Horst Heldt will den neuen Schalke-Spielern vorschreiben, dass sie im Umkreis von 30 Kilometern des Vereinsgeländes zu wohnen haben.

Kommentar

Identifikation ist keine Frage der Entfernung

29. Mai 2015, 14:10 Uhr
Foto: firo

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Horst Heldt will den neuen Schalke-Spielern vorschreiben, dass sie im Umkreis von 30 Kilometern des Vereinsgeländes zu wohnen haben.

Identifikation ist aber keine Frage der Entfernung - zumindest nicht der geografischen. [b]Ein Kommentar.[/b]

Im Ranking der lebenswertesten Städte belegt Gelsenkirchen bestimmt keinen der vorderen Plätze. Buer ist ja noch ganz schnuckelig, aber "downtown"... Diesen ganz speziellen Charme muss man schon mögen. Frei nach Frank Goosens "Woanders ist auch scheiße", ist es aber durchaus möglich, irgendwo zwischen Lippe und Ruhr glücklich zu werden.

Wer es sich leisten kann und nach Düsseldorf zieht, der lebt tatsächlich in einer anderen Welt. Denn die Landeshauptstadt darf sich sogar als "Weltstadt" bezeichnen, wenn man bestimmte Indikatoren heranzieht. In der aktuellen Debatte ist Düsseldorf somit schon zum Synonym für Schalkes Probleme geworden. Stichwort "Wohlfühloase" oder "Protzprofis". Nach dem Motto: "Wie sollen Sie denn wissen, was 'Maloche' ist, wenn sie nie am Schalker Markt gewesen sind?" Oder noch besser: unter Tage.

Mitnichten hält mit einer 30-Kilometer-Vorschrift auf Schalke bei der Mannschaft aber nun mit einem Mal wieder Identifikation, Charakter und Leidenschaft Einzug. Bei diesem Gedanken beißt sich die Katze gleich mehrfach in den Schwanz. Benedikt Höwedes, Kapitän, S04-Urgestein und sowas wie der Gegenentwurf zu den Boatengs dieser Welt, wohnt wo? In Düsseldorf! Trotzdem hat er sich noch mit am meisten reingehauen. Schneller oder filigraner würde Benny auch nicht, wenn er nun nach Bismarck zöge. Oder Emile Mpenza. Der ist früher mit seinem Ferrari sogar die 250 Kilometer aus Belgien zum Training hin und zurück gebrettert! Es hat sich keiner dran gestört, weil er seine Leistung brachte. Und wo wohnt der Chef vom Ganzen? Richtig, in Rheda-Wiedenbrück!

Kluft zwischen Schalkes Image und der Realität der Profis

Die Zeiten von Szepan und Kuzorra, als die Spieler tatsächlich im Schatten der Zeche Consol lebten (und arbeiteten), sind schon lange vorbei. Daran wird Horst Heldt nichts ändern. Nach unserem Kenntnisstand hat Schalkes Sportvorstand sich ja auch keine Eigentumswohnung an der Grenzstraße gekauft. Bisher ist aber auch niemand auf die Idee gekommen, seine Arbeit als Manager danach zu beurteilen. So riecht sein neuester Vorstoß wieder etwas nach Populismus.

Weil Schalke seine Tradition und Verwurzelung mit der Stadt aber immer im besonderen Maße heraufbeschwört, ist vielmehr eine Kluft entstanden: Zwischen dem Image als Kumpel- und Malocherklub einerseits und der Realität, in der die Profis (auch Heldt!) leben, andererseits.

Ich bin auf Kohle geboren und mit Emscherwasser getauft
Norbert Elgert

Dabei stammen ein paar der Jungs, vor allem die stattliche Fraktion aus der Knappenschmiede, ja aus der direkten Nachbarschaft. Ihr sozialer Aufstieg geht dann aber nunmal nicht spurlos an ihnen vorüber. Ihnen ab und an mal einzuimpfen, aus welcher Stadt und aus welchem Milieu ihre Fans kommen, würde aber nicht schaden, schließlich bezahlen diese am Ende ihre dicke Karre und die schicke Wohnung in Oberkassel. Das tun sie eigentlich auch gern, solange die Leistung stimmt.

Als Gelsenkirchen-Experte oder Schalke-Erklärer sollte sich Heldt schließlich aber nicht aufspielen. Da gibt es glaubwürdigere. "Ich bin auf Kohle geboren und mit Emscherwasser getauft", hat Norbert Elgert mal gesagt und der ist weiß Gott nicht als Sprücheklopfer bekannt. Vielleicht kann der das königsblaue Lebensgefühl besser vermitteln.

Zum Schluss gibt es natürlich durchaus einige Argumente für einen Wohnsitz in Sichtweite der Arena. Niedrige Mieten, nette Menschen und der kurze Weg zur Arbeit, der auch noch Zeit und Sprit spart.

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