Im Duden wird „zittern“ als „unwillkürliche, in ganz kurzen, schnell aufeinanderfolgenden Rucken erfolgende Hinundherbewegungen“ beschrieben, wenn man „sich um etwas große Sorgen“ macht.

VfL Bochum

Vorbei die Zeiten des großen Zitterns?

06. August 2015, 15:41 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Im Duden wird „zittern“ als „unwillkürliche, in ganz kurzen, schnell aufeinanderfolgenden Rucken erfolgende Hinundherbewegungen“ beschrieben, wenn man „sich um etwas große Sorgen“ macht.

Ein in Bochum wahrlich nicht unbekanntes Phänomen. Das große Zittern – ein passender Begriff für das Defensivverhalten der letzten Saison. Die große Frage: Gelingt es eine Balance zwischen dem berauschenden Offensivspiel und einer sicheren Defensive zu finden?

Zwar sind erst zwei Spieltage absolviert, doch schon nach rund 180 Minuten wird deutlich, dass die „Schießbude der Liga“ (55 Gegentreffer) deutlich verschlossener geworden ist. Die Folgefrage: An welchen Stellschrauben drehten Trainer und Spieler in der Vorbereitung? Felix Bastians hat eine einfach Erklärung: „Wir haben sechs Wochen Zeit gehabt, um am kompletten System zu arbeiten. Wir haben immer gesagt, dass wir als Team gut verteidigen müssen.“

„Wir haben nur wenige Chancen zugelassen“
Felix Bastians

Gemeinsam gegen Ball und Gegner arbeiten, das gelang bislang gut. Auffällig war zum Saisonauftakt, wie viel Laufarbeit die Mannschaft von Gertjan Verbeek investierte, um den Gegner gar nicht erst ins Spielen kommen zu lassen. Rund 115 Kilometer spulten die Akteure pro Spiel ab – ein Top-Wert. Zum Vergleich: Im letzten Spiel der vergangenen Saison gegen Sandhausen waren es „nur“ 112. „Wir haben Spielertypen bekommen, die immer an die Defensive denken, wie Haberer und Hoogland. Ihnen ist es auch wichtig, dass wir hinten gut stehen und arbeiten dementsprechend gut mit. Das macht unsere Arbeit in der Abwehr leichter. Das Ergebnis sieht man: Wir haben nur wenige Chancen zugelassen“, summiert Bastians.

Das Verbindungsstück zwischen Abwehrarbeit und Angriff ist, wie schon im vergangenen Jahr, Anthony Losilla. Der Franzose gewann gegen Duisburg über 60 Prozent seiner Zweikämpfe, setzte dem MSV-Mittelfeld schon in der gegnerischen Hälfte so zu, dass kein geregelter Spielaufbau möglich war, und ist zudem immer anspielbar. Bochums Rennmaus Onur Bulut (65 Sprints) und der wuselige Marco Terrazzino bedrängen die gegnerischen Aufbauspieler im Verbund mit Simon Terodde schon kurz vor dem gegnerischen Sechzehner. Das alles nervt den Gegner, führt zu Ballgewinnen und ermöglicht das erwünschte dominante Spiel. Auch wenn Paderborn am ersten Spieltag zu zwei, drei guten Chancen kam, so zeigt sich: Das Verbeek’sche Pressing ist verinnerlicht und wird konsequent umgesetzt. Der Lohn: Kein Gegentor nach zwei Spielen.

Und wenn der Gegner dann doch mal in Richtung Bochumer Tor stürmt, steht die Viererkette nicht mehr auf verlorenem Posten. Patrick Fabian kochte den wuchtigen Kingsley Onuegbu souverän ab, lief schon gegen Paderborn die Lücken konsequent zu. „Wir haben insgesamt einen sehr guten Sinn für die Defensivarbeit entwickelt. Die Defensive muss wie die Offensive geschlossen funktionieren“, betont Fabian. Bislang klappe das sehr gut, so der Kapitän weiter: „Wir lassen kaum etwas zu, spielen geduldig und mit einer gewissen Erfahrung aus dem letzten Halbjahr. Das alles führt zur momentanen Situation, und die fühlt sich gut an.“

Ob dieses Gefühl nachhaltig bleibt und das große Zittern der Vergangenheit angehört, werden zwar erst Partien gegen die offensivstarken Freiburger, die Millionen-Truppe aus Leipzig oder die starken Lauterer zeigen. Der Anfang ist aber gemacht.

Autor:

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren