Seit dem 1. Juli steht der frühere Bochumer Erfolgs-Coach Sascha Lewandowski bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, wirbelt schon kräftig für seinen neuen Club. So richtig los geht es aber erst mit dem Trainings-Auftakt am morgigen Montag. Was der Linien-Chef mit dem amtierenden Deutschen U19-Meister vorhat, erläutert er im RevierSport-Interview.

Leverkusen A-Jugend: Lewandowski über Druck und Reife

„Muss mir nichts mehr beweisen“

17. Juli 2007, 11:26 Uhr

Seit dem 1. Juli steht der frühere Bochumer Erfolgs-Coach Sascha Lewandowski bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, wirbelt schon kräftig für seinen neuen Club. So richtig los geht es aber erst mit dem Trainings-Auftakt am morgigen Montag. Was der Linien-Chef mit dem amtierenden Deutschen U19-Meister vorhat, erläutert er im RevierSport-Interview.

Sascha Lewandowski, steigt schon die Vorfreude aufs erste Training?

Auf jeden Fall. Ich bin seit zwei Wochen bei Bayer, habe seitdem viele neue Leute kennengelernt. Aber jetzt bin ich gespannt, endlich wieder auf den Platz zu gehen. Von meinem Büro aus sehe ich die Trainingsflächen, da kribbelt es schon bei mir.

Gab es schon einen ersten Kontakt zu Ihren neuen Spielern?
Ich habe mich in der letzten Saison ganz bewusst unsichtbar gemacht, um die Abläufe nicht zu stören. Daher habe ich mich der Mannschaft auch noch nicht vorgestellt. Das können mir manche vielleicht negativ auslegen, aber es wäre für den damaligen Trainer Thomas Hörster einfach keine glückliche Situation gewesen.
Wie haben Sie die Zeit seit Ihrem Rücktritt bei Bochum II im vergangenen Dezember genutzt?

Ich habe mir Spiele angeschaut, sehr viel gesichtet und hospitiert. Da mein Wechsel nach Leverkusen relativ früh klar war, habe ich die Spiele der U17 und U19 in der Rückrunde relativ komplett gesehen. Zudem musste ich mir einen Überblick über die Liga verschaffen.
Die Messlatte für Ihr Team liegt durch den Vorjahres-Erfolg sehr hoch, oder?
Im Jugendbereich hat man ständig eine neue Situation. Die Stützen wie David Hohs, Stefan Reinartz, Deniz Naki und Dennis Schmidt sind weg. Aus dem letztjährigen Kader bleiben nur fünf Akteure bei uns, von denen drei regelmäßig gespielt haben. Man reist dann als Deutscher Meister an, auch wenn die Akteure relativ wenig damit zu tun haben. Mit dieser Erwartungshaltung müssen die Jungs erstmal klar kommen.
Und der Trainer auch…

Durch die Jahre in Bochum muss ich mir nichts mehr beweisen. Ich bin mit dem VfL drei Mal Westdeutscher Meister geworden, habe gezeigt, dass ich im U19-Bereich erfolgreich sein kann.

Was trauen Sie Ihrer Truppe denn zu?

Zum einen muss man bedenken, dass die Talente, die nun zu uns kommen, im letzten Jahr mit der U17 nur Fünfter geworden sind. Zum anderen ergibt sich durch die U17-WM eine schwierige Situation. Vier Akteure von uns bestreiten die Vorbereitung komplett bei der Nationalmannschaft, zudem werden wir die ersten drei Liga-Spiele wegen ihres Fehlens verlegen müssen. Das bedeutet, dass wir danach nur Englische Wochen haben. Die Weltmeisterschaft ist für den Einzelnen ein toller Erfolg, für das Team ist es aber ein großes Problem. Und danach müssen die Rückkehrer erstmal wieder richtig ankommen, auch mental. Das ist gar nicht so einfach, wenn man direkt zu Beginn so einen Riesen-Höhepunkt im Programm hat.
Aber um den Titel spielen Sie trotzdem mit?

Wir haben einen stark besetzten Kader. Der Anspruch muss sein, eine gute Rolle zu spielen. Aber man kann die Probleme nicht von der Hand weisen. Ich kann zunächst nicht mit dem kompletten Team arbeiten, das ist schon ein Nachteil.

Wen haben Sie denn noch auf der Meister-Rechnung?

Grundsätzlich Schalke, die mit den Endjahrgängen spielen, aber auch Dortmund, Köln, Mönchengladbach. Und Bochum – die werden nicht noch einmal so viele Probleme wie zuletzt haben, da bin ich mir sicher.
Und welches Ihrer Talente schafft den Sprung in den Profi-Bereich?

Ich kenne die Jungs vom Typ her noch nicht, aber genau das ist das Entscheidende. Wenn ein guter Fußballer nicht reif genug ist, bringt das alles nichts. Die Zielstrebigkeit ist das, worauf es wirklich ankommt. Ohne die wird es niemand schaffen. Das Talent haben viele, aber durchsetzen werden sich nur diejenigen, die wissen, worauf es ankommt.

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