Noch in der vergangenen Saison war klar: Wenn Philipp Zeiger fit war, spielte er. Nach dem Trainerwechsel kann sich bei RWE nun niemand mehr sicher sein.

Philipp Zeiger

"Klar hatte ich daran zu knabbern"

20. August 2015, 12:07 Uhr
Foto: Deutzmann

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Noch in der vergangenen Saison war klar: Wenn Philipp Zeiger fit war, spielte er. Nach dem Trainerwechsel kann sich bei RWE nun niemand mehr sicher sein.

Auch der eigentliche Abwehrchef saß zuletzt zweimal draußen. Wir sprachen mit Zeiger darüber, wie er mit der für ihn neuen Situation umgegangen ist und was er von der anstehenden Pokalsaison erwartet.

Philipp Zeiger, wie bewerten Sie den Saisonstart von Rot-Weiss Essen?
Wir hätten gerne mehr Punkte, so viel steht fest. Es ist aber nicht so, dass wir den Kopf in den Sand stecken und sagen: Alles ist schlecht. Alle sind völlig fokussiert. Wir geben weiter im Training Gas. Ich habe so das Empfinden, diese Woche irgendwie besonders. Man merkt: Alle wollen den Bock endlich umstoßen und gerade zuhause endlich einmal gewinnen nach zwei bitteren Spielen. Vorher wollen wir aber ein gutes Pokalspiel in Mülheim spielen.

Vor dem Start herrschte in Essen große Euphorie. Ist die nach nur einem Remis in drei Spielen schon wieder weg?
Ich weiß nicht, ob Euphorie das richtige Wort ist. Es war eine Vorfreude da, das ist klar. Unsere Ergebnisse in der Vorbereitung haben gestimmt. Der Start ist nicht perfekt gelaufen, aber es ist auch nicht so, dass wir sagen müssen: Wir haben totale Grütze gespielt. Es ist nicht alles schlecht, aber es geht immer besser.

Sie saßen zuletzt zweimal in Folge auf der Bank. War es schwer, damit umzugehen?
Bevor ich nach Essen kam, hatte ich in Halle zwei Jahre, in denen ich zwischen Startelf, Bank und Tribüne gependelt bin. Ich kann damit umgehen. Ich bin kein kleiner Junge, der sich in die Ecke stellt und bockig ist. Ich gebe im Training Gas. (lacht) Ich weiß, dass das eine blöde Floskel ist, aber es ist mein Ziel, so zu trainieren, dass der Trainer nicht anders kann, als mich aufzustellen. Ich denke eigentlich, ich bin auf einem ganz guten Weg. Mal gucken.

Ich bin kein kleiner Junge, der sich in die Ecke stellt und bockig ist
Philipp Zeiger

Hat der Trainer seine Entscheidung Ihnen gegenüber begründet?
Wir hatten ein Gespräch nach dem Wiedenbrück-Spiel. Ansonsten muss der Trainer mir jetzt nicht jede Woche sagen, aus welchem Grund ich draußen sitze. Ich kann damit ganz gut umgehen.

Spornt es einen Spieler an, wenn er auch mal draußen sitzt, oder kann das für Verunsicherung sorgen?
Das kommt immer auf den Charakter des Einzelnen an. Ich denke, jeder geht damit anders um. Den einen verunsichert das völlig, der andere sagt sich: ‚Jetzt erst recht, ich zeig es dem Trainer.‘ Ich würde schon sagen, ich bin so ein Typ, den das anspornt. Aber klar hatte ich auch daran zu knabbern, gerade vor dem DFB-Pokalspiel, das für uns alle ein Highlight war. Es ist allerdings so, dass ich relativ schnell einen Schalter im Kopf umlege und mir sage: ‚Komm, gib Gas! Irgendwann kommt der Trainer nicht drumherum, dich zu bringen.‘

Der Kader ist breiter aufgestellt. Können Sie darüber hinaus schon feststellen, ob es eine Weiterentwicklung zur letzten Saison gegeben hat?
Man wird spätestens in der Winterpause sehen, ob wir einen Schritt nach vorne gemacht haben. Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden, das sehe ich jeden Tag im Training. Jetzt müssen wir es eben nur in den Spielen in Ergebnisse ummünzen, denn darum geht es im Fußball.

Bei RWE wird in diesem Jahr der Zusammenhalt besonders betont. Merkt man, dass „Wir.Essen.Gemeinsam.“ mehr ist als ein Marketing-Spruch?
Vereinsintern würde ich schon sagen, dass da ein guter Zusammenhalt ist. Zwischen Mannschaft und Geschäftsstelle ist es nicht nur so, dass man sich vom Sehen kennt. Da ist auch eine gute Stimmung und ein Zusammenhalt. Ich habe schon das Gefühl, dass alle Mitarbeiter mitfiebern, wenn wir spielen, mitleiden, wenn wir verlieren und sich mitfreuen, wenn wir gewinnen. Teamintern stehen wir natürlich erst am Anfang, schließlich sind wir in dieser Konstellation als Mannschaft erst seit kurzem zusammen. Aber es hat sich schon ein Zusammenhalt gebildet. Wir haben die neuen Spieler gut integriert und sie haben sich auch gut integrieren lassen. Da ist kein Stinkstiefel dabei. Von daher passt das alles. Und auch mit den Fans sind wir, denke ich, durch Aktionen wie das Fangrillen ein Stück weiter zusammengewachsen.

Nun geht es gegen Mülheim. Eine Pflichtaufgabe?
Wir brauchen jetzt nicht sagen, wir haben Angst vor Mülheim, aber wir gehen mit Respekt an die Sache ran, weil wir genau wissen, wie schwer wir uns letzte Saison im Pokal getan haben. Da waren es eigentlich immer enge Spiele. Von daher müssen wir ganz konzentriert da ran gehen und 100 Prozent geben, ansonsten wird das wieder eine ganz enge Kiste. Und das wollen wir nicht.

Was sind Ihre Ziele im Pokal?
Wir haben ja gesehen, dass die Stimmung gegen Fortuna Düsseldorf bombastisch war, wir waren nah an der sogenannten ‚Sensation‘. Im Elfmeterschießen zu verlieren, ist besonders bitter. Man muss nur dieses Spiel sehen, um zu sagen: Da wollen wir wieder hin!

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