Die Oberliga als Zwischenstation? Das Anspruchsdenken beim TSV Marl-Hüls hat Züge angenommen, die Vorstand und Trainer bedenklich stimmen.

TSV Marl-Hüls

"Neid und Missgunst brauchen wir nicht"

20. August 2015, 14:05 Uhr
Foto: Neumann

Foto: Neumann

Die Oberliga als Zwischenstation? Das Anspruchsdenken beim TSV Marl-Hüls hat Züge angenommen, die Vorstand und Trainer bedenklich stimmen.

Linienchef Michael Schrank kann nicht oft genug betonen, wie wichtig das Engagement von Abteilungsleiter Lothar Gedenk ist: "Ohne ihn würden wir auf keinen Fall in der Oberliga spielen", sagt er. Und fürchtet gleichzeitig, dass die Ansprüche am Loekamp ob der Investitionen in den Kader ins Unermessliche steigen.

RevierSport sprach mit Gedenk über die Motivation, den Traditionsverein weiter in dem Ausmaß zu unterstützen. Und darüber, wie der Klub auch ohne ihn überleben könnte.

Lothar Gedenk, hat der Aufstieg in die Oberliga im Verein eine neue Euphorie losgetreten?
Das kann ich so nicht sagen. Sportlich haben wir auf jeden Fall einen großen Schritt gemacht. Aber mir gefällt nicht, dass so häufig negativ geredet wird. Neid und Missgunst sind Dinge, die wir nicht gebrauchen können.

Wie meinen Sie das?
Es laufen einige Leute am Platz herum, die alles besser wissen und können. Spricht man sie aber darauf an, dass sie mitmachen könnten, drehen sie sich um. Schauen Sie: Ich habe vor einiger Zeit etwa 1.000 Flyer drucken lassen, um passive Mitglieder anzuwerben. Da stand alles drauf: Beitrag, Aufnahmeformular, Bankverbindung. Die Resonanz? Null! Unsere alten Mitglieder sterben weg, neue bekommen wir nicht. Seit ich da bin, haben wir fünf passive Mitglieder gewonnen.

Das nagt sicher an der Motivation.
Aber ganz bestimmt. So lange der Erfolg da ist, bekommen wir aber immer noch Schulterklopfer. In Summe werden die sportlichen Erfolge der Vergangenheit zu wenig gewürdigt.

Derzeit hängt viel von Ihren Investitionen ab. Wie stellen Sie derzeit sicher, dass der Verein eines Tages auch ohne Sie kann?
Vielleicht ist das ja im nächsten Jahr schon soweit (lacht). Aber im Ernst: Das kann ich derzeit noch nicht sicherstellen. So lange es Spaß macht, bin ich weiter dabei. Das hängt aber von vielen Faktoren ab.

Welche sind das?
Wir brauchen ein Stadion. Auf absehbare Zeit wollen wir in die Regionalliga. Da sind wir in Gesprächen. Jetzt hat sich die Situation ergeben, dass das Jahnstadion, in dem der TSV früher gespielt hat, verkauft wurde. Die Mittel sollten also da sein. Wir sprechen ja nicht von einem Bau für 20.000 Zuschauer. Aber in dem Bereich zwischen 3.000 und 4.000 sollten wir liegen. Die Regionalliga ist schließlich allein durch Teams wie Essen, Oberhausen, Aachen sowie die zweiten Mannschaften von Schalke und Dortmund sehr attraktiv.

Hat der nächste Aufstieg also noch etwas Zeit?
Ja! Das wollen wir in dieser Saison auch noch gar nicht schaffen. Die Infrastruktur hat derzeit Vorrang. Allein schon für unsere Jugendabteilung. Wir haben 20 Mannschaften, die irgendwo trainieren müssen. Und ich will nicht immer wieder in die Situation kommen, dass wir Kinder wegschicken müssen.

Und wenn die Mannschaft nun doch schon durchmarschiert?
Dann trinke ich am Ende der Saison ein Bierchen mehr (lacht). Das wäre sicher zu stemmen. Dann müssten wir aber schon einmal vorsichtig am Badeweiher nachfragen, ob wir in dem Stadion spielen können. Das wäre für uns aber eine Übergangslösung, mit der wir nicht zufrieden wären.

Autor:

Mehr zum Thema

Kommentieren