Kaan Akkus hat wohl sieben seiner bislang interessantesten, gleichzeitig aber auch schockierendsten Tage als Fußballer hinter sich.

Kaan Akkus

Türkei-Probetraining als Kulturschock

Krystian Wozniak
17. Juli 2015, 13:36 Uhr
Foto: Tillmann

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Kaan Akkus hat wohl sieben seiner bislang interessantesten, gleichzeitig aber auch schockierendsten Tage als Fußballer hinter sich.

Der gebürtige Dortmunder, der nahezu alle Jugendmannschaften bei Rot-Weiss Essen durchlief, spielte in der Vergangenheit für den MSV Duisburg II und kam auf 50 Einsätze in der Oberliga Niederrhein. Die guten Leistungen des 21-jährigen Linksverteidigers weckten unter anderem das Interesse aus der Türkei. Die letzte Woche verbrachte [person=9212]Akkus[/person] im Probetraining bei Eyüpspor Istanbul. RS sprach mit dem Architekur-Studenten über die vergangene Trainingswoche.

Kaan Akkus, wie verlief Ihr Probetraining am Bosporus?
Ich muss ehrlich sagen, dass das interessant war. Ich habe immer viel Negatives gehört, wenn junge Deutsch-Türken in die Türkei gewechselt und enttäuscht zurück gekommen sind. Jetzt kann ich das alles nachempfinden.

Die Bälle sind schwarz, weiß, rot - mir kam das vor, als ob alles irgendwie zusammengeflickt wäre
Kaan Akkus

Was haben Sie denn in der Woche erlebt?
Als die Anfrage kam, musste ich nicht lange überlegen. Ich dachte mir, dass die zweite Liga etwas Gutes sei. Aber jetzt muss ich sagen, dass die zweite Spielklasse in der Türkei mit unserer Oberliga vergleichbar ist. Viel schlimmer waren aber die Bedingungen.

Was hat Sie denn so schockiert?
(lacht) Welche Bedingungen? Da herrscht das reinste Chaos. Das Gute für die Verantwortlichen vor Ort ist nur, dass sie nicht wissen, wie es eigentlich sein sollte, deshalb sehen sie das Chaos gar nicht. Wenn um 15 Uhr Training ist, tauchen die ersten kurz vor 16 Uhr auf und sitzen locker und lustig in der Kabine. Einheitliche Trainingsbekleidung ist auch ein Fremdwort. Die Bälle sind schwarz, weiß, rot - mir kam das vor, als ob alles irgendwie zusammengeflickt wäre. Es war aber eine Erfahrung mehr in meinem Leben.

Also werden Sie nicht in die Türkei wechseln?
Nein. Die Verantwortlichen haben sich bei meinem Berater gemeldet und wollten mich haben. Aber für uns kam dieses Geschäft nicht in Frage. Warum? Ganz einfach: aufgrund der Mentalität. Ich bin ein waschechter Westfale, der in Dortmund geboren ist und für den Begriffe wie Ordnung, Pünktlichkeit, Seriösität das A und O sind. Das habe ich in der Türkei nicht vorgefunden. Aber ich weiß zumindest jetzt aus eigener Erfahrung, wie der unterklassige, türkische Fußball tickt.

Wie geht es nun für Sie weiter?
Ich würde sehr gerne meine Fähigkeiten in der Regionalliga ausprobieren. Ein ambitionierter Oberligist wäre auch eine Alternative. Mal schauen, was sich in den nächsten Tagen und Wochen so ergibt.

Autor: Krystian Wozniak

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