Die Regionalliga West startet in eine neue Saison. Ein RS-Kommentar zum Auftakt.

Regionalliga-Kommentar

Beste Liga aller Zeiten!?

31. Juli 2015, 09:37 Uhr
Foto: Tillmann

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Die Regionalliga West startet in eine neue Saison. Ein RS-Kommentar zum Auftakt.

Es ist fast schon zu einer Tradition geworden, dass Fernsehsender vor dem Saisonstart mit dem Slogan werben: „Die beste zweite Liga aller Zeiten!“ Paradox. Von Jahr zu Jahr scheint diese zweite Bundesliga immer besser und besser zu werden. Würden die Spiele der Regionalliga West nicht nur sporadisch, sondern umfassend im Fernsehen übertragen, dann fände der Slogan wohl auch dort seine Anwendung. Doch mehr Qualität ist in dieser Spielklasse kein Segen für die Vereine.

Die vierthöchste deutsche Spielklasse hat in ihrer West-Staffel zweifelsohne an Niveau zugelegt. Borussia Dortmund II ist als Absteiger aus der 3. Liga hinzugekommen. Der letztjährige Meister Borussia Mönchengladbach II ist derweil an der unsäglichen Aufstiegsregelung gescheitert, die die Meister der fünf Staffeln in eine Relegation zwingt, in der mindestens zwei von ihnen auf der Strecke bleiben. Der Fohlen-Nachwuchs nimmt also einen neuen Anlauf, sich gegen die Fülle an Traditionsvereinen durchzusetzen, die alle den sehnlichen Wunsch haben, endlich aus dieser Liga auszubrechen. Rot-Weiss Essen, Rot-Weiß Oberhausen, Alemannia Aachen, Viktoria Köln – sie alle wollen unbedingt raus aus der Regionalliga.

Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Offiziell will schließlich nur ein Verein hoch. Lediglich RWO-Präsident Hajo Sommers hat den Aufstieg als klares Ziel ausgegeben. Die anderen Spitzenteams zieren sich mit Aussagen in diese Richtung. Stattdessen wird davon gesprochen, man wolle guten Fußball spielen, oben mitspielen, den Anschluss an die Spitze möglichst lange halten. Hauptsache der Druck wird nicht zu groß und die Favoritenrolle liegt bei einem anderen Verein. Egal wie sehr der Kader auch verstärkt wurde, Topfavorit wird für jeden Vereinsverantwortlichen in Aachen, Essen und Köln immer ein direkter Konkurrent sein.

Dieser Kontrast zwischen den internen Zielen und denen, die nach außen hin kommuniziert werden, ist in erster Linie dem Verband zu "verdanken". Wenn es die Aufstiegsregelung den Vereinen schwer bis unmöglich macht, die Regionalliga tatsächlich nach oben hin zu verlassen, traut sich irgendwann niemand mehr, überhaupt noch über diese Möglichkeit zu sprechen.

Versuchen wir, es positiv zu sehen: Sollte auch weiterhin niemand aufsteigen, dafür aber noch der eine oder andere Westverein aus dem Profifußball Schiffbruch erleiden, dann dürfen wir auch in Zukunft mit Fug und Recht behaupten: Das ist die beste vierte Liga aller Zeiten (aus der alle wieder rauswollen).

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