Die Rettermission von Fünf-Spiele-Coach Michael Frontzeck ist geglückt, der sportliche Neuanfang bei Hannover 96 steht indes erst bevor.

Nach Klassenverbleib

Viele Fragen in Hannover noch offen

dpa
24. Mai 2015, 09:39 Uhr
Foto: firo

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Die Rettermission von Fünf-Spiele-Coach Michael Frontzeck ist geglückt, der sportliche Neuanfang bei Hannover 96 steht indes erst bevor.

Viele Fragen sind nach dem Klassenverbleib offen, Clubchef Martin Kind muss wichtige Entscheidungen treffen.

Bleibt Retter Michael Frontzeck Trainer?

Möglich ist dies, die Indizien sprechen aber eher für einen Neuanfang mit einem anderen Coach. Frontzeck wurde für nur fünf Spiele mit dem Auftrag Klassenverbleib geholt. Die Mission gelang, das Lob von Kind am Samstag fiel allerdings eher pflichtgemäß aus. Eine klare Aussage vermied der 96-Boss fast schon hartnäckig, stattdessen gab es nach dem 2:1 gegen Absteiger Freiburg viel Blabla. «Er ist Ansprechpartner Nummer eins. Dabei bleibt es. Ich persönlich habe klare Vorstellungen. Er hat sicher Ideen. Wir werden das besprechen und dann entscheiden», meinte Kind und sagte damit recht wenig.

Auch Frontzeck klang erstaunlich abgeklärt. «Jetzt lassen wir die Euphorie mal etwas sacken. Dann werden wir uns sicher auf eine Tasse Kaffee treffen und die Sachen besprechen», meinte der 51-Jährige. Kein Wort darüber, ob er gerne weitermachen würde. Auch die Tatsache, dass das Team sofort in den Urlaub ging, lässt erahnen, dass ein anderer Coach den Neuaufbau versuchen soll.

Wer käme als 96-Coach infrage, falls Frontzeck geht?

Als eine Art Dauer-Kandidat schon seit Monaten gilt der Hannoveraner André Breitenreiter, der mit dem SC Paderborn abstieg. Immerhin kommentierte Kind dessen Namen. "Soweit ich weiß, hat er einen Vertrag bis 2016", sagte der Unternehmer. Ob Breitenreiter tatsächlich in Paderborn bleibt, ist aber noch nicht klar. Zuletzt gab es zudem eher wilde Gerüchte über eine Rückkehr von Mirko Slomka oder ein Engagement des früheren Hamburger-SV-Coach Thorsten Fink.

Wann soll eine Entscheidung fallen?

"Diese Entscheidung wird die erste sein", kündigte Kind an. Das muss auch so sein, denn davon hängt die Kaderplanung ab, die auch wegen des bevorstehenden Aus von Sportdirektor Dirk Dufner auf Eis lag.

Was wird aus Sportdirektor Dufner?

Der 47-Jährige hat offenbar keine Zukunft mehr. "Die Analyse muss durchgeführt werden - kritisch, konstruktiv", sagte Kind über die Arbeit Dufners, der noch einen Vertrag bis 2016 hat. Laut Medienberichten ist das Aus Dufners allerdings beschlossene Sache. Dem früheren Freiburger wird unter anderem eine verfehlte Transferpolitik zur Last gelegt. Hannover gab vor der Saison so viel Geld für neue Spieler aus wie noch nie, rund elf Millionen Euro. Es waren zumeist Fehlinvestitionen. Der vermeintliche Star-Stürmer Joselu spielte bei der Rettung unter Frontzeck keine Rolle mehr.

Wird der Neuanfang gelingen?

"Wenn wir gute Entscheidungen treffen, bin ich überzeugt, dass wir uns auch wieder weiter entwickeln können", meinte Kind. Realistisch betrachtet wird es aber ganz schwer. Neben dem Neuanfang im sportlichen Bereich muss auch mindestens ein neuer Führungsspieler her. In Kapitän Lars Stindl verlässt nicht nur ein Leistungsträger, sondern auch ein Publikumsliebling den Club in Richtung Gladbach. "Der tut deutlich weh. Er ist ein Führungsspieler, er ist ein Sympathieträger. Er kann eine Mannschaft mitnehmen. Das ist für uns schon ein deutlicher Verlust", meinte Kind.

Welche Baustellen gibt es sonst noch?

Viel hängt auch davon ab, ob die Unterstützung der Fans von Dauer ist. Erst in der Schlussphase der Saison, als die Bedrohung Abstieg akut wurde, kamen die Ultras wieder ins Stadion. Erst dann wurde die Stimmung wieder gut. Aus Protest gegen die Clubführung von Kind war die Gruppierung lange Zeit den Bundesligaspielen ferngeblieben, was eine seltsame Anti-Stimmung zur Folge hatte. Das tat der Mannschaft nicht gut und trug zur Verunsicherung bei. Entscheidend wird sein, ob es bei der Unterstützung bleibt. «Die Mannschaft hat sich das verdient», meinte der scheidende 96-Kapitän Stindl.

Autor: dpa

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