr Mittel in die Mannschaft gesteckt werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Es ist tatsächlich das Bild von Don Quijote, dass Hans-Joachim Watzke während seinen Ausführungen bemüht. Gerade hat der Geschäftsführer von Borussia Dortmund Zahlen vorgelegt, die sich angesichts des sportlichen Einbruchs der vergangenen Saison sehr ordentlich darstellen: Rund 276 Millionen Euro betrug der Umsatz der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA im Geschäftsjahr 2014/15 und damit etwa 15 Millionen mehr als im Vorjahr. 5,5 Millionen Euro bleiben davon als Gewinn nach Steuern. Das liegt zwar um 6,4 Millionen unter dem Vorjahresergebnis, aber reicht immer noch, um Fans von Darmstadt 98 oder Werder Bremen die Tränen in die Augen zu treiben.

Und doch vergleicht Watzke seinen Klub mit jenem Ritter, der eben so aufopferungsvoll wie vergeblich gegen Windmühlen ankämpft. Die Windmühlen, das sind in diesem Fall die finanziell erheblich besser ausgestatteten Klubs wie der FC Bayern oder dank des potenten Volkswagen-Konzerns im Rücken der VfL Wolfsburg - und vor allem dank des üppigen TV-Vertrags fast die gesamte Premier League.

Um im Konzert der großen künftig mitzuhalten, hat der BVB schon im Februar beschlossen, seine Strategie zu modifizieren: "Ab sofort gilt das absolute Primat der Wettbewerbsfähigkeit", sagt Watzke. "Alles, was wir erwirtschaften, wird zwingend in das Kerngeschäft Fußball gesteckt." Ein Geschäft, in dem die Transfersummen und Gehälter zuletzt vor allem eine Richtung kannten: "Bei diesem Boom gibt es für uns keine Alternative, als im Rahmen unserer Möglichkeiten mitzuhalten", sagt Watzke. "Und das können wir uns auch leisten."

Die Kosten für den Kader werden sukzessive erhöht

Schon in der abgelaufenen Saison waren die Kosten für den Kader von 85 auf über 90 Millionen geklettert, auch in der Zukunft sollen sie sukzessive erhöht werden. Das Geld dafür ist da, weil der BVB im vergangenen Jahr 140 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung einsammelte - deutlich über 50 Millionen davon liegen noch bei der Bank. Und größer soll die Reserve auch nicht werden: "Wir werden nicht mit der Volksbank Dortmund in einen Wettbewerb treten, wer die höheren Bareinlagen hat", kündigte Watzke an.

Dass sich aber der Gewinn nun halbiert hat und der Umsatz nicht so stark wie erhofft gewachsen ist, beunruhigt sie in Dortmund nicht. Denn das lässt sich einerseits durch den fehlenden sportlichen Erfolg und dadurch verpasste Prämien, andererseits durch die vorzeitige Ablösung von Schulden und damit fälligen Gebühren erklären. Lieber verwiesen BVB-Boss Watzke und Finanzgeschäftsführer Thomas Treß auf den operativen Gewinn vor Steuern (EBITDA), der um 6,4 Millionen auf 55,6 Millionen Euro angestiegen ist.

Die Stars sollen gehalten werden

Ob das Wachstum in der kommenden Saison weitergeht, ist fraglich - denn statt der ertragreichen Champions League steht für den BVB bekanntlich nur die Europa League auf dem Programm. Aber man hat sich vor einigen Jahren gegen den Einnahmeausfall versichert, außerdem bringt jede weitere Runde zusätzliche Einnahmen. Und weil das Stadion eben immer voll ist, nimmt der BVB schon aus Qualifikation und Playoffs etwa vier Millionen Euro an Einnahmen mit. Es werde wohl eine Lücke geben, sagte Watzke. "Aber wir können das möglicherweise verkleinern."

Zudem hätte der Klub sein finanzielles Ergebnis auf einfache Weise deutlich besser gestalten können. "Wir hätten nur einen unserer Topleute verkaufen müssen", so der Geschäftsführer. "Möglichkeiten gab es, und nicht nur eine. Aber das ist ja genau das, was wir nicht wollen."

Autor: Sebastian Weßling

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