Nur einen Steinwurf vom Stadion entfernt stieg eine skurrile

SC Paderborn

Fans feiern trotz Abstieg

dpa
24. Mai 2015, 10:52 Uhr
Foto: firo

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Nur einen Steinwurf vom Stadion entfernt stieg eine skurrile "Abstiegsparty".

Hunderte Fans des SC Paderborn stimmten sich bei Bier und Bratwurst trotzig auf künftige Ostwestfalen-Derbys gegen Arminia Bielefeld in der 2. Liga ein. "Das ist Wahnsinn. Da wird ein Absteiger gefeiert. Das hat man auch nicht alle Tage", sagte Paderborn-Profi Mario Vrancic nach dem bitteren 1:2 im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart zur Gänsehautstimmung in der Benteler-Arena.

Für alle Protagonisten des "größten Außenseiters der Bundesliga-Geschichte" war das Verhalten der Anhänger ein Trost und Mutmacher. Schweren Herzens, aber erhobenen Hauptes zog Paderborn am Samstag einen Schlussstrich unter das Lehrjahr in der Fußball-Eliteliga. "Wenn man sieht, wie das ganze Stadion uns feiert, tut es noch mehr weh. Man kann nur stolz sein auf diese Truppe. Was in dieser Mannschaft an Mentalität und Herz steckt, sucht in der Bundesliga seinesgleichen", bilanzierte Kapitän Uwe Hünemeier.

Gleichwohl endete die Spielzeit für den Club mit dem kleinsten Erstliga-Etat so wie es zahlreiche Experten prophezeit hatten: auf Platz 18. Für Hünemeier dennoch kein Grund, sich zu grämen. "Was wir geleistet haben, können viele nicht einschätzen. Mit den Möglichkeiten haben wir fast das Maximale rausgeholt."

Beinahe hätten die Ostwestfalen den Abstieg im Saisonfinale noch abgewendet. Kleinigkeiten, zuweilen auch das fehlende Quäntchen Glück in einigen Spielen und Situationen gaben letztlich den Ausschlag, dass die "Mission Impossible" nicht ins Happy-End mündete. Nur sieben Saisonsiege, davon vier in der Benteler-Arena, 31 Punkte bei einem Torverhältnis von 31:65 reichten in der wechselvollen Spielzeit nicht zum Verbleib im Oberhaus.

Paderborn erwies sich als fairer Verlierer. Stuttgart habe eine brutale Qualität in der Offensive, bekannte SC-Coach André Breitenreiter, der seinem Kollegen Huub Stevens nach Toren von Marc Vucinovic (4.) sowie den Stuttgartern Daniel Didavi (36.) und Daniel Ginczek (72.) aufrichtig zur Rettung gratulierte. "Filip Kostic war der mit Abstand beste Spieler, der diese Saison hier aufgelaufen ist", betonte Paderborns Trainer.

Sicher hat Breitenreiter auch nicht unrecht mit seinem Fazit: "Man sieht im Endeffekt, wer absteigt. Geld schießt doch Tore. Das ist hiermit bestätigt." Die Substanz von großen Vereinen setze sich "über 34 Spieltage durch. Das ist so. Freiburg und Paderborn gehen runter."

Es gab keinerlei Vorwürfe an seine Spieler, die auch gegen den VfB nochmal alles probierten, trotz Nervosität Kampf und Leidenschaft in die Waagschale warfen, auch wenn es nicht ganz reichte. "Was die Spiele geleistet haben, ist außergewöhnlich", meinte Breitenreiter. "Schade, dass wir uns nicht mit einem Sieg verabschieden konnten."

Anders als das gallische Dorf in den Asterix-Comics, das sich der römischen Übermacht stets erfolgreich widersetzt, muss sich der ostwestfälische Underdog den finanzkräftigen Rivalen beugen. Das heißt aber nicht, dass Paderborn es nicht nochmal versucht: "Wir haben für unsere Möglichkeiten eine sehr gute Saison gespielt. Wir werden auf jeden Fall wieder aufstehen", kündigte Michael Born an. Der Geschäftsführer Sport geht mit dem Thema direkter Wiederaufstieg defensiv um. "Um Ziele für die neue Saison auszusprechen, muss man warten, bis der Kader steht und wie es mit dem Fernsehgeld werden wird. Außerdem gibt es im nächsten Zweitliga-Jahr mindestens zehn Mannschaften, die entsprechende Ambitionen haben."

Dass Paderborn personell auseinanderbricht, ist nicht zu erwarten. Erste Aufgabe dürften Gespräche mit Breitenreiter sein, dessen Vertrag 2016 ausläuft. Bei aller Trauer dachte Vrancic positiv: "Wir müssen so viele Spieler wie möglich halten. Der Verein ist noch nicht am Ende seiner super Entwicklung." Und Hünemeier versprach: "Wir werden uns alle einmal schütteln und nächstes Jahr wieder angreifen."

Autor: dpa

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