Dank einer Fusion dreier Vereine soll in Mülheim an der Ruhr ein neuer Großverein entstehen. Im Vorfeld gibt es jedoch reichlich Theater zwischen den handelnden Personen.

Theater in Mülheim

Mannschaft und Trainer suchen neuen Verein

Martin Herms
15. Mai 2015, 20:43 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

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Dank einer Fusion dreier Vereine soll in Mülheim an der Ruhr ein neuer Großverein entstehen. Im Vorfeld gibt es jedoch reichlich Theater zwischen den handelnden Personen.

Der Turnberbund Heißen, der Rasensportverein Mülheim und der Holthausener Turnverein sollen künftig unter dem Namen SV Heißen an den Start gehen. Nach dem Zusammenschluss, der am 28. Mai durch eine Abstimmung der rund 1200 Mitglieder aller drei Vereine besiegelt werden soll, wird der Klub an der neuen Bezirkssportanlage an der Hardenbergstraße sein Zuhause haben. Bereits am 08. Januar wurde ein kommissarischer Vorstand gegründet, der im Vorfeld die Weichen stellen sollte.

Klärungsbedarf gab es bei der Besetzung der sportlichen Führungspositionen. Als Trainer der neuen ersten Mannschaft wurde vor zwei Wochen mit Oliver Wronski eine externe Lösung vorgestellt. Diese Entscheidung ist vor allem für Slavko Franjic, den Coach des TB Heißen, ein Schlag ins Gesicht. Schließlich ist der Turnerbund unter seiner Leitung sportlich die Nummer eins. Trotz einiger Startschwierigkeiten zu Beginn der Saison hat sich Heißen in der Spitzengruppe der Kreisliga A etabliert. Der RSV Mülheim fristet hingegen ein Dasein im Tabellenkeller, während der Holthausener TV in der Kreisliga B spielt. Am Dienstag soll Franjic von den Verantwortlichen darüber unterrichtet worden sein, dass der Fusionsklub nicht mehr mit ihm plane. Auch Henrik Knöpke, langjähriger Sportlicher Leiter, kann sich nach einem anderen Verein umschauen. Welche Rolle dabei die Verwicklung Franjics in den Skandal des vergangenen Sommers spielt, ist unklar. Der gebürtige Kroate wurde wegen versuchter Spielmanipulation für ein halbes Jahr gesperrt und darf erst seit dem 07. März wieder an der Seitenlinie stehen.

RevierSport sprach mit Franjic über seine Ausbootung beim SV Heißen und die Zukunft von Mannschaft und Trainer.

Slavko Franjic, warum hat man Sie in Heißen vor die Tür gesetzt?
Das ist eine persönliche Geschichte und einzig und allein in der Rivalität zwischen TB Heißen und RSV Mülheim begründet. Das hat man mir auch so zu verstehen gegeben. Ein Vertreter des RSV, der Mitglied des neuen kommissarischen Vorstandes ist, hat mir ins Gesicht gesagt, dass der TB Heißen ein 'scheiß Verein' ist. Über mich wurden in der letzten Zeit sehr viele Unwahrheiten verbreitet. Man warf mir vor, dass ich nicht auf die Jugend setzen und mich finanziell bereichern würde. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich Gelder eher mitbringe. In meiner gesamten Zeit als Trainer beim Turnerbund habe ich vielleicht zwei oder drei monatliche Aufwandsentschädigungen eingesteckt. Aus diesem Grund ist das für mich doppelt bitter, da ich sehr viel in diese Aufgabe investiert habe und eine Menge vorhatte.

Wir sind sportlich die Nummer eins von drei Teams, werden aber nur beschossen und abgelehnt
Slavko Franjic

Können Sie das genauer erläutern?
Als ich den Turnerbund vor zwei Jahren übernommen habe, stand der Verein kurz vor dem Aus. Ich habe den Klub hochgezogen und war stets ein Befürworter der Fusion. Wir sind aufgestiegen und spielen auch in diesem Jahr eine gute Rolle in der Kreisliga A. Bei den Hallenstadtmeisterschaften haben wir den zweiten und dritten Rang belegt. Viel entscheidender ist aus meiner Sicht die Tatsache, dass sich diese Mannschaft selbst finanziert hat. Wir besitzen einen eigenen Sponsorenpool. Zur neuen Saison hatte ich etwa einen namhaften Sportausstatter zur Hand, der dem Verein ein riesen Angebot gemacht hätte. Das war schon Oberliga-reif. Dieser hat sich nun aufgrund meiner persönlichen Situation zurückgezogen. Der kommissarische Vorstand hat mir in einem Gespräch vorgeworfen, die Mannschaft sei zu teuer. Das ist aber, wie bereits erläutert, völliger Blödsinn. Ich kann das Verhalten der Verantwortlichen nur als amateurhaft bezeichnen. Bis heute existiert kein einziges Konzept, die Planzahlen liegen noch überhaupt nicht auf dem Tisch. Ich war der einzige, der ein Konzept vorgelegt hatte. Aber ich muss nun gehen. Genau wie die Mannschaft des Turnerbundes, mit der bis heute noch niemand gesprochen hat. Wir sind sportlich die Nummer eins von drei Teams, werden aber nur beschossen und abgelehnt. Es ist ferner eine große Frechheit, dass man mich erst Mitte Mai über meine Nichtberücksichtigung informiert hat.

In den kommissarischen Vorstand des Fusionsklubs wurden auch Vertreter des Turnerbundes gewählt. Wie kann es sein, dass die Entscheidung gegen Ihre Person so eindeutig getroffen wurde?
Das ist für mich persönlich die allergrößte Enttäuschung. Zu Beginn des Jahres hat man mir gesagt, dass ich der Trainer des neuen Klubs sein werde. Nun wurde ich vor die Tür gesetzt und der eigene Verein hat es stillschweigend hingenommen. Offenbar will man seine eigenen Schäfchen ins Trockene bringen. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Glauben Sie, dass Ihre Verurteilung wegen versuchter Spiel-Manipulation etwas damit zu tun hatte?
Ich wurde damals verurteilt und habe meine Strafe abgesessen. Nun werde ich von einigen Leuten beurteilt, die mich überhaupt nicht kennen. An meiner Person wurde im letzten Sommer ein Exempel statuiert. Dass im Amateurbereich bei Auf- und Abstiegen getüngelt wird, ist gang und gäbe. Das ist schon seit 50 Jahren der Fall und fast jeder macht es. Ich wurde dafür bestraft, das habe ich so hingenommen und musste damit leben.

Wie geht es nun für Sie und die Mannschaft des Turnerbundes weiter?
Das Kapitel Heißen ist für mich und die Mannschaft vorbei. Wir werden geschlossen einen neuen Verein suchen. Das hat mir die Truppe bereits signalisiert. Wir wollen unbedingt zusammenbleiben und sind für alles aus dem Raum Essen, Oberhausen oder Mülheim offen. Die Truppe hat viel Potential. Einige Gespräche haben wir schon geführt.

Lesen Sie auf Seite 2: Norbert Zmorek, erster Vorsitzender des Hauptvorstandes des SV Heißen, bezieht Stellung zu den Vorwürfen.

Autor: Martin Herms

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