Die gute Nachricht kam um viertel vor sechs: Schalke hat einen neuen Trainer gefunden.

Kommentar

Kein Befreiungsschlag, aber eine Chance

12. Juni 2015, 22:02 Uhr
Foto: firo

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Die gute Nachricht kam um viertel vor sechs: Schalke hat einen neuen Trainer gefunden.

Nach einem in dieser Form noch nicht dagewesenen Tohuwabohu um Interessen, Kontakte, Gespräche, Wunschkandidaten und Absagen, dürfte auf Schalke jetzt etwas Ruhe einkehren. Für ein paar Stunden vielleicht. Denn aus vielerlei Gründen ist die Verpflichtung von André Breitenreiter kein Befreiungsschlag, der alle Schalker jetzt erstmal aufatmen lässt. Sie verkörpert eher den Realismus, der dem Verein nun gut zu Gesicht steht.

Denn zum einen verlief die Trainersuche so chaotisch, dass Manager Horst Heldt sein Standing kaum verbessern konnte. Eher im Gegenteil. Es passt ins Bild, dass sich im gleichen Moment der Bekanntgabe, auch schon Marc Wilmots zu Wort meldete und darüber beschwerte, wie der Verein mit ihm umgegangen sei. In anderen Vereinen jenseits der Regionalliga undenkbar. Selbst wenn Heldts "letzte Patrone" zünden sollte - die Art und Weise, wie er "geladen" und "geschossen" hat, hinterlässt also einen unangenehmen Beigeschmack.

"Kann Breitenreiter Schalke?"

Höchste Zeit wird es nun selbstredend, endlich die Personalplanungen voranzutreiben. Breitenreiter ist zu wünschen, dass er seine eigenen Ideen auch unter großem Zeitdruck noch in maximalem Umfang einbringen kann, um der Mannschaft die bitter nötige neue Handschrift zu verpassen. Für ihn selbst ist das Engagement natürlich eine hervorragende Chance, sich auf einer viel größeren Bühne beweisen zu können. Doch die Frage "Kann Breitenreiter Schalke?" ist von so vielen Dingen abhängig, die nicht nur auf dem Trainings- und Spielfeld entschieden werden.

Breitenreiter muss sich gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat behaupten. Das war bisher noch für jeden Trainer eine (zu) große Herausforderung, es wird für den 41-Jährigen nicht einfacher. Einen gewissen Kredit wird der Fußballlehrer bei den Fans hingegen schon haben. Ein sympathischer, bodenständiger Typ, der auch eine ordentliche Portion "emotionale Intelligenz" besitzt, passt nach dem Experiment mit Di Matteo jetzt besser als der nächste Startrainer, der sich womöglich sogar fragt, ob die etwas ramponierte Braut Schalke tatsächlich gut genug für ihn ist.

Ein bisschen Symbolik

Wunderdinge sind von Breitenreiter aber natürlich nicht zu erwarten. Das wissen die Verantwortlichen - und ein bisschen Symbolik liegt durchaus darin, wenn man einem wie ihm einen Zweijahresvertrag gibt. Dann will man nicht mehr Meister werden (so wie damals mit Magath) oder internationales Renommee verkörpern (so wie jüngst mit Di Matteo). Dann will man wohl tatsächlich nur ehrliche Arbeit und ehrlichen Fußball. Was immer das auch ist. Breitenreiter jedenfalls hat die Chance, allen zu zeigen, was er darunter versteht. Wenn ihm das überzeugend gelingt, dann ist der Richtige. Und deshalb steht in diesem Kommentar auch nicht ein Wort von Taktik oder Spielphilosophie. Von Punkten und Platzierungen erst recht nicht.

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