Der Essener Kult-Physio Costas Karamanlis gibt im RS-Interview einen Einblick in die Entwicklung der medizinischen Betreuung im Amateurfußball.

Handarbeit

Nicht nur etwas für Profis

Martin Herms
03. August 2015, 14:17 Uhr
Foto: Privat

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Der Essener Kult-Physio Costas Karamanlis gibt im RS-Interview einen Einblick in die Entwicklung der medizinischen Betreuung im Amateurfußball.

Der Saisonstart in den Amateurligen wirft seine Schatten voraus. Speziell die körperlichen Anforderungen sind auch bei den unterklassigen Klubs in den letzten Jahren enorm gestiegen. Gerade bei ambitionierten Vereinen werden die Parallelen zum Profifußball immer größer.

Umso mehr Bedeutung wird im Zuge dieser Entwicklung der medizinischen Betreuung beigemessen. Dessen ist sich Costas Karamanlis bewusst. Der ausgebildete Physiotherapeut leitet in Essen seit 2007 zusammen mit Sven Kampmann die Praxis ‚Handarbeit‘. An zwei Standorten, im Kennedytower und an der Rosastraße, werden Spitzen- und Amateursportler gleichermaßen professionell behandelt. Im RS-Interview gibt Karamanlis, der privat zahlreiche Spitzensportler betreut, einen kurzen Einblick.

[infobox-right]Referenz-Liste:
ETUF Hockey Herren und Damen, ETUF Tennis, HTC Uhlenhorst, Assindia Cardinals, ETB Wohnbau Baskets. Deutsche Schwimm-Nationalmannschaft, SHC Rockets Essen, Aalto Theater Ballett Ensemble, Musical „Cats“, Musical „Dirty Dancing“, Musical „Mamma Mia“, SGS Essen, FC Kray, SpVg Schonnebeck, Ratingen 04/19, TuS Essen-West 81, SV Burgaltendorf.
Mehr Infos unter: www.hand-arbeit.com[/infobox]

Costas Karamanlis, wie bewerten Sie die Entwicklung der medizinischen Betreuung im Fußball?
Ich denke, dass schon vor Jahren ein Umdenken stattgefunden hat, gerade im Amateurfußball. Immer mehr Vereine legen auf diesen Bereich wert. Mittlerweile dürfte jeder Landesligist über einen Physiotherapeuten verfügen. Die Physiotherapie genießt innerhalb eines gut strukturierten Vereins eine hohe Akzeptanz. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Ex-Profis in unteren Ligen spielen. Zum anderen aber auch an der Qualität der Physiotherapeuten. Seit Jahren wird gute und engagierte Arbeit geleistet.

[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/073/106-74170_preview.jpeg Physiotherapeut Costas Karamanlis ist der Meinung, dass sich der Amateurfußball in den letzten Jahren weiterentwickelt hat.[/imgbox]

Glauben Sie, dass auch eine Veränderung des Spiels stattgefunden hat? Hat speziell der Amateurfußball einen großen Schritt nach vorne gemacht?
Ich bin der Meinung, dass der Fußball in den unteren Spielklassen deutlich ambitionierter ist als noch vor etwa einem Jahrzehnt. Die körperliche Belastung ist viel höher. Es wird deutlich mehr Wert auf die Athletik gelegt. Der Bereich Athletik und Gesundheit hat sich stark entwickelt. Ab der Regionalliga hat jeder Verein in diesem Bereich eigene Trainer. Darunter ist das noch problematisch.

Können Sie das erläutern?
Es ist schlicht und ergreifend eine Frage des Budgets. Das ist auch absolut verständlich, denn Amateurvereine haben es in der heutigen Zeit nicht leicht. Es ist schwer, Gelder für einen Physiotherapeuten und das benötigte Material aufzubringen, auch wenn es sich für die Klubs auf lange Sicht lohnt.

Welche Vorteile hat ein Amateurverein dank einer professionellen medizinischen Betreuung?
Ein ambitionierter Physiotherapeut arbeitet nicht hauptamtlich bei einem Amateurverein. Dennoch ist sein Aufgabenfeld sehr groß. Das Telefon eines Physios steht in der Regel nie still. Es steckt in der Regel mehr Idealismus und Leidenschaft dahinter, als dass es sich finanziell lohnen würde. Die Leistungen, die die Klubs erhalten, sind in der Regel sehr förderlich für die Entwicklung der Fußballer.

Inwiefern können im Bereich der medizinischen Betreuung schon Parallelen zum Profifußball gezogen werden?
Grundsätzlich ist es immer so, dass ein Trainer seine Spieler so schnell wie möglich auf dem Platz haben möchte. Das ist in jeder Spielklasse der Fall. Dabei gibt es auch immer wieder Diskrepanzen. Unsere Aufgabe ist es, entweder zu bremsen oder zu pushen. Ein Vorteil ist dabei, dass die meisten Physios früher selbst Sportler waren und die Abläufe genau kennen. Hier ist eine Tendenz erkennbar. Immer mehr Ex-Fußballer wählen diese Berufsrichtung. Das hilft sowohl im Amateur- als auch im Spitzensport.

Autor: Martin Herms

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