Preußischer Kleinwagen auf der Überholspur! So ähnlich stellt sich Frank Kontny, Coach des ETB Schwarz-Weiß Essen, den Verlauf der kommenden Spielzeit vor. So richtig Kohle kann der Mann nicht unbedingt unter das Volk auf dem Transfermarkt bringen. Zuletzt wurde Bezirksligastürmer Oliver Nözel nach Freigabe-Streitigkeiten mit TB Oberhausen klar gemacht. Der 20-jährige Valon Beka soll folgen.

ETB: Beka bis 2009 - Keine Schenkelklopferei

Nordrhein-Boliden gegen VW Polo

Oliver Gerulat
10. Juli 2007, 13:23 Uhr

Preußischer Kleinwagen auf der Überholspur! So ähnlich stellt sich Frank Kontny, Coach des ETB Schwarz-Weiß Essen, den Verlauf der kommenden Spielzeit vor. So richtig Kohle kann der Mann nicht unbedingt unter das Volk auf dem Transfermarkt bringen. Zuletzt wurde Bezirksligastürmer Oliver Nözel nach Freigabe-Streitigkeiten mit TB Oberhausen klar gemacht. Der 20-jährige Valon Beka soll folgen.

"Ein guter Junge", bescheinigt der Ex-Profi. Kontny muss ausgesucht sondieren. Wer passt aber auch haarklein in seine Truppe? Wer passt zeitgleich ins Etatgefüge? Alles Titanenarbeit. RS unterhielt sich mit dem Familienvater.

Frank Kontny, fallen wir doch einmal mit der Tür ins Haus: Valon Beka, deutscher Offensivmann mit albanischen Wurzeln, wurde bis 2009 geholt!

Das ist ein guter Junge, er hat was, man sieht, er hatte eine sehr gute Ausbildung in der B- und A-Jugend beim VfL Wolfsburg. Im letzten Jahr absolvierte er 31 Saisonspiele beim VfR Neumünster in der Oberliga Nord. Meine Ansage war, die Geschichte klar zu machen.
Bekas Eltern wohnen auf Sylt, ein Onkel in Ratingen...
Ich kann mir vorstellen, wenn er die Kollegen besser kennt, dass das richtig gut läuft, das ist ein ausbaufähiger offensiver Mittelfeldspieler mit Torgeschmack.
Kriegen Sie mit, was die Konkurrenz wie Bonn macht?

Unglaublich, der Ahlener Keeper geht zum BSC, eine echte Hausnummer. Wir brauchen uns nicht großartig unterhalten, den BSC muss man auf der Rechnung haben, wenn es um die Nordrhein-Spitze der anstehenden Saison geht. Das gilt auch für Velbert. Aleks Ristic stellt nicht seinen Namen zur Verfügung und spielt in Uerdingen mit Leuten aus der Kneipenmannschaft, das gilt auch für Arie van Lent in Kleve.
Manager "Otto" Zimmermann ist nach kurzer Dienstzeit beim 1.FC schon wieder weg, nicht unbedingt ein Zeichen für die identische Sprache.

Vielleicht haben ja einige Kandidaten in Oktober oder November schon kein Geld mehr, das könnte dann unsere Stärke sein. Man muss sich verstehen, unser Team ist intakt, das weiß ich. Die Qualität, die wir holten, ist auch richtig gut, gar kein Thema. Aber mit einigen Clubs, die richtig investieren, dürfen wir uns nicht vergleichen.

Auch das ETB-Umfeld ist gefragt, um für geäußerte Ambitionen die Basis zu schaffen.

Es gibt eine Saison, in der Spieler, Trainer, Funktionäre richtig durch die Luft fliegen werden, davon bin ich fest überzeugt.

Das kann ganz schnell gehen ...

Ich kann wirklich nicht sagen, diese Mannschaften steigen auf, die anderen gehen ab. In dieser Liga wird viel möglich sein. Man muss die Nerven behalten. Der erste, der ausrastet, wird in der einen oder anderen Form die Konsequenzen ziehen.

Gut, dass der Club nicht alles auf's Spiel setzt.
Der ETB wurde in den ganzen Jahren so geführt, dass er eine ständige Adresse in der Oberliga war, so was ist absolut fantastisch. Wenn in der anstehenden Saison ein Durchhänger auftritt, vielleicht nur Zwölfter wird, hätte man somit die Arschkarte gezogen und wird zwei Klassen tiefer durchgereicht.
Ein Horrorszenario!
Deswegen ist diese gesamte Dritte Liga und die Regionalliga eine Farce für mich. Ein Schlag gegen die Clubs, die jahrelang ehrlich gewirtschaftet haben und nicht in eine Spielzeit starten, um sich später vielleicht im Rahmen einer Insolvenz zu verabschieden. Der ETB beweist seit Jahren, wie es geht.
Wenn es klappt, ist das auch für Sie eine schicke Chance.

Natürlich, man sollte so was auch nutzen. Dafür werden wir alles abrufen, wir werden mitspielen. Wenn ich meine Jungs frage, dann höre ich, dass jeder den optimalen Erfolg haben will. Aber man muss die Kirche im Dorf lassen.
Wie gesagt, das Umfeld...

Träumer helfen uns nicht, die nach zwei, drei Matches sagen, das gibt sowieso nichts. Unser Vorstand formuliert es doch richtig: Wir wollen in die Regionalliga, aber nicht mit allen Mitteln. Mit einem VW Polo kann man kein Formel 1-Rennen gewinnen.
Schönes Bild!

Angehen werden wir das. Ein Formel 1-Bolide ist bekanntlich technisch anfällig, dazu könnte dann irgendwann der Sprit ausgehen, dann gehen die Nerven spazieren.

Und?

Dann ist plötzlich der Polo ganz weit vorne. Das ist unsere Möglichkeit. Gerechtigkeit gibt es nicht im Fußball, für Tradition kann man sich auch nichts kaufen. Schauen sie doch einmal in Richtung Mönchengladbach, die waren in den siebziger Jahren oft Deutscher Meister, sind aber jetzt in Liga zwei. Und? Niemand fragt wirklich danach! Die Ärmel müssen nach oben gekrempelt werden, den Platz müssen wir umgraben.
Sie haben ein paar Oldies wie Sascha Wolf und Markus Katriniok, die sich noch einmal richtig beweisen können. Dazu auch Youngster, die in die richtige Richtung geschickt werden müssen, oder?

Genau davon gehe ich auch aus.
Auf der anderen Seite...mit Geld kann sich doch jeder eine vermeintlich gute Truppe zusammenholen.

Nicht falsch. Wenn ich aus der Feinküche komme, dann kann ich mir jedes Stück Filet in der Pfanne braten und dann auf den Teller legen. Aber wir können auch mit viel Gemüse, Kartoffeln und Reis gut mitmischen.

Vier Tickets sind nach oben zu vergeben!

Ich bin kein Fantast, wir haben sieben Zweitvertretungen am Nordrhein. Man muss berücksichtigen, mit welchen Möglichkeiten die arbeiten können. Das muss den Leuten klar gemacht werden.

Auch intern, oder?

Sicher, wir hatten in der Mannschaft unter der Woche eine lange Besprechung. Ich habe den Jungs gesagt, bis zum letzten Spieltag hatten wir in der vergangenen Saison die Chance, Dritter zu werden. Das war super, aber wir müssen es abhaken, weil wir uns genau das wieder erarbeiten müssen. Dann wird man belohnt. Wichtig ist Ordnung und Disziplin, einige waren überrascht, wie deutlich ich wurde. Die Älteren haben mich später bestätigt. Wir können nicht erst den Spaß in den Vordergrund stellen und uns auf die Schenkel klopfen.

Autor: Oliver Gerulat

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