Der Wechsel von Eigengewächs Kai Nakowitsch zum Lokalrivalen Rot-Weiß Oberhausen hat beim Essener Anhang hohe Wellen geschlagen.

RWO

Nakowitsch beklagt Anfeindungen von RWE-Fans

Martin Herms
05. August 2015, 14:48 Uhr
Foto: Tillmann

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Der Wechsel von Eigengewächs Kai Nakowitsch zum Lokalrivalen Rot-Weiß Oberhausen hat beim Essener Anhang hohe Wellen geschlagen.

Wenige Tage vor dem direkten Aufeinandertreffen im Pokalfinale präsentierten die Kleeblätter Nakowitsch als Neuzugang für die kommende Spielzeit. Die Fans konnten den Abgang des Abwehrtalents nicht nachvollziehen. Schließlich war Nakowitsch einer der ihren. Ein Essener Junge, der einst schon im Georg-Melches-Stadion mit seinem Heimatverein mitfieberte und nun ausgerechnet zum ungeliebten Konkurrenten von der Emscherinsel ging.

Doch aus Sicht von Nakowitsch war der Wechsel alles andere als unverständlich. Nachdem er in der vergangenen Saison einmal verletzungsbedingt ausfiel, kehrte er nie wieder in die Startelf zurück und spielte überhaupt keine Rolle mehr. Da der Verein zudem nicht eindeutig signalisierte, den auslaufenden Vertrag verlängern zu wollen, wurde Nakowitsch beim Angebot aus Oberhausen hellhörig.

Die Kleeblätter hatten sich in Person des Sportlichen Leiters Frank Kontny intensiv um ihn bemüht und erhielten letztlich den Zuschlag. "Ich bin davon überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe", betont Nakowitsch nun. "Oberhausen wollte mich unbedingt haben, in Essen habe ich dieses Vertrauen nicht gespürt. Bei RWO habe ich für mich persönlich die bessere Perspektive gesehen, denn ich spiele weiter sehr ambitioniert in der Regionalliga und kann in Essen-Dellwig wohnen bleiben."

Es haben leider viele Leute nicht verstanden, warum ich die Hafenstraße verlassen habe. Über Facebook gab es einige beleidigende Nachrichten
Kai Nakowitsch

Trotz dieser nachvollziehbaren Gründe hatte Nakowitsch nach der Bekanntgabe seines Wechsels mit unerfreulichen Anfeindungen aus dem Essener Fanlager zu kämpfen. So sei es speziell über das Internet vermehrt zu Beleidigungen gegen den 20-Jährigen gekommen. Zum Teil auch von Personen, die ihm nicht unbekannt waren. "Es haben leider viele Leute nicht verstanden, warum ich die Hafenstraße verlassen habe. Über Facebook gab es mehrere beleidigende Nachrichten. Mit einigen von den betroffenen Leuten stand ich früher selbst in der Kurve. Es war nicht so schlimm, dass ich die Polizei verständigen musste, aber mitgenommen hat es mich zwischenzeitlich schon", räumt Nakowitsch ein und fügt hinzu: "Ich bin darauf auch nicht eingegangen, weil es sich nicht lohnt, mit solchen Leuten zu diskutieren. Als ich von Fans persönlich und vernünftig in der Stadt angesprochen wurde, habe ich es den Leuten auch versucht zu erklären. Das konnte dann jeder verstehen. Gleiches gilt für meine engsten Freunde, die voll hinter mir stehen."

Rückendeckung genießt Nakowitsch auch von seinem neuen Verein, auch wenn sein Start in Oberhausen bisher eher unglücklich verlaufen ist. Im ersten Testspiel gegen Fortuna Köln verletzte sich der Blondschopf, der trotz seines jungen Alters bereits 41 Regionalliga-Spiele auf dem Buckel hat, am Sprunggelenk und fiel rund zwei Wochen aus. Zum Regionalliga-Auftakt in Köln reichte es aufgrund des Trainingsrückstandes noch nicht für einen Kaderplatz. Beim Testspiel am Dienstagabend gegen den Kreisligisten Schwarz-Weiß Alstaden (11:0) durfte Nakowitsch 90 Minuten auf dem Platz stehen und erzielte zwei Treffer. Trainer Andreas Zimmermann äußerte sich lobend über seinen Neuzugang. "Wir wissen, was Kai draufhat und wollten ihn deshalb auch unbedingt haben. Er hat eine schwere Zeit hinter sich, aber wir stehen voll hinter ihm. Ich bin mir sicher, dass er schon bald sehr wichtig für uns sein wird."

Nach seinem enttäuschenden Abgang aus Essen will Nakowitsch in Oberhausen einen Neuanfang starten und künftig wieder sportlich für Furore sorgen. Sowohl RWO als auch er haben für die Saison 2015/2016 sehr ehrgeizige Ziele formuliert. Der Defensivallrounder will es seinen Kritikern, seinem Ex-Klub und vor allem auch sich selbst beweisen. "Man sieht sich immer zweimal im Leben", betont Nakowitsch vielsagend. "Ich möchte jedem zeigen, dass ich den richtigen Weg gegangen bin. Bald werde ich wieder der alte Kai sein, dafür arbeite ich jeden Tag hart. Wenn ich das schaffe und wir mit RWO eine gute Saison spielen, wäre ich überglücklich."

Dass seine ehemaligen "Freunde" aus der RWE-Kurve diese Freude mit ihm teilen würden, ist wohl nicht zu vermuten.

Autor: Martin Herms

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