Nein, Langeweile hat Peter Neururer wirklich nicht. Am heutigen Donnerstag reist der Fußballlehrer mit seiner Familie nach Catania in Italien, wo er bei der Hochzeit seines ehemaligen Bochumer Spielers Peter Madsen zu Gast ist. Ab dem 1. Juli weilt er dann wieder für knapp eine Woche auf Mallorca, ist einer der prominenten Trainer in Rudi Völlers Fußballschule in Cala Millor. Keine zwei Wochen ist es her, als er mit ein paar guten Kumpels auf einer Harley Davidson durch Michigan/USA düste. Und gerade zurück im Revier, schob er mit seiner Frau ein paar Tage auf Mallorca ein.

Peter Neururer im großen RevierSport-Interview

"All das, was ich gesagt habe, würde ich jederzeit wiederholen. Dazu stehe ich!"

21. Juni 2007, 15:49 Uhr

Nein, Langeweile hat Peter Neururer wirklich nicht. Am heutigen Donnerstag reist der Fußballlehrer mit seiner Familie nach Catania in Italien, wo er bei der Hochzeit seines ehemaligen Bochumer Spielers Peter Madsen zu Gast ist. Ab dem 1. Juli weilt er dann wieder für knapp eine Woche auf Mallorca, ist einer der prominenten Trainer in Rudi Völlers Fußballschule in Cala Millor. Keine zwei Wochen ist es her, als er mit ein paar guten Kumpels auf einer Harley Davidson durch Michigan/USA düste. Und gerade zurück im Revier, schob er mit seiner Frau ein paar Tage auf Mallorca ein.

Dort eigentlich auf Erholung aus, platzte daheim die Bombe. Neururers Aussagen über Doping im deutschen Fußball lösten eine beispiellose Diskussion über ein Thema aus, das man fern ab vom Lieblingskind der Deutschen beim Radsport wähnte. Er selbst hatte zunächst in seinem Urlaubsdomizil gar nichts davon mitgekriegt. Als ihn ab Mittwoch, Donnerstag vergangener Woche ein paar Dutzend Journalisten und noch viel mehr ehemalige Spieler und Kollegen anrufen wollten, ahnte er, was passiert war und schaltete erst einmal sein Handy aus.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/001/783-1806_preview.jpeg Muss sich bei der Diskussion, die er ausgelöst hat, öfters an die Nase fassen: Peter Neururer (Foto: firo)[/imgbox]

Freitag war es wieder an und er zurück in Gelsenkirchen. Dass nicht alle Leute mit dem Finger auf ihn zeigten, war die einzige Schmach, die ihm nach der Geschichte erspart blieb, im bildlichen Sinne taten es aber doch die meisten. Für viele (ehemalige) Kicker und Berufskollegen ist er ein Nestbeschmutzer, dessen ohnehin nicht klinisch reiner Ruf nun vollends im Dreck versackt scheint.

Beim Gespräch mit RevierSport im sauberen Ambiente des Golf-Clubs Haus Leythe in Resse, wo er gerne mit dem "Schalker Golf-Kreis" um den Vorsitzenden Helmut Kremers und "Vize" Klaus Fischer aufs Grün geht, erklärt Neururer, wie es zu der Geschichte über Doping im Fußball kam und einige andere Dinge, über die er sich ganz schön wundert.

Herr Neururer, es ist nun eine Woche her, seit Sie Fußball-Deutschland mit Ihren angeblichen Aussagen über Doping im Fußball in Atem gehalten haben. Nun fordert der DFB Sie zu einer Stellungnahme auf, in der Sie Namen nennen sollen. Ist das inzwischen passiert?

Nein, das werde ich auch nicht tun. All das, was ich gesagt habe, würde ich jederzeit wiederholen. Dazu stehe ich. Es ist aber ein riesengroßer Unterschied, ob ich aufgezeigt hätte: Neururer möchte sich mal melden, schließlich hat man drei Wochen lang nichts von mir gehört oder mich jemand anruft und konkret auf einen Spieler anspricht und eine Aussage von mir dazu hören will. Das Gleiche habe ich am Montag auch dem DFB mitgeteilt. Ich bin doch nur ein kleiner Fußballtrainer, der sagt etwas, noch nicht einmal etwas Konkretes und über eine Sache, die 20 Jahre her ist, aber plötzlich schreit ganz Deutschland auf.

Haben Sie in den zurückliegenden Tagen nicht erwogen, Klage gegen die betreffende Zeitung oder den Verlag zu erheben?

Nein, die Aussagen sind inhaltlich schon richtig wiedergegeben worden, aber es war nur die falsche Zeit wiedergegeben worden. Das kam in der Sport Bild einfach scheiße rüber, obwohl das in der aktuellen Ausgabe teilweise korrigiert und korrekt wiedergegeben wurde.

Wie ist es denn überhaupt zu der Geschichte gekommen?

Ich erzähle Ihnen jetzt mal, wie das genau abgelaufen ist. Ich habe einen Anruf von einem Journalisten bekommen, der gesagt hat: Jens Lehmann hat das und das gesagt. Ich habe geantwortet, ich weiß nichts davon. Der Journalist sagte: Lehmann war doch damals ihr Spieler. Ich habe erwidert: Wenn es die Zeit gewesen sein soll zur Anfangsphase seiner Profikarriere, dann war er auf Schalke unter anderem mein Spieler. Ich habe ihn damals zur Nummer eins gemacht, vorher saß er auf der Bank. Schon möglich, dass er da etwas mitgekriegt habe, von dem ich nichts weiß. Wenn Jens dies geäußert hat, wird er seinen Grund dafür gehabt haben, den ich aber nicht kenne.

[imgbox-left]http://www.reviersport.de/include/images/imagedb/preview_392-396.jpeg Andreas Müller sprach erst von einer "Sauerei", hat sich aber inzwischen mit Peter Neururer ausgesprochen (Foto: firo)[/imgbox]

Wie war die Reaktion bei den Leuten, die sich von Ihren Ausführungen angesprochen gefühlt haben müssten – oder auch nicht. Schalkes Manager Andreas Müller hat zum Beispiel von einer ‘Riesen-Sauerei‘ gesprochen!

Ich habe mit Andy telefoniert und ihm gesagt, wie diese Geschichte zustande kam. Darüber hinaus haben mich viele Spieler und Kollegen angerufen und mir Recht gegeben, aber auch gesagt: Aber Namen nennst du doch nicht, oder? Das mache ich natürlich nicht, denn noch einmal: Es ist 20 Jahre her und es interessiert doch keinen mehr. Ich habe mich am Dienstag mündlich mit dem DFB auseinandergesetzt und das Ganze noch einmal in schriftlicher Form dargelegt. Dieser Brief liegt jetzt beim DFB vor.

In dem Artikel ist zu lesen, dass bei Schalke die Einnahme von Captagon gang und gebe gewesen sein soll. Zwei Tage später haben Sie in einem Fernseh-Interview diese Darstellung revidiert und klargestellt, Ihre Aussagen hatten sich auf Ihre Zeiten bei Rot-Weiss Essen und Alemannia Aachen bezogen. Was denn nun?

Ich kann eindeutig sagen, dass ich während meiner Zeit bei Schalke 04 nichts davon festgestellt habe. Ich habe in dem besagten Interview und auch in meiner Stellungnahme gegenüber dem DFB die Begründung dafür mitgeliefert: In Schalke war ich von 1989 bis 1990 Trainer. Ich habe mich aber auf die Zeit davor bezogen, sonst wäre es auch nicht 20 Jahre, sondern nur 17, 18 Jahre her gewesen. Danach gab es kein Doping im Fußball, die Dopingliste ist erweitert worden und die Kontrollen waren viel strenger. Doch davor war die Einnahme von Captagon, ob früher zu meiner aktiven Zeit in der Oberliga und meinen ersten Jahren als Trainer, durchaus Gang und Gebe. Es war so, dass Spieler Captagon genommen haben und auch andere Mittel wie Nasenspray, obwohl es dafür keine medizinische Indikation gegeben hat. Kaum einer hat sich richtig bewusst gemacht, was er sich da antut. Da lag neben den Mineralgetränken und den Vitaminpillen eben auch Captagon.

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