Der ehemalige Profi des MSV Duisburg und des FC Schalke 04, Dietmar Schacht, hat sich offiziell für die Position des Cheftrainers der Fußballnationalmannschaft der Menschen mit geistiger und Lernbehinderung beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) beworben (RevierSport online berichtete). Warum er das Erbe von Willi Breuer antreten möchte, erläuterte er im Gespräch mit FUBA-NET/RevierSport.

Interview: Dietmar Schacht zu seiner Bewerbung beim DBS

"Die EM 2008 wäre ein reizvolle Aufgabe"

Thomas Wein
15. Juni 2007, 15:51 Uhr

Der ehemalige Profi des MSV Duisburg und des FC Schalke 04, Dietmar Schacht, hat sich offiziell für die Position des Cheftrainers der Fußballnationalmannschaft der Menschen mit geistiger und Lernbehinderung beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) beworben (RevierSport online berichtete). Warum er das Erbe von Willi Breuer antreten möchte, erläuterte er im Gespräch mit FUBA-NET/RevierSport.

Herr Schacht, zunächst schien es ein Gerücht zu sein, aber nun ist ihre Bewerbung für den Posten des DBS-Nationaltrainers wohl offiziell?

Ja es stimmt, ich gehöre zu den Kandidaten, die zur Auswahl stehen. Ich habe mich am Dienstag beim DBS in Duisburg vorgestellt und verschiedene Gespräche geführt.

Wie kam es überhaupt dazu?

Ich habe natürlich die Berichterstattung über die INAS-FID WM im letzten Jahr verfolgt. Die großartige Leistung des Teams um Willi Breuer hat mich schon sehr beeindruckt. Nach seinem Rücktritt wäre ich bereit, die von ihm begonnene Pionierarbeit fortzusetzen.

Würde eine Honorar-Tätigkeit beim DBS nicht in einen Konflikt geraten mit ihrer hauptamtlichen Tätigkeit? Sie sind ja schließlich Trainer des Frauen-Bundesligisten SC 07 Bad Neuenahr.

Nein, da gibt es überhaupt kein organisatorisches Problem – ganz im Gegenteil. Die Belastung eines Chefcoachs beim DBS ist nicht groß, denn sie umfasst ja gerade einmal vier Leistungslehrgänge im Jahr. Inwieweit Umfeldarbeit hinzukommt, wird man sehen, wenn überhaupt erst einmal eine Entscheidung steht. Meine Trainertätigkeit bei den Damen von Bad Neuenahr wird davon nicht berührt. Es ist doch ein Vorteil, weil so die Nähe zum DFB und professioneller Infrastruktur gegeben ist.

Was hat sie denn tatsächlich zu einer Bewerbung beim DBS motiviert?

Was mich bei den DBS-Spielern während der WM beeindruckt hat, ist der Ehrgeiz und der Wille etwas erreichen zu wollen. Und wenn ich es nicht gewusst hätte, dass es sich um Spieler mit einer geistigen Behinderung handelt, wäre es mir nicht aufgefallen. Der Erfolg des dritten Platzes gibt der Arbeit von Breuer Recht. Ich bin bereit hier anzusetzen und zu helfen. Natürlich wäre die EM 2008 in England ein Ziel und eine sehr reizvolle Aufgabe.

Haben Sie denn überhaupt Erfahrung mit der Klientel geistigbehinderter Menschen?

Nein, ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte schon einmal Menschen mit Behinderung trainiert. Ich denke, dass dies nicht unbedingt ein Nachteil ist. Ich arbeite sehr gerne mit Menschen und habe auch in meiner Fußballschule schon Kontakte zu Personen gehabt, die hyperaktiv oder verhaltensauffällig waren. Dies setze ich gar nicht erst in den Fokus. Irritiert war ich eher, dass die Eltern vorab unsicher waren und fragten ‚darf mein Junge überhaupt mitspielen?’ Aber genau das ist doch Integration.

Ein neues ungewohntes Umfeld wäre für Sie nicht problematisch?

Überhaupt nicht! Ich bin grundsätzlich für alle Seiten offen. Als ich vor zwei Jahren in den Frauenfußball wechselte, haben mir das nur Wenige zugetraut. ‚Nach einer Woche ist der wieder weg’ wurde geunkt. Ich bin noch da und wir haben eine tolle Saison trotz sechs schwerverletzter Spielerinnen absolviert. Mich reizt eine mögliche Tätigkeit beim DBS sehr und ich glaube ich passe vom Typ her gut zum Team.

Wie geht es nun weiter, wovon gehen Sie aus?

Mit mir ist nun erst einmal persönlich am Dienstag gesprochen worden. Es gibt noch zwei Mitbewerber, wie ich hörte, wovon einer aus dem Verband selber kommt. Ich habe meine Arbeitsweise deutlich gemacht. Beide Seiten haben sich beschnuppert. Schau’n wir mal, wie sich der DBS in den nächsten Wochen entscheidet und dann sehen wir weiter.

Autor: Thomas Wein

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