Mittelfeldspieler Shinji Kagawa von Borussia Dortmund sieht die kommende Saison als Herausforderung. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

BVB

Kagawa hofft auf erfolgreichen Neustart

Daniel Berg
25. Juli 2015, 11:26 Uhr
Foto: firo

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Mittelfeldspieler Shinji Kagawa von Borussia Dortmund sieht die kommende Saison als Herausforderung. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Den freien Nachmittag im Trainingslager in Bad Ragaz nutzte Shinji Kagawa (26) zu einem Ausflug an einen Badesee. Zeit abseits des Fußball-Platz bewusst zu genießen, hat der Profi von Bundesligist Borussia Dortmund in der vergangenen Saison aufs Neue erlernt. Das half ihm über eine schwierige Zeit hinweg. Darüber spricht er im Interview. An seiner Seite: Dolmetscher Jumpei Yamamori.

Shinji Kagawa, haben Sie Lust herauszufinden, ob stimmt, was man Menschen wie Ihnen nachsagt?
Was meinen Sie?

Sie sind 1989 geboren, Ihr japanisches Tierkreiszeichen ist somit Schlange. Schlangen, so sagt man, sind schlau, hartnäckig und - tut uns leid - geizig.
(lacht) Nein, geizig bin ich nicht. Schlau? Auf dem Platz mag das durchaus stimmen, aber außerhalb des Fußballs möchte ich das jetzt so aus dem Stand nicht beurteilen, das können die Menschen, die mit mir zu tun haben, bestimmt besser. Hartnäckig stimmt vermutlich auch. Meine Güte: Ich habe noch nie soviel über mich nachgedacht (lacht).

Sie scheinen nicht sehr an verborgene Mächte zu glauben...
Doch, ich glaube schon daran, dass so etwas wahr sein kann. In Japan und Korea ist es zum Beispiel auch sehr populär, jeder einzelnen Blutgruppe bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben. Aber ich muss zugeben: Ich glaube nur an das Gute.

Ihre Blutgruppe bedeutet was?
Sie bedeutet, dass ich sehr korrekt bin, fast schon penibel. Und ordentlich. Wobei sich das in Bezug auf mein Zimmer hier im Trainingslager nicht unbedingt zeigt (lacht).

Penibel und hartnäckig - Eigenschaften, die helfen könnten nach einer ernüchternden Saison. Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt?
Es war eine sehr schwierige Saison. Wir konnten die Spiele nicht gewinnen, auch wenn wir vielleicht die bessere Mannschaft waren. Über weite Strecken war es leider eine frustrierende Situation für uns alle. Auch für mich persönlich war es nicht optimal. Ich habe nicht die Dinge, die Zahl an Vorlagen und Toren erreichen können, die ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Das hat mich eine Zeit lang sehr nachdenklich gemacht.

In Japan und Korea ist es zum Beispiel auch sehr populär, jeder einzelnen Blutgruppe bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben. Aber ich muss zugeben: Ich glaube nur an das Gute
Shinji Kagawa

Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?
Es war wichtig, dass ich mich in der schweren Zeit besonders auf die Arbeit auf dem Platz konzentriere, dass ich aber genau so verstehe, die Zeit außerhalb des Platzes zu genießen. Es war wichtig, dass ich mich nicht aus der Bahn werfen lasse.

Waren die hohen Erwartungen nach Ihrer Rückkehr nach Dortmund eher belastend als beflügelnd?
Das ist möglich, aber es war eine natürliche Reaktion aller. Ich hatte zwei überragende Jahre in Dortmund, dann bin ich nach Manchester gewechselt und als ich zurückkam, haben alle - einschließlich ich selbst - die Erwartungen dort angeknüpft, wo die Geschichte zwischenzeitlich aufgehört hatte. Umso mehr war das vergangene Jahr eine wichtige Erfahrung für mich, dass es im Fußball nicht immer so läuft, wie man das erwartet.

Macht Sie die vergangene Saison vorsichtig, wenn Sie an die Ziele für die neue denken?
Nicht das Ziel ist entscheidend, sondern der Weg dorthin. Und der besteht aus Arbeit. Es widerstrebt mir jetzt zu versprechen, dass wir von Anfang an jedes Spiel gewinnen werden. Aber ich kann sagen: Ich freue mich auf die neue Saison. Sie ist mit dem neuen Trainer eine große Herausforderung und ein Neustart für uns. Wir Sportler lieben Herausforderungen und ich hoffe, dass wir ein wunderbares Ergebnis erreichen werden.

Welche Meinung haben Sie von Thomas Tuchel?
Unser Fußball mit ihm ist auf Ballbesitz ausgerichtet, das bringt mir sehr viel Spaß. Ich habe ein gutes Gefühl in den Einheiten und in den Spielen.

Kann Tuchel das Team besser machen?
Mit dem neuen Trainer wollen wir höhere Ebenen erreichen. Die Zielsetzung muss immer weit oben liegen, aber dazu müssen wir als Team eine Einheit sein. Ich habe aber das Gefühl, dass wir in der vergangenen Saison zusammengewachsen sind. Das war eine wichtige Zeit.

Wie waren Ihre Eindrücke von der Asienreise?
In Japan, Singapur und Malaysia haben uns richtig viele Fans besucht, das war grandios. Ich als japanischer Spieler war stolz, so einen Empfang mit dem BVB in meiner Heimat zu erleben.

Waren Sie über die Ausmaße überrascht?
Ich war schon einmal auf einer Asienreise, damals mit Manchester United. Mit dem BVB war es mindestens die gleiche Begeisterung. Das hat mich schon ein bisschen überrascht. Ich hoffe, dass Borussia Dortmund in meiner Heimat noch populärer wird.

Autor: Daniel Berg

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