Markus Petersen übernachtete vor der MSV-Arena um 174 Karten für das Pokalspiel gegen Schalke 04 zu ergattern - für den guten Zweck.

MSV Duisburg

Kampieren für den guten Zweck

Julia Schindler
15. Juli 2015, 18:36 Uhr
Foto: Nico Herbertz

Foto: Nico Herbertz

Markus Petersen übernachtete vor der MSV-Arena um 174 Karten für das Pokalspiel gegen Schalke 04 zu ergattern - für den guten Zweck.

Aus Spaß stellten zwei seiner Freunde Stühle vor den Eingang des MSV-Fanshops an der Arena.Als sich dann immer mehr Leute dazugesellten, merkte Markus Petersen dass aus Spaß Ernst wurde. Er sprach ein Machtwort: „Das ziehen wir jetzt durch.“ Es war 22 Uhr. In rund zwölf Stunden ging er los – der Vorverkauf für den Pokalkracher gegen den FC Schalke 04.

„Die Nacht des Anstehens war wirklich super. Es gab keine Miesepeter. Im Gegenteil, die Stimmung war sehr heiter“, schwärmt der Zebra-Fan. Die Zeit des Wartens in dieser schönen, warmen Sommernacht schlugen sich die MSV-Anhänger in einer gemütlichen Geselligkeit um die Ohren. „Wir haben gegrillt, Musik gehört und zusammen etwas getrunken. Alles wurde geteilt. Wir hatten sehr viel Spaß“, schildert Petersen die Stunden bis er die ersehnten Tickets endlich in den Händen hielt.

MSV-Fans aus Alicante und Hamburg

In dieser Nacht wurden Freundschaften geschlossen. Die weiteste Anreise hatte die Lebensgefährtin eines MSV-Fans aus Alicante. Sie harrte zusammen mit ihrem Liebsten die ganze Nacht vor der Arena aus. Genauso wie Christian Pirnath. Als er Petersen erzählte, dass seine Mittagsschicht um 14 Uhr beginne, dachte er sich nichts besonderes dabei. Solange bis Pirnath sagte, dass er in Hamburg lebt. „Wir haben wirklich tolle Leute kennengelernt“, denkt Petersen an die Begegnungen mit den Fans zurück. Per Facebook animierte er ganz Duisburg zu der kleinen Party dazuzustoßen.

Es dauerte nicht lange und aus der kleinen Menschentraube wurde eine Riesenschlange, die sich durch ganz Wedau schlängelte. Was für die neu dazugestoßenen Fans endlos langes Warten hieß, bedeutete für Petersen, dass das Warten ein Ende hat. Als der MSV-Fanshop die Türen öffnete, war er einer der Ersten, dessen Karten über die Theke gingen. Er kaufte Tickets für einen ganzen Block. 174 Sitzplätze sind der Lohn für eine Nacht im Freien. Im Vorfeld sammelte Petersen alle Dauerkarten seiner Fangemeinschaft ein. Jeder Dauerkarteninhaber konnte am ersten Tag des Verkaufs drei zusätzliche Tickets erhalten.

Hilfe für Heimkinder

Das nutzen die 31 Mitglieder der „Sektion KöPi-Hunters Block L“ aus. Bei Petersen gaben sie ihre Bestellungen für Freunde und Familie ab. Doch das hatte seinen Preis. Ein Preis, der für einen guten Zweck bestimmt war. „Die Eintrittskosten wurden aufgerundet. Statt 28 Euro haben wir 30 Euro verlangt, Kinder haben nur einen Euro mehr gezahlt“, erklärt der Kopf der KöPi-Hunters. Und so entstand aus kleinen Beträgen eine Summe von 384 Euro. Der Erlös geht an die Zebrakids, eine Hilfsorganisation für Heimkinder. Mit den Geldern finanziert der gemeinnützige Verein unter anderem Eintrittskarten und Fanartikel für Kinder, die im Heim aufwachsen.

Wir möchten sozialschwachen Kindern die Möglichkeit geben, den MSV lieben zu lernen
Markus Petersen

„Wir haben uns die Zebrakids ausgesucht, weil wir die sozialschwachen Kinder, die sonst nicht die Möglichkeit hätten, den MSV kennen und auch lieben zu lernen, sich aber sicherlich für die Sportart Fußball interessieren, unterstützen möchten“, betont Petersen und schiebt nach: „Dass die Spenden für Eintrittskarten und Fanartikel verwendet werden, befürworten wir. Unser Geld ist somit sinnvoll angelegt und bleibt unserem finanziell angeschlagenen Verein erhalten. Der MSV ist dankbar für jeden Euro.“ Für Petersen ist es die schönste Bestätigung, das Leuchten in den Augen der glücklichen Kinder zu sehen.

Sie werden dabei sein, wenn ihr Verein im Derby gegen den FC Schalke 04 um das Weiterkommen im DFB-Pokal kämpft. Genauso wie Markus Petersen. Auf dem Weg nach Hause traf er seine Tante, die in der langen Warteschlange ausharrte. Während sie noch rund 14 Stunden anstand, konnte Petersen zu Hause die Bettdecke aufschlagen. Doch an Schlafen war nicht zu denken. Die Aufregung auf das Spiel gegen den Reviernachbarn aus Gelsenkirchen war noch immer in seinen Knochen. Das Highlight der Saison hat für ihn schon begonnen – in der Nacht des langen Wartens.

Autor: Julia Schindler

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