Die Torhüterposition ist immer eine besondere. Ein Keeper steht in der Regel im Blickpunkt, er kann mit fantastischen Paraden ein Match fast alleine entscheiden, ebenso wie mit einem katastrophalen Fehlgriff. Kommen davon mehrere vor, droht der vorherigen Nummer Eins prompt die Ersatzbank, so sind nun einmal die Regeln des Profigeschäftes. Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen ein Stamm-Schlussmann ohne jedes eigene Zutun zum Reservisten wird. Marc Ziegler, der in diesem Sommer von Arminia Bielefeld zu den Borussen kam, kann davon gleich ein Lied mit drei Strophen singen.

"Wenn der BVB mich braucht, will ich topfit sein"

Ziegler über Gesichtsverluste, Finanz-Pleiten und Milliardäre

Randolf Kaminski
19. Juli 2007, 22:01 Uhr

Die Torhüterposition ist immer eine besondere. Ein Keeper steht in der Regel im Blickpunkt, er kann mit fantastischen Paraden ein Match fast alleine entscheiden, ebenso wie mit einem katastrophalen Fehlgriff. Kommen davon mehrere vor, droht der vorherigen Nummer Eins prompt die Ersatzbank, so sind nun einmal die Regeln des Profigeschäftes. Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen ein Stamm-Schlussmann ohne jedes eigene Zutun zum Reservisten wird. Marc Ziegler, der in diesem Sommer von Arminia Bielefeld zu den Borussen kam, kann davon gleich ein Lied mit drei Strophen singen.

Begonnen hat die Karriere des heute 30-Jährigen bereits 1994 beim VfB Stuttgart. Nach einer Saison des Wartens stand er ein Jahr später regelmäßig zwischen den schwäbischen Pfosten. "Anschließend wollten die Verantwortlichen mit Andreas Köpke einen Nationaltorwart verpflichten. Alles schien in trockenen Tüchern, doch dann ging er nach Frankreich." Äußerst peinlich für die VfB-Führungsetage, die nun emsig nach einem Ersatz fahndete und mit dem Österreicher Franz Wohlfahrt auch fündig wurde. "Sie wollten nicht ihr Gesicht verlieren."[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/002/772-2808_preview.jpeg Nun beim BVB aktiv: Marc Ziegler. (Foto: firo)[/imgbox]

Im Gegensatz dazu wechselte Ziegler über den Umweg Bielefeld und Bursaspor 2001 selbst in die Alpenrepublik. "Dort erlebte ich meine schönste Zeit bei Wacker Innsbruck." Allein schon aus statistischen Gründen: Vom 15. Mai bis zum 22. September blieb er 1.082 Minuten ohne Gegentreffer. Eine Serie, die übrigens erst durch ein Eigentor beendet wurde. Jogi Löw hieß dort der Coach, "den ich als Mensch und Trainer sehr schätze", mit dem die Meisterschaft gefeiert werden konnte. Der nicht ganz unwesentliche Haken an der Geschichte waren die katastrophalen Finanzen der Tiroler. "Wenn man drei, vier Monate lang kein Gehalt bekommt, macht man sich als Familienvater schon so seine Gedanken."

Die spülen jedoch kein Geld auf das Konto, das Angebot der ambitionierten Wiener Austria schien also genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen.

Vielleicht aber doch nicht, denn anderthalb Jahre später spielte ihm der Klub aus der Alpenrepublik einen bösen Streich, an dem Ziegler lange zu knacken hatte. Inzwischen war er an Hannover 96 ausgeliehen, absolvierte 30 Meisterschaftspartien, überzeugte und hatte seinen neuen Vertrag an der Leine schon unterschrieben in der Tasche: "Der beinhaltete allerdings die Klausel, dass sich beide Klubs über die Ablösesumme einigen müssen." Sie taten es nicht und der Keeper musste zurück in die österreichische Metropole, "wo ich ein Jahr nur auf der Tribüne gesessen habe." Machtspiele von Vereinsfunktionären, vor allem von Wiens Milliardär Frank Stronach, der sich diese finanziell locker leisten konnte, die aber "harte Zeiten für mich zur Folge hatten", und absurde Stilblüten hervorbrachten. "Anschließend wurde ich dann in Wien mit Lobeshymnen verabschiedet."

Über Saarbrücken und die Bielefelder Alm führte ihn sein Weg jetzt ins Revier. Über das Angebot der Borussen musste er nicht lange nachdenken: "Auch wenn die Tabelle zuletzt vielleicht etwas anderes aussagte, der BVB ist, vor allem mit diesem Fan-Potenzial im Hintergrund, ein großer Klub." Mit einem kleinen Strahlen in den Augen ergänzt er: "Ohne schmeicheln zu wollen, aber die Riesenkulisse im Signal Iduna Park ist einfach fantastisch und war mit ausschlaggebend für meinen Wechsel."

Der wird aber auch sehr harte Zeiten mit sich bringen: "Ich weiß, dass ich mit Roman Weidenfeller einen starken Mann vor mir habe, aber ich bin trotzdem sehr motiviert." Sein Motto: "Ich werde konzentriert dabei bleiben, dass sieht man schon in den Trainingseinheiten. Wenn der BVB mich braucht, will ich topfit sein." Benötigt wird er schon am 4. August im Pokalspiel in Magdeburg, weil sein Konkurrent in diesem Wettbewerb nach seinem Platzverweis gegen Hannover im letzten Jahr für zwei Begegnungen gesperrt ist: "Der Pokal liegt mir, schließlich habe ich ihn schon in Deutschland und Österreich geholt." 1997 mit dem VfB und 2003 mit der Austria.

Neben den Cup-Siegen und Meisterschaften in Stuttgart, Innsbruck und Wien hat Ziegler reichlich Erfahrung gesammelt, kann er selbst als Nummer Zwei Weidenfeller da noch ein paar Tipps geben? "Es ist zu früh, daran zu denken. Wie kennen uns erst seit kurzer Zeit, so etwas muss langsam wachsen." Doch der Jüngere scheint durchaus offen: "Wir kommen bisher gut miteinander aus, ich habe ihn bei unserer Rafting-Tour mit in unser Boot geholt." Klingt gut, denn nach Engagements bei insgesamt sieben verschiedenen Vereinen will der 1,94 Meter-Mann nicht nur in seinen Leistungen Konstanz bringen, hat in Dortmund einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Zumal sich die Klubs über die Ablösesumme von 200.000 Euro schnell einig wurden, die Gehälter bei den Borussen pünktlich überwiesen werden und die BVB-Verantwortlichen keine Angst haben, ihr Gesicht zu verlieren.

Autor: Randolf Kaminski

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