Bochum

Ein Tag mit dem Greenkeeper des VfL

RS
14. Juli 2015, 15:33 Uhr
Foto: RS

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"Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt."

Rolf Rüssmanns legendäre Worte finden sich heutzutage in jeder Fußballsprüchesammlung. Worte, über die Fans lachen, die Greenkeeper aber mitten ins Herz treffen. In der Sommerpause und während die Spieler im Trainingslager schuften, hat der Rasen in den hiesigen Fußballstadien mal Ruhe vor tretenden Füßen. Für die Platzwarte der Vereine bedeutet das jedoch Höchstarbeit.

Lockern, Belüften, Mähen, Nachsäen: In der Fußball-freien Zeit kriegen die Spielflächen der Bundesliga-Vereine das komplette Wohlfühlprogramm. "Während die Spieler faul am Strand liegen", verrät Christoph Vorhoff, Leiter des Greenkeeping-Teams beim VfL Bochum 1848, "schwitzen wir auf dem Platz richtig." Ohne den Druck, den Rasen wöchentlich flicken zu müssen, könne man auch mal aufwendigere Arbeiten ausführen. Trainingslager für das Grün also, eine gesunde Grundlage für die anstrengende Saison.

Bei der DFL wird man solche Anstrengungen mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, denn das Geläuf in den Stadien ist schon längst nicht mehr nur Vereinssache: 2011 reagierte die Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Ligavorstand auf teilweise immer schlechter werdende Rasenverhältnisse – das Hamburger Stadtderby zwischen dem HSV und St. Pauli musste deswegen sogar abgesagt werden – und gründete die Expertenkommission Rasen. 2012 veröffentlichte diese Kommission das Arbeitsbuch für Greenkeeping, "Qualitätssicherung für Stadionrasen", das seither als Orientierungspunkt für die Platzwarte der Bundesliga-Vereine fungiert. Zielsetzung: optimale Platzverhältnisse garantieren, Wettbewerbsbeinträchtigung vermeiden, Verringerung des Verletzungsrisikos bei den Spielern.

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Erreicht wird das durch die vereinheitlichten Messverfahren zu den Zauberwörtern Narbendichte, Scherfestigkeit, Wasserdurchlässigkeit und Ebenflächigkeit des Platzes. Als Belohnung erschuf die DFL in der Saison 2013/14 die Auszeichnung "Pitch of the Year" für den Verein mit den grünsten Daumen.

Zweiter Sieger in der 2. Bundesliga war im letzten Jahr der VfL. "Natürlich freut man sich über diese Form der Anerkennung", gibt Christoph Vorhoff zu. "Aber unabhängig davon will man als Greenkeeper immer einen schönen Rasen präsentieren."

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Dafür schwingt sich Vorhoff in der prallen Sonne wieder auf seine Maschine. Zunächst für den Heimauftakt gegen den MSV Duisburg. Sollte der VfL irgendwann wieder international spielen, wartet auf den Greenkeper weitere Milimeterarbeit: 28mm sind dort das Gardemaß für die Grashalme. Immerhin eine Anforderung der UEFA zum Rasen wird sich wohl nicht so schnell ändern: "Seine Oberfläche muss grün sein."

Autor: RS

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