Es hört einfach nicht auf: In Essen sorgte eine Tätlichkeit im Kreisliga-C-Spiel mal wieder für negative Schlagzeilen.

Essen

Ballfreunde-Kicker bricht Atletico-Torjäger die Nase

Krystian Wozniak
08. Dezember 2014, 12:25 Uhr

Es hört einfach nicht auf: In Essen sorgte eine Tätlichkeit im Kreisliga-C-Spiel mal wieder für negative Schlagzeilen.

Die Ballfreunde Bergeborbeck II empfingen am Sonntag das Spitzenteam von Atletico Essen. "Die Spanier" zeigten einmal mehr ihre Stärke und beendeten das Spieljahr 2014 mit einem 6:0-Kantersieg an der Bergeborbecker Hagenbecker Bahn. Michael Wilms führte seine Farben mit drei Treffern zum 11. Saisonsieg. Wilms führt mit 19 Toren auch die Torschützenliste der Kreisliga-C-Staffel-1 an.

[infobox-right]Auf dem Bild ist Michael Wilms zu sehen, dem am Sonntag das Nasenbein gebrochen wurde. Vor dem Spiel richtete er einen Gruß an den Sportlichen Leiter seiner Mannschaft.[/infobox]

Anstatt sich über die gute Hinrunde und die vielen Buden zu freuen, erlebte Wilms jedoch den wohl schlimmsten Tag seiner bisherigen Laufbahn. Der Atletico-Stürmer wurde in der 80. Minute von einem Ballfreunde-Akteur (Name der Redaktion bekannt) per Kopfnuss niedergestreckt und erlitt dabei einen Nasenbeinbruch.

RevierSport fragte bei den Beteiligten nach: was war da los?

Andreas Stader, Abwehrspieler von Atletico Essen:
"Mir fehlen fast schon die Worte. Ich frage mich nur, was noch alles passieren muss, damit dieser ganze Scheiß aufhört? Jedes Wochenende dreht irgendein Verrückter durch und zieht unseren Essener Amateurfußball in den Dreck. Diese Leute sollten ein lebenslanges Verbot erhalten und nie wieder einen Fußballplatz betreten. Es ist einfach unglaublich, was da am Sonntag unserem Torjäger Michael Wilms widerfahren ist.

Bis zur 80. Minute war das ein ganz normales Kreisliga-C-Spiel. Wir waren die klar bessere Mannschaft und bis zu dieser schrecklichen Tat stand es auch 6:0 für uns. Plötzlich sehe ich aus rund 25 Metern Entfernung, wie Michael sich mit einem Ballfreunde-Spieler ein verbales Wortgefecht liefert. Nur wenige Sekunden später dreht sich der Ballfreunde-Kicker um und verpasst Michael mit voller Wucht eine Kopfnuss. "Micha" war unvorbereitet und es hat richtig geknallt. Die Nase war sofort durch und er lag dort bewusstlos. Wir haben ihn sofort in die stabile Seitenlage gelegt und der Schiedsrichter hat noch nach seiner Zunge gegriffen, die er ansonsten wohl verschluckt hätte. Im Endeffekt können wir uns alle glücklich schätzen, dass Michael "nur" einen Nasenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung erlitt. Ich will gar nicht darüber nachdenken, was hätte passieren können. Nach rund fünf bis zehn Minuten war auch schon der Krankenwagen da und hat Michael mitgenommen. Am Abend konnte er das Krankenhaus wieder verlassen.

[fieber]220130541;220016;1415[/fieber]
Der Täter hat sich wie das letzte Arschloch verhalten. Er stand da und hat sich abgefeiert. Sätze wie, "seht ihr, ich habe dem Typen die Nase gebrochen, das hat er nun davon, dass er mich beleidigt hat", fielen aus seinem Mund. Nach der Roten Karte ist er wie ein Held vom Feld spaziert. Und auch die Verantwortlichen der Ballfreunde und der Trainer haben sich nicht besser verhalten und versucht bei der Fußballszene Essen die Tat noch zu rechtfertigen. Ich frage mich wirklich, ob so ein Mensch noch alle Tassen im Schrank hat? Da fehlt mir jedes Feingefühl. Das ist doch unmenschlich. Wenn man so eine Scheiße baut, dann sollte es einem wenigstens Leid tun. Solche Spieler muss der Verband für immer verbannen. Michael hat auch später eine Anzeige bei der Polizei wegen Körperverletzung gestellt. Wir werden ihm alle dabei helfen, dass der Täter zur Rechenschaft gezogen wird!"

Detlef Thielert, erster Vorsitzender Ballfreunde Bergeborbeck:
Es ist absolut egal, was zu dieser Tat geführt hat: Gewalt auf dem Fußballplatz können wir in keinster Weise tolerieren und unser Verein distanziert sich in aller Form von dieser Aktion, die leider zu einer schweren Verletzung des Atletico-Spielers geführt hat. Wir wünschen Michael Wilms auf diesem Wege eine schnelle Genesung. Der Ballfreunde-Spieler, der diese Tat begangen hat, ist schon einige Jahre bei uns und noch nie auffällig gewesen. Er hat sich stets fair und vorbildlich verhalten. Aus diesem Grund ist dieser Vorfall aus unserer Sicht umso schockierender. Der Spieler hat bereits angekündigt, dass er für diesen Vorfall gerade stehen wird. Ich werde auch so schnell wie möglich mit unseren Trainern und allen Beteiligten sprechen. So etwas darf nicht passieren und viel mehr kann es nicht sein, dass der Versuch unternommen wird, einen Gewaltakt zu erklären oder sogar zu rechtfertigen. Wir werden das Geschehene intern besprechen und dann eine Entscheidung treffen. Nach den jüngsten unrühmlichen Zwischenfällen im Essener Amateurfußball ist es umso schlimmer, dass so etwas nochmal passiert ist.

Autor: Krystian Wozniak

Kommentieren