Alter schützt vor Tor(geil)heit nicht. Zugegeben, ein etwas wahnwitziges Wortspiel, doch wie soll man Guido Silberbach sonst beschreiben. Der kürzlich in den Kreis der 40-Jährigen aufgenommene Stürmer von Vorwärts Kornharpen ist besonders für seine Gegenspieler genauso ungewöhnlich. Denn trotz seines für Fußballer biblischen Alters hat sich Silberbach zum zweiten Mal in Folge die Torjäger-Kanone gesichert.

KORNHARPEN: Silberbach, der Hans Dampf in allen Klassen

Ein Näschen für Gianluca

tr
15. Juni 2007, 09:50 Uhr

Alter schützt vor Tor(geil)heit nicht. Zugegeben, ein etwas wahnwitziges Wortspiel, doch wie soll man Guido Silberbach sonst beschreiben. Der kürzlich in den Kreis der 40-Jährigen aufgenommene Stürmer von Vorwärts Kornharpen ist besonders für seine Gegenspieler genauso ungewöhnlich. Denn trotz seines für Fußballer biblischen Alters hat sich Silberbach zum zweiten Mal in Folge die Torjäger-Kanone gesichert.

Satte 20 Einschläge stehen zu Buche. "Außerdem habe ich 24 Dinger direkt aufgelegt", kann Silberbach nicht nur selbst ins Schwarze treffen, sondern auch seine Nebenleute in Szene setzen. Am besten klappte das Zusammenspiel mit seinem Sturmpartner Sebastian Kleine. "Dass Sebastian mit 18 Toren zweitbester Schütze ist, freut mich ganz besonders", lacht Silberbach. "Er kam schließlich aus der Kreisliga zu uns und wird jetzt auch seinen Weg bei Westfalia Herne in der Oberliga gehen. Da kann er dann zeigen, was er von mir gelernt hat."

Mit Sicherheit eine Menge, denn sonst hätte sein Bruder und Trainer Jörg Silberbach nicht dafür plädiert, dass der Goalgetter noch eine weitere Spielzeit aktiv dabei sein soll. "Ja, ich habe verlängert", bestätigt Guido, winkt dann aber ab: "Aber hör' mir mit dem Coach auf." Hoppla – Familienzwist? "Klar, im letzten Jahr habe ich noch 25 Buden gemacht, jetzt sind es fünf weniger", ärgert sich Silberbach und legt nach: "Einige meinen, je älter desto schlechter, aber ich bin der Meinung, dass ich einen Scheiß-Trainer habe. Denn er hat mich ständig ausgewechselt, ein Spiel durfte ich sogar überhaupt nicht ran. Ich weiß nicht, wo dieser Mann seine Kenntnisse her hat."

Eine kurze Pause, doch dann kann sich Guido sein Lachen nicht mehr verkneifen. "Nein, natürlich liegt es nicht an meinem Bruderherz. Meine Hüftprobleme spüre ich schon, hinzu kommt der Bandscheibenvorfall, der immer wieder auftreten kann. Das ist ein Handicap."

Doch es ist nicht so groß, um der Jugend in Sachen Chancenverwertung nicht noch etwas vorzumachen. "Deshalb bleibe ich ja auch, um die Youngster an die Hand zu nehmen und sie zu führen", erklärt der Oldie. "Ich wäre gerne etwas kürzer getreten, aber Jörg braucht mich noch. Wir haben uns erneut verjüngt, deshalb soll ich mich um die jungen Leute kümmern."
Und die können eine Menge vom "Tausendsassa" lernen. Denn eine vergleichbare Karriere ist bundesweit nicht zu finden.

Silberbach ist der Hans Dampf in allen Klassen, kickte in allen Ligen. Es begann 1985 in der Kreisliga B bei Phönix Bochum. Mit dem Aufstieg in die Klasse A und der Torjägerkanone empfahl sich der damals 18-Jährige für die große Fußballwelt. Mit Weitmar 09 lief Silberbach in der Landesliga auf, ging in der Bezirksliga für Remscheid auf Torejagd und feierte seinen Höhepunkt mit der SG Wattenscheid 09 in der ersten und zweiten Bundesliga sowie der Regionalliga. "Mir fehlt nur ein Länderspiel-Einsatz", grübelt Silberbach, der "nur" mit der Verbands-Auswahl Deutschland bei internationalen Turnieren vertrat.

Doch was wünscht man sich, wenn die Laufbahn alle Träume bereits abgedeckt hat? "Dass mein Sohn Gianluca in meine Fußstapfen tritt", ist Silberbach stolz auf seinen Sprössling, der schon in der D-Jugend des VfL Bochum von sich reden macht.
Wie sein Herr Papa. Denn der einzigartige Werdegang des Stürmers hat wieder zu einem Titel gereicht und die Hoffnungen bei den Fans geschürt, dass es auch im nächsten Jahr so weiter geht. "Wenn es für die Erste nicht mehr reicht, bin ich auch nicht böse", gibt sich Silberbach relaxt. "Ich bin eben älter. Vieles mache ich zwar noch mit der Routine und meinen Näschen, aber irgendwann klappt es nicht mehr so, wie man es sich wünscht. Dann muss ich der nächsten Generation eben Platz machen." Die sich dann hoffentlich viel von seiner Tor(geil)heit abgeschaut hat.

Autor: tr

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