Der neue RWE-Coach Jan Siewert im großen Interview.

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Siewert will die Hafenstraße begeistern

Rolf Hantel/Ralf Wilhelm
03. Juli 2015, 11:51 Uhr
Foto: Ketzer

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Der neue RWE-Coach Jan Siewert im großen Interview.

Jan Siewert, Ihre ersten zwei Wochen sind rum, wie gefällt es Ihnen denn hier im Pott?
Was ich merke: Alle Menschen hier sind sehr herzlich miteinander, ich wurde hier mit offenen Armen empfangen. So bin ich auch: ein Mensch, der sehr offen ist. Wenn das der Ruhrpott ist, bin ich angekommen.

Und Ihre ersten Eindrücke nach den ersten Trainingstagen?
In der Vorbereitung sind die Grundlagen im Ausdauerbereich das Wichtigste, alle Spieler müssen auf eine Basis gebracht werden. Das läuft sehr, sehr positiv, die Gruppe zieht absolut mit, alle werfen alles in die Waagschale.

Gab es denn auch schon kritische Momente im Training, dass Sie lauter werden mussten?
Ehrlich gesagt, nein, die Jungs wissen, dass es ums Team geht. Obwohl es eine andere Situation ist, neue Spieler kamen hinzu, aber die alten haben sie gut empfangen. Der Trainer lebt ihnen vor, dass sich ein neues Mannschaftsgefüge entwickelt – so ergibt sich letztlich ein Team.

Wenn ich kompakt im Mittelfeld bin, dann habe ich schneller Zugriff aufs gegnerische Tor. Das wird das Stadion begeistern, denke ich
Jan Siewert

Nach dem engen Terminkalender am Sonntag: War das Spiel in Würzburg ein erster Charaktertest?
Charaktertest weiß ich nicht, aber die Jungs sind rausgegangen und haben ihr Bestes gegeben. Jeder hat da seine Situation angenommen, es waren durch die Spielerwechsel praktisch zwei erste Halbzeiten. In der ersten war etwas mehr Frische, in der zweiten, als Würzburg quasi seine Aufstiegself auf dem Platz hatte, wurde es schwieriger. Aber letztendlich sehe ich die Partie auf jeden Fall positiv.

Und das Spiel am Freitag gegen die Auf-Asche-Elf ist eher ein Jux?
Es gibt keine Juxspiele für mich. Es ist unser erstes Vorbereitungsspiel in Essen, und daher finde ich es besonders schade, dass ich am Freitag nicht dabei sein kann. Ich muss mich durch Stefan Lorenz vertreten lassen, da ich am Freitag meine langjährige Lebenspartnerin heirate.

Erklären Sie uns doch noch einmal genau, was die Fans vom Hafenstraßenfußball erwarten dürfen.
Eigentlich das, was in Würzburg schon überraschend gut funktioniert hat: Wir haben kaum Torchancen zugelassen. Wenn ich von Festung spreche, dann heißt das im Umkehrschluss: Wenn ich gut verteidige, habe ich ganz andere Möglichkeiten, anzugreifen. Wenn ich kompakt im Mittelfeld bin, dann habe ich schneller Zugriff aufs gegnerische Tor. Das wird das Stadion begeistern, denke ich.

Aber das will doch eigentlich jeder im modernen Fußball, oder?
Na ja, die Teams von Mourinho stehen immer sehr sehr tief, er liebt den größeren Raum, den er überbrücken kann. Aber das liegt auch an der Liga. Du kannst Barca nicht immer so hoch zustellen. Was ist Philosophie? Es ist ein Leitfaden, die Spieler brauchen auf dem Feld einen Anker, eine Antwort auf die Frage: Woran halte ich mich fest? Das ist unser Plan. Fußball ist Kommunikation, die Frage, was kann passieren? Dann hast du Lösungen. Dafür musst du nach vorne verteidigen.

Provokante Frage: Spieler sind manchmal wie ein Rudel Wölfe, sie suchen Schwächen bei ihrem Trainer. Sie haben weder große Erfahrung, noch waren Sie ein prominenter Spieler. Das Gegenbeispiel wäre Otto Rehhagel. Wie verschaffen Sie sich Autorität?
Ich finde die Frage nicht provokant, Sie haben ja Recht. Meine Antwort: Sei, wie du bist, authentisch. Dadurch ist Autorität da. Und Otto Rehhagel ist ja jemand, der Dinge, die ihm keiner zugetraut hat, vollbracht hat: Mit Lautern als Aufsteiger Meister, mit Griechenland Europameister. Klar, dass man so einen Mann besonders wertschätzt. Er hat unheimlich Erfahrung – ich bin erst am Anfang meiner Karriere.

Die Hafenstraße ist ein unruhiges Pflaster; was ist, wenn es nicht so läuft wie erhofft?
Ehrlich, ich beschäftige mich nicht damit. Die Leute haben hoffentlich verstanden, dass wir trotzdem weiter arbeiten würden. Wenn du alles gibst, erfährst du Wertschätzung, auch hier in Essen.

Aber Geduld ist nicht gerade die Stärke der RWE-Fans.
Deswegen ist es eine Chance für beide Seiten. Arbeit zahlt sich aus auf Dauer. Diese Ausschläge bringen uns nicht weiter, man sieht, es gibt Vereine, die jetzt wirklich kontinuierlich gearbeitet haben – und das zahlt sich aus.

Ist es eigentlich eine große Umstellung, vom Nachwuchsbereich hin zum Chef bei den „Profis“?
Im Seniorenbereich ist die Intensität der Übungen eine höhere, aber vom Ablauf her ist es eher ähnlich. Mit erwachsenen Menschen geht man anders um als mit jungen Menschen, da ist man gleich auf Augenhöhe.

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Autor: Rolf Hantel/Ralf Wilhelm

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