Mit dem sofortigen Rückzug aus der Bezirksliga Gruppe 5 hat der FC Kettwig 08 am Sonntagabend die Bombe platzen lassen. Die Entscheidung löste reichlich Empörung aus.

FC Kettwig 08

Harsche Kritik von allen Seiten

Martin Herms
08. Dezember 2014, 17:39 Uhr

Mit dem sofortigen Rückzug aus der Bezirksliga Gruppe 5 hat der FC Kettwig 08 am Sonntagabend die Bombe platzen lassen. Die Entscheidung löste reichlich Empörung aus.

Mit großen Ambitionen trat der neugegründete FC Kettwig 08 im Sommer 2008 an. Nur ein Jahr nach dem finanziellen Aus des Verbandsligisten FSV Kettwig wurde der Versuch unternommen, an die einst glorreichen Zeiten der Ruhrstädter anzuknüpfen. Mit einigen Altbekannten aus FSV-Zeiten wie Georg Brügging, Lothar Gilgen oder Günter Hanel, der vor dem Zwangsabstieg im Jahr 2007 mit seiner Opposition auf einer Mitgliederversammlung den Kürzeren zog, sollte bei den 08ern eine neue Ära eingeläutet werden. In den ersten Jahren sorgten die Blau-Roten unter Spielertrainer Markus Dymala tatsächlich für Furore. Innerhalb von drei Jahren gelang der Durchmarsch in die Bezirksliga, in der sich der Verein bis zuletzt etabliert hatte.

Die Probleme der 08er: Platz, Sponsoren, fehlende Jugend

Die Kehrseite der Medaille ist jedoch die Tatsache, dass der sportliche Erfolg vor allem durch teuer erkaufte Transfers ermöglicht wurde. Das Spielermaterial in der näheren Umgebung war alles andere als üppig, einen Unterbau konnte der Verein nie auf die Beine stellen. Alles hing vom sportlichen Erfolg der ersten Mannschaft ab. Nur durch satte Finanzspritzen einiger weniger Sponsoren konnte dieser in den vergangenen sechs Jahren gewährleistet werden.

Da die notwendige Kohle seit einigen Monaten nicht mehr vorhanden ist, gehen beim FC Kettwig 08 nun die Lichter aus. Die unvorteilhafte Platzsituation als Gast an der Ruhrtalstraße sowie die fehlende Breite im Sponsorenpool und innerhalb des Vereins besiegelten das Aus nach nur sechs Jahren. "Die Platzsituation und die Entwicklung beim FSV Kettwig e.V. zeigen, wie sich die aktuelle Situation in einen ernsthaften Standortnachteil wandelt. Doch auch der Vertrag über die Nutzungsrechte auf der Anlage zwischen Stadt und dem FSV Kettwig e.V. bzgl. Werbung und Verkauf machen es uns dauerhaft unmöglich, ein geeignetes Maß an Wachstum zur Finanzierung des Vereins zu erreichen. Es wird uns nicht gelingen können, den Verein auf tragfähigen Füßen zu halten", heißt es in einer offiziellen Mitteilung des FC Kettwig 08.

"Die Spieler wurden mit sehr viel Geld gelockt"

Beim Platznachbarn FSV Kettwig hat diese Meldung für reichlich Unverständnis gesorgt. Klub-Boss Dirk Petermann kritisiert die 08er für den vorzeitigen Rückzug aus der Bezirksliga. "Als der Verein im Jahr 2008 gegründet wurde, wussten alle Beteiligten, was auf sie zukommt. Es birgt immer Nachteile, wenn man auf eine bestehende Sportanlage wechselt. Die Verträge wurden damals im Beisein der 08-Verantwortlichen bei der Stadt unterschrieben. Das war allen von Beginn an klar, deshalb wäre es falsch, die Schuld nun bei anderen zu suchen", sagt Petermann.

Der FSV-Funktionär hatte eine ähnliche Situation vor sieben Jahren mit seinem Verein erlebt. Auch damals war das finanzielle Aus im Winter besiegelt. Dennoch wurde die Verbandsliga-Saison zu Ende gespielt. "Eine Saison muss unter allen Umständen durchgezogen werden. Das haben wir damals auch so gemacht. Letztlich ist es bei 08 aber so, dass die Spieler mit sehr viel Geld gelockt wurden. Da dieses nun nicht mehr vorhanden ist, sind die Leute sofort weg. Für den Verein und einige Verantwortliche wie Günter Hanel tut es mir wirklich Leid", betont Petermann.

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Kritik für den unrühmlichen Abgang des FC Kettwig hagelt es auch aus der Bezirksliga. Der Rückzug der neuntplatzierten Ruhrstädter hat erhebliche Auswirkungen auf das Tabellenbild. So ist etwa der Vorsprung des Spitzenreiters VfB Frohnhausen auf TuS Essen-West 81 von fünf auf magere drei Zähler geschrumpft, da die Westler gegen die 08er nur 2:2 spielten. VfB-Trainer Issam Said erhebt schwere Vorwürfe gegen die Entscheidungsträger der Kettwiger: "Das ist eine Riesen-Sauerei. Für uns ist das ein großer Nachteil im Kampf um die Meisterschaft, da wir am letzten Spieltag gegen Kettwig gespielt hätten und somit nicht mehr nachlegen können. Die Vereine können doch nicht machen, was sie wollen. Die Arbeit der anderen Klubs wird so mit Füßen getreten", poltert Said und fügt hinzu: "Vor allem die Stellungnahme des Vereins ist eine absolute Frechheit. Alle anderen sind schuld, nur nicht der eigene Verein. Man kann nur mit Summen arbeiten, die einem auch zur Verfügung stehen."

Rund um die Ruhrtalstraße hat diese Devise aber zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre offenbar niemand verstanden.

Autor: Martin Herms

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