Seit Montagabend steht fest: Julian Draxler wechselt nicht zu Juventus Turin.

S04-Kommentar

Es gibt keinen Grund, enttäuscht zu sein

28. Juli 2015, 12:09 Uhr
Foto: firo

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Seit Montagabend steht fest: Julian Draxler wechselt nicht zu Juventus Turin.

Schalke-Manager Horst Heldt lehnte das Angebot für das Talent ab. Draxler selbst sei nicht enttäuscht gewesen, als er darüber informiert wurde. Dazu hätte der 21-Jährige auch keinen Grund gehabt. Ein Kommentar.

Am Ende ist im Fußball alles eine Preisfrage. Wer weiß, wie sich Horst Heldt entschieden hätte, wenn die Draxler-Offerte aus Turin nicht 22 (so wird gemunkelt), sondern 28 Millionen Euro schwer gewesen wäre?! Darüber zu diskutieren ist müßig, denn nun bleibt das Schalke-Juwel bei den Gelsenkirchenern. Das ist gut so, nicht zuletzt für den Spieler selbst.

Zum einen hat Draxler gewissermaßen noch etwas gutzumachen. Maßstab in Sachen Einstellung ist in dieser Hinsicht Kapitän Benedikt Höwedes, der für sich entschieden hat, dass er sich nach einer Saison wie der letzten nicht erhobenen Hauptes von Schalke verabschieden kann. Für den lange Zeit verletzten Draxler gilt dies zumindest bedingt.

Es ist jedoch weniger die lausige Rückrunde als die gesamte bisherige Karriere, die Draxler deutlich machen sollte, dass er auf Schalke noch nicht fertig ist. Nach seinem kometenhaften Aufstieg ist die Laufbahn zuletzt ziemlich in Stocken geraten. Der Weltmeistertitel kann darüber nicht hinwegtäuschen.

Nächster Punkt: Die Ausstiegsklausel. Zwar ist klar, dass die Summe von 45,5 Millionen Euro nicht Draxlers aktuellen Marktwert widerspiegelt. Bei einem Transfer aber nur knapp die Hälfte zu kassieren, wäre ein Eingeständnis von Berater und abgebendem Klub, dass der Spieler reichlich überbewertet wäre. Und es wäre ein bisschen peinlich, wenn man an den Zirkus denkt, mit dem die Vertragsverlängerung (ja, die legendären Plakat-LKW) 2013 bekannt gegeben wurde. Schließlich waren Draxler und Berater Wittmann auch mit den Konditionen des bis 2018 laufenden Vertrages einverstanden - jetzt zu jammern, dass dieser Bestand hat, wäre ja noch schöner.

Nun hat Draxler also erstmal ein Jahr lang Zeit, um aufzudrehen - und wieder so wertvoll zu werden, wie er in seinen ersten Profitagen schon allen erschien.

Lieber 20 Scorerpunkte von Draxler als von Shaqiri

Diese Sicht hat auch André Breitenreiter eingenommen. Der Trainer weiß gewiss auch darum, dass Draxler nicht nur einen sportlichen, sondern auch einen ideellen Wert hat. Jedem echtem Schalke-Fan müssten 20 Scorerpunkte eines Eigengewächses schließlich besser gefallen als die gleiche Zahl an Toren oder Vorlagen von ... sagen wir mal Xherdan Shaqiri. Das Gesamtpaket Juventus kann für Draxler eigentlich auch nicht so viel reizvoller sein als das Gesamtpaket S04. Mit der "alten Dame" könnte er Champions League spielen. Sich mit Schalke zu rehabilitieren, ist aber die größere Herausforderung (und von dieser reden die Profis doch so gerne). Erst recht für einen, in dem doch ein blau-weißes Herz schlägt. Somit wurde Draxler auch keine große Chance verwehrt. Die hat er ja immer noch - und zwar auf Schalke.

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