Wenn er so weiter macht, ist Marcel Schmelzer auf einem guten Weg, einer der Antreiber im BVB-Spiel zu werden. Warum?

Borussia Dortmund

Flankengott Schmelzer?

Daniel Berg
20. August 2015, 13:48 Uhr
Foto: firo

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Wenn er so weiter macht, ist Marcel Schmelzer auf einem guten Weg, einer der Antreiber im BVB-Spiel zu werden. Warum?

Für einen 27-Jährigen muss es ja nichts Schlechtes sein, an die eigene Jugend erinnert zu werden. Bei Marcel Schmelzer ist das seit Mittwochabend der Fall. Um 18.30 Uhr begann das Abschlusstraining der Fußballer von Borussia Dortmund für das erste von zwei entscheidenden Duellen um die Qualifikation für die Europa League beim norwegischen Außenseiter Odds BK. Auf Kunstrasen. "Ich glaube die meisten von uns haben das letzte Mal in der Jugend auf Kunstrasen gespielt", gibt der Dortmunder Linksverteidiger zu Protokoll, "aber ich denke, dass es nicht so schlimm wird, wie es mancher vielleicht vermuten könnte. Kunstrasen ist auf jeden Fall besser als ein schlechter Naturrasen."

Das ist ein pragmatischer Ansatz eines Mannes, der sich zuletzt wieder in den Vordergrund gespielt hat. Schmelzer ist neben Henrikh Mkhitaryan und Julian Weigl einer der großen Gewinner der ersten Phase unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel. Mehr noch: Kaum einer kann sich seines Platzes in er ersten Elf derzeit so sicher sein, wie der gebürtige Magdeburger. Das liegt - mit Verlaub - daran, dass es auf der Position des Linksverteidigers weniger erprobte Alternativen gibt als in anderen Teilen des Feldes. Aber vor allem liegt das daran, dass Schmelzer derzeit in einer sehr beachtlichen Form ist.

Schon zum Ende der vergangenen Saison gefiel er mit neuer alter Dynamik. Weil er seitdem endlich mal wieder verletzungsfrei blieb, befindet er sich derzeit auf hohem körperlichem Niveau. Das ist wichtig für sein Spiel. Zum Auftakt der Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach am vergangenen Samstag legte er wie seine Kollegen einen beeindruckenden Auftritt hin. Das 2:0 bereitete er bildschön vor, die Flanke von der linken Seite war scharf getreten und landete zentimetergenau auf der Stirn von Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang.

Das war ein merkwürdiger Moment, weil der eine oder andere Zuschauer im Stadion sich die Augen rieb und sich fragte, ob das wirklich Schmelzer gewesen sein konnte, der diese wundervolle Flanke geschlagen hatte. Eine gewisse Skepsis ob seiner Leistungsfähigkeit begleitet ihn außerhalb des Vereins schon länger. Schmelzer fühlt sich bisweilen falsch beurteilt. Aber er hat sich damit arrangiert. Und vor allem hat er - die Argumente auf seiner Seite: Er ist seit Jahren Stammspieler beim BVB, ist zweifacher deutscher Meister, Pokalsieger, Champions-League-Finalist. Das Ansehen seiner Teamkollegen ist ihm sicher. Das zählt für ihn deutlich mehr.

"Das war die ungefähr 28. überragende Flanke in den letzten Wochen", meinte Kapitän Mats Hummels nach dem Gladbachspiel über die Vorlage zum 2:0. Schon in den Vorbereitungsspielen hatte Schmelzer bemerkenswerte Offensivaktionen und bereitete wie selbstverständlich Tore vor. Unter Tuchel darf der frühere Angreifer seine Position noch stürmischer interpretieren. Schmelzer kommt das durchaus entgegen. Gegen den Odds BK dürfte das wieder zu sehen sein. Bei ihm, beim BVB läuft es eben gerade.

Aber Marcel Schmelzer ist klug genug, das alles nicht überzubewerten: die guten Ergebnisse in der Vorbereitung, die vier Pflichtspiele ohne Gegentor, das Lob, das von überall auf Schwarz und Gelb einprasselt. Der Nationalspieler hält das für gefährlich, weil es die Sinne vernebeln könnte. Das Spiel an einem exotischen europäischen Fußball-Ort wie Skien, wo der Odds BK seine Heimspiele austrägt, kommt ihm daher genau recht. "Nach den Lobeshymnen zuletzt ist das Spiel gegen einen eher unbekannten Gegner genau die richtige Herausforderung für uns als Mannschaft. Das ist ein Charaktertest für jeden einzelnen und ein guter Test für Sonntag." Dann nämlich geht es in der Bundesliga weiter. Gegen Ingolstadt. Mit Marcel Schmelzer.

Autor: Daniel Berg

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